Dieses Buch wurde in drei Wochen geschrieben, ist jedoch das Ergebnis zwanzigjähriger Arbeit. Die Autorin der Ausgabe "Öffentliche Meinung in den Jahren der Transformation" ist die Chefin des Instituts für öffentliche Meinungsforschung und Marketing MBMD - Mira Radewa. Das Gründungsjubiläum einer der bekanntesten Meinungsforschungsagenturen Bulgariens veranlasste Radewa, die öffentliche Meinung seit Beginn des demokratischen Wandels zu systematisieren. Dabei ist Mira Radewa nicht die erste Soziologin, die über die Transformationszeit schreibt.
"Für mich ist die Transformation dann zu Ende, wenn es uns allen besser geht – äußert die MBMD-Chefin in einem Interview für Radio Bulgarien. – Es kann nicht sein, dass sich das Bruttoinlandsprodukt in diesen zwanzig Jahren verdreifacht hat und der Durchschnittlohn auf dem Stand von 1990 geblieben ist. Das ist keine glückliche Gesellschaft, da es viel Ungerechtigkeit und viel soziale Ungleichheit gibt. Wir sind noch weit entfernt von dieser echten, tief in unseren Herzen verankerten demokratischen Kultur, von der ich jedoch überzeugt bin, dass es sie gibt. Für mich ist die Transformation dann vorbei, wenn wir uns in diesem Land wohl fühlen."
Nach der demokratischen Wende von 1989, so Mira Radewa, hätten sich die Einstellungen der bulgarischen Wählerschaft evolutionär gewandelt. Wenn vor 20 Jahren noch 42 Prozent der Bevölkerung mit der Linken sympathisierten, so ordnen sich heute 45 Prozent im Mitte-Rechts-Spektrum ein. Auch wenn die öffentliche Meinung ständigen Schwankungen unterliegt, ist die Zahl der Anhänger des rechten Spektrums gestiegen, die Linke hat an Zuspruch verloren. In ihrem Buch analysiert Mira Radewa in chronologischer Reihenfolge jede einzelne Regierungspartei seit der Wende. Für sie ist die Regierung der rechtsgerichteten Vereinigung der demokratischen Kräfte ODS von 1997-2001 Ausdruck "des Willens zur Veränderung und der Wachstumsfehler." Die Regierung der linken Bulgarischen sozialistischen Partei BSP definiert sie als "die Fähigkeit zu überleben", die der liberalen Nationalen Bewegung Simeon von Sachsen, Coburg und Gotha (NDSW) als "Rückkehr des Zaren – Springerzug". Die Partei der türkischen Minderheit DPS bezeichnet sie als "ewigen Sieger", die amtierende GERB-Partei als "rechten Anspruch mit linken Wählern."
Bisher können drei Regierungen auf eine volle Amtszeit zurückblicken – die ODS-Demokraten, die Zarenpartei NDSW sowie das von den Sozialisten angeführte Koalitionskabinett. Die bisher höchste Zustimmung verzeichnet mit 42 Prozent die Regierung der ODS-Demokraten unter Ministerpräsident Iwan Kostow, gefolgt von der Regierung der Zarenpartei unter Ministerpräsident Simeon von Sachsen, Coburg und Gotha mit 31 Prozent und der Dreierkoalition aus Sozialisten (BSP), Zarenpartei (NDSW) und Türkenpartei (DPS) mit 23 Prozent, kommentiert Mira Radewa.
"Die amtierende GERB-Regierung unter Bojko Borisow erfreut sich mit 40 Prozent recht guter Zustimmung und hätte alle Chancen, sich an die Spitze einer eventuellen Regierungs-Rangliste zu setzen. – meint MBMD-Chefin Mira Radewa. - Ob das eintritt, werden die Ergebnisse nach Ablauf der Amtszeit zeigen. Die beliebteste Persönlichkeit der Transformation ist Staatspräsident Petar Stojanow. Seine Vertrauenswerte sind die höchsten, die von unserem Institut je ermittelt wurden. Im Februar 1997 hatte Stojanow die Zustimmung von 68 Prozent der Bevölkerung. Zur gleichen Zeit geben die Sozialisten den Auftrag zur Regierungsbildung zurück und vorgezogene Parlamentswahlen werden anberaumt. Mit Bojko Borissow hat Präsident Stojanow einen ernst zu nehmenden Gegner. Schade, dass Stojanow nur eine Amtszeit beschert war. Wie wir wissen, machen viele Bedingtheiten und der Einfluss der Geschichte die Politik zu einer Kunst der Gelegenheiten. Es sieht ganz danach aus, dass der amtierende Staatspräsident Georgi Parwanow nach zwei Amtszeiten auch der erfolgreichste Politiker dieser Jahre sein wird."
Übersetzung: Christine Christov