Wozu ist eine Autohupe NICHT in der Lage?
Autos zu versetzen und zu überspringen
Die Ampel von Rot auf Grün zu schalten
Taubheit zu heilen
... Dreistigkeit in die Schranken zu weisen
Verantwortung zu erwecken
... ... Wildes Gehupe, durch die Luft fliegende Zigarettenstummel, lose und wasserspitzende Gehwegplatten, drängelnde Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und andere städtische Seltsamkeiten erregen die Aufmerksamkeit des Künstlers Jawor Popow. All das lebt in lustigen Karikaturen auf, die uns von der Facebook- Seite des jungen Künstlers zuzwinkern. Diese trägt den vielsagenden Titel "Gebrauchsanweisung für Sofia". Innerhalb eines einzigen Jahres zog diese die Aufmerksamkeit von über 17.000 Personen an und sorgte für hitzige Kommentare. Seine täglichen Begegnungen mit derartigen Situationen und Gestalten brachten Jawor spontan auf die Idee, eine solche Seite zu gestalten. "Ich versuche die auf den ersten Blick vermeintlich banalen schädlichen Gewohnheiten zu ironisieren. Wenn sich die Menschen jedoch einmal selbst unter die Lupe nehmen und versuchen würden, diese Angewohnheiten abzulegen, würde sich das städtische Umfeld sehr zum Positiven wandeln", ist der Karikaturist überzeugt. Er mag seine Geburtsstadt Sofia, träumt jedoch von einem Leben außerhalb der Metropole, fernab von ihrer Überbevölkerung, dem unaufhörlichen Hupen der Autos und der Verschmutzung.
"Wenn ich Zeit habe, gehe ich sehr gerne in der Stadt spazieren, egal ob mit Familie oder ohne. Da kommen viele Eindrücke zusammen. Unsere Umgebung bietet sehr viel Stoff – zuweilen komisch, zuweilen leicht unangenehmen Charakters. In der Regel bevorzuge ich leichtere Karikaturformen, obwohl mein Inneres da anderer Meinung ist. Allerdings versuche ich, die Menschen nicht mit sehr schweren und düsteren Themen zu belasten. Deshalb konzentriere ich mich auf die Gewohnheiten der Menschen. Auf den ersten Blick sind das in der Tat banale Probleme, die jedoch durch die Massen summiert verhindern, dass die bulgarische Hauptstadt ein normales europäisches Antlitz erhält. Besonders stört mich das achtlose Wegwerfen von Abfällen. Ich bin mir sicher, dass sich viele Leute darüber nicht einmal Gedanken machen. Beispielsweise wirft man beim Aussteigen aus der Straßenbahn seine Fahrkarte achtlos weg oder beim Einsteigen in den Bus seinen Zigarettenstummel. Oder man geht mit seinem Hund Gassi ohne dessen Hinterlassenschaften zu entsorgen. Auch wenn es in vielen Kommentaren auf der Seite heißt, dass man stets einen Beutel dabeihabe. Und meistens sind die anderen schuld. Alles ist eine Frage elementarer Gewohnheiten."

Die Karikaturen von Jawor sind so gut, dass man sehr erstaunt ist, wenn man erfährt, dass der junge Künstler sich diese Fähigkeiten selbst angeeignet hat. Schon im frühen Alter zieht ihnen die Malstifte in ihren Bann. "Im Unterricht habe ich meistens gezeichnet, was mir keine besonders guten Noten einbrachte", lacht Jawor. Sein Ziel ist die Nationale Kunstakademie, deren Tore einst nur mit Beziehungen offen standen.
"Zeichnen ist mein Leben – erzählt Jawor. Ständig suche ich im Internet nach Neuem. Ich verfolge die Blogs von Künstlern und ihre Tricks. In bezug auf das Zeichnen bedaure ich nur, dass ich Amerika jedes Mal neu entdecken muss, was überflüssig ist."
Die Facebook- Seite "Gebrauchsanweisung für Sofia" ist sowohl ein Hobby des jungen Künstlers als auch ein Projekt, mit dem er seinen Standpunkt zum Ausdruck bringt. Auch als Nichtabsolvent der Kunstakademie ist das Zeichnen für ihn Beruf und Berufung. Seit geraumer Zeit beschäftigt er sich mit Grafikdesign und Werbung.
"Seit langem habe ich mich dem Internet verschrieben. Seinerzeit war ich einer der Mitgründer des Portals search.bg. Die sozialen Netzwerke sind ein fruchtbarer Boden, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Alles entwickelt sich rasant schnell. Vor zehn Jahren war es noch sehr schwierig, an irgendwelche fachspezifischen Informationen ranzukommen. Heute ist das kein Problem mehr. Die sozialen Netzwerke bieten ausgezeichnete Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen."
Sofia in einen besseren Ort zum Leben zu verwandeln sei nicht nur die Aufgabe der Stadtverwaltung, meint Jawor. Hier sei das Engagement eines jeden einzelnen gefragt.
"Ehrlich gesagt habe ich nicht mit derartigem Zuspruch für die Internetseite gerechnet – erzählt der junge Karikaturist. – Mit der Seite wollte ich meinen Standpunkt zum Ausdruck bringen und diesen möglichst vielen Menschen zugänglich machen. Ich möchte mein Vorhaben weiterentwickeln und habe auch schon verschiedene Ideen, die in Richtung Trickfilm oder Druck gehen. Viele Leute haben vorgeschlagen, die Karikaturen als Broschüre an den U-Bahn-Stationen zu verteilen. Den Leuten die Fahrt zu versüßen, wäre nicht schlecht. Allerdings kann ich solche Projekte nicht aus eigener Kraft bewältigen. Dafür brauche ich Unterstützung."

Auch die erste eigene Ausstellung von Jawor Popow sorgte für Aufsehen. Gezeigt wurde sie im Rahmen des Jugendfestivals "ON! Fest 2011" im September dieses Jahres. Der talentierte Künstler hofft, in Zukunft mit weiteren Auftritten überzeugen zu können.
Übersetzung: Christine Christov
Bilder: bereitgestellt von Jawor Popow