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veröffentlicht Mittwoch, 19. Mai 2010 12:18
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Frank Stier über die Arbeit eines deutschen Journalisten in Sofia 

Wenn Sie eine österreichische, deutsche oder gar Schweizer Tageszeitung aufschlagen, werden Sie nicht gerade viel über Bulgarien darin vorfinden. Nicht, dass bei uns nichts los wäre. Nicht viele sind jedoch die deutschsprachigen Journalisten, die vor Ort berichten. Seit etwas mehr als vier Jahren ist für den deutschen Kollegen Frank Stier die bulgarischen Hauptstadt Sofia wie eine zweite Heimat geworden. Von hier aus berichtet er zu allen Themen der gesellschafts-politischen Leben Bulgariens für zahlreiche Redaktionen im deutschsprachigen Raum.

Frank Stier stellte in seiner Arbeit in den letzten ein paar Jahren fest, dass das Interesse der westeuropäischen Medien an Bulgarien mit dem EU-Beitritt des Landes spürbar stieg. Woher kommt aber das Interesse des 46jährigen Schwarzwälder an Bulgarien?

© Foto: Vessela Vladkova

"Zunächst mal ist eben ein persönliches Interesse zum Balkan allgemein. Ich hatte ein persönliches Interesse an Jugoslawien. Dass ich dann Anfang 2000 journalistisch zu Bulgarien, zu ganz Südosteuropa zu arbeiten begann, war eher zufällig.
Ich hab gesehen, hier entwickeln sich die Dinge rasant, und ich wusste, dass es hier eben kaum deutschsprachige Journalisten im Land gibt, während in Polen, in Tschechien und Ungarn viele westliche Journalisten arbeiten. Und ich dachte, hier wird es eine Nische sein, und so war es tatsächlich."

Seit über vier Jahren lebt und arbeitet Frank Stier von seinem Büro in Sofia aus. Diese Zeit reicht anscheinend aus, um die spezifischen Feinheiten eines Landes kennen zu lernen. Immer wieder ist in Bulgarien die Rede von mangelnder Pressefreiheit, von meist wirtschaftlichem Druck auf Journalisten. Dieses Thema geht auch an Frank Stier nicht vorbei.

"Tatsächlich haben manche bulgarische Kollegen mir gegenüber schon geäußert, dass sie in ihrer Themenwahl etwas begrenzt sind. Und das merke ich auch in der täglichen Lektüre – skandalöse Sachverhalte, die in manchen Medien vorkommen, aber bestimme Leute betreffen, kommen in anderen Medien, die den Leuten oft gehören, nicht zur Sprache. In allen Ländern haben Herausgeber, Verlagsleiter, die auch wirtschaftliche Interessen verfolgen, einen gewissen Einfluss auf den Inhalt. Natürlich hat man schon den Eindruck, dass Wirtschaftsinteressen oftmals über journalistischen Objektivitätskriterien dominieren. Stärker, als im Westen wahrscheinlich."

Ist es eine Mentalitätsfrage? Oder vielleicht vom Sozialismus vererbt, als die Leute gewohnt waren, dass von oben entschieden wird, was geschieht oder was geschrieben wird?

"Wenn ich auf Pressekonferenzen bin, fällt mir schon auf, dass die Journalisten in Bulgarien überwiegend sehr jung sind. Ob sie eine Schere im Kopf haben oder nicht, das mache ich weniger an der Generation fest, sondern an dem Medium, wie es mir erscheint: worüber eine Zeitung berichtet, worüber sie kritisch berichtet, was bei ihr wegfällt. Da mache ich mir meine Meinung, ob in der Redaktion, bei den Kollegen, eine Schere im Kopf zu vermuten ist."

Die Pressefreiheit geht Hand in Hand mit dem demokratischen Verständnis einer Gesellschaft. Die Erfahrung bei Recherchen zu verschiedenen Themen zeigt aber leider, dass viele nicht nur offizielle Stellen, sondern auch Privatunternehmen nur selten bereit sind, ihre Öffentlichkeitsarbeit ernst zu nehmen. Diese Erfahrungen machte auch Frank Stier bei seiner Arbeit in Bulgarien:

"Das ist tatsächlich das größte Problem, das sich bei meiner Arbeit stellt, dass wenn ich Institutionen, Ministerien, Firmen, Behörden um Informationen bitte, auf meine Frage zunächst erst gar nicht eingegangen wird, und ich dann zigmal nachhacken muss, und nicht immer Erfolg habe. Manchmal klappt es und dann werden erstaunlich ausgiebige und nützliche Informationen verbreitet. Oftmals beiße ich aber auf Holz ohne Erfolg, wo ich mir dann ab und zu die Freiheit nehme zu schreiben, dass die entsprechende Behörde zu Auskünften nicht bereit war."

Um die Sendung zu hören, klicken Sie bitte auf den Titel neben dem Audiosymbol.

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