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veröffentlicht Freitag, 25. November 2011 13:09
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Kalin Terzijski – Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2011 

© Foto: Privat

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wurden am 11. Oktober die Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2011 bekannt gegeben worden. Der Preis wird an besonders erfolgreiche Nachwuchsautoren in der EU vergeben. 2011 geht der Preis auch an Kalin Terzijski für seinen Erzählband "Gibt es jemand, der dich liebt?"

Der Literaturpreis der Europäischen Union wird gemeinsam von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Buchhändlerverband, dem Europäischen Schriftstellerverband und dem Europäischen Verlegerverband ausgelobt. Um den Preis bewerben können sich Autoren aus den 36 Ländern, die in das EU-Programm "Kultur" eingebunden sind, d.h. alle 27-EU-Mitgliedstaaten sowie Bosnien-Herzegowina, Island, Liechtenstein, Norwegen, Kroatien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Serbien und die Türkei. Im Jahresturnus wählen nationale Jurys in jeweils 12 teilnehmenden Ländern ihren nationalen Nachwuchsautor als Preisträger aus. Auf diese Weise kommen alle 36 am Kulturprogramm beteiligten Länder im Laufe von drei Jahren einmal zum Zuge.

"Viel mehr über den Europäischen Literaturpreis weiß ich selber auch nicht", sagt der junge Autor Kalin Terzijski einleitend. "Ich habe Übersetzungen meiner Erzählungen und einen Lebenslauf geschickt. Offensichtlich hat die Jury meine Erzählungen für gut befunden", sagt Tersijski.

Tersijski ist Doktor, obwohl sich niemand mehr so an ihn wendet. Aber er hat die Gabe zu heilen. Seine Therapie sind keine Medikamente, sondern seine Gedichte. Dr. Kalin Tersijski hat zwei Gedichtsbände, vier Sammelbänder mit Erzählungen und zwei Romane veröffentlicht. Nach jahrelange Alkoholsucht kämpft er heute noch mit den Folgen. Kalin Tersijski macht keine Kompromisse und deshalb ist er felsenfest überzeugt, dass er nie wieder ins Glas schauen wird.

Kalin Tersijski wurde 1970 in Sofia geboren. Nach Abschluss des Nationalen naturwissenschaftlichen Gymnasiums studierte er Medizin. Im Jahr 2000 machte er seinen Magister in Psychiatrie. Nebenbei jobbte Tersijski als Schreiner, Sanitäter und sogar als Krankenschwester. Nach dem Magisterabschluss schloss er auch mit dem Ärzteberuf ab. Und wand sich ganz der Literatur zu. Im März 2010 gründete Kalin Tersijski den Verband bulgarischer Fernsehdrehbuchautoren. Der preisgekrönte Erzählband "Gibt es jemand, der dich liebt?" ist sein viertes Buch mit 16 traurigen, eigenartigen, fantastischen und zugleich realitätsnahen Erzählungen. Der Band ist seit 2009 auf dem bulgarischen Büchermarkt.

"Diese Erzählungen schrieb ich zwischen 2000 und 2008", erinnert sich der Autor. "Sie sind sehr emotionell, weil ich bemüht bin, keine indifferente Literatur zu schaffen. Ich schwimme so zu sagen gegen die Strömung, denn in den letzten Jahr hat sich der Trend durchgesetzt, dass der Schriftsteller ein unbeteiligter Beobachter ist, der teilnahmslos über die Welt und seine Mitmenschen schreibt. Das mag ich nicht. Ich mag die bewegenden Themen, die einen erschüttern und durchschütteln. So sind auch meine Erzählungen – ein Produkt vieler persönlicher Erfahrungen. In den Jahren, als ich diese Erzählungen geschrieben habe, war ich sehr einsam und verzweifelt. Gott sei Dank habe ich diese Zeit hinter mir. Die Erzählungen sind dennoch weder depressiv, noch düster, sondern viel mehr mysteriös und bewegend. Also glaube ich, dass man keinen all zu großen Fehler gemacht hat, als man mir den Europäischen Literaturpreis verliehen hat", sagt Kalin Tersijski.

Kalin Tersijski blieb auch nach dem Erzählband "Gibt es jemand, der dich liebt?" autobiografisch – 2010 veröffentlichte er zusammen mit Diana Dragoewa seinen ersten Roman "Alkohol". Darin erzählt er seine eigene Geschichte – den Verfall in die Alkoholsucht und den Weg daraus. Der Roman wird schnell zum Bestseller in Bulgarien. In diesem Frühjahr kam Tersijskis zweiter Roman auf den Markt: "Wahnsinn". Und auch da bleibt der junge Autor autobiografisch – er erzählt über seine vier Jahre als Psychiater in der Anstalt. Und auch dieser Roman freut sich über gute Verkaufszahlen. Nun stellt er sich die berechtigte Frage, ob nach der Anerkennung des bulgarischen Publikums und den Europäischen Literaturpreis auch die internationale Anerkennung folgt.

"Bei der offiziellen Preisverleihung in Brüssel am 28. November möchte ich das erreichen, wovon ich schon lange geträumt habe – ich will versuchen, die Tür der zeitgenössischen bulgarischen Literatur nach Europa zu öffnen", sagt Kalin Tersijski. "Ich bin überzeugt, dass die persönlichen Kontakte sehr wichtig sind. Erst danach folgt der Eindruck vom eigentlichen Literaturwerk. Meine Erzählungen werden die erste Schwalbe sein, aber eine Schwalbe macht noch lange keinen Frühling. Die bulgarische Literatur ist in Europa weitgehend unbekannt. Das muss sich ändern", fordert der junge Autor.

Übersetzung und Redaktion: Vessela Vladkova

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