In der Schwarzmeerstadt Baltschik wurde offiziell die diesjährige Sommersaison eröffnet. Die Prognosen für die kommenden Monate sind vielversprechend. Die Buchungen, so der stellvertretende Minister für Wirtschaft, Energetik und Tourismus Iwo Marinow, stimmten optimistisch.
Seitens des Ministeriums für Wirtschaft, Energetik und Tourismus erwartet man 5 bis 8 Prozent mehr ausländische Touristen. Auch hofft man im Ressort, dass der Tourismus, eine der profitabelsten Wirtschaftsbranchen des Landes, die Einnahmen aus dem Vorjahr und damit die 3-Milliarden-Euro-Grenze übersteigen wird. Gleichzeitig, so Vizeminister Marinow, sei der erwartete Zuwachs der Urlauberzahlen nicht gleichmäßig auf die Tourismusmärkte verteilt. Der höchste Zuwachs zeichne sich am russischen und ukrainischen Markt ab.
Zu diesem Trend hat wohl auch die Entscheidung der bulgarischen Regierung beigetragen, die nationalen Schengen-Visa russischer Staatsbürger gelten zu lassen. Das bedeutet, das russische Staatsbürger mit einem gültigen Schengen-Visum nunmehr mit diesem nach Bulgarien einreisen können. Eine weitere gute Nachricht für russische Touristen ist, dass in Russland neun weitere Visastellen eingerichtet werden und deren Zahl auf insgesamt 16 aufgestockt wird.
Diese Visastellen werden weite Teile des Landesgebietes der Russischen Förderation abdecken, was das Verfahren der Visumserteilung für russische Bürger bedeutend erleichtern wird. Seitens der bulgarischen Behörde verspricht man sich von diesem Vorgehen steigende Touristenzahlen. Und eine in diesem Zusammenhang interessante Tatsache - in der ersten Juniwoche wird die Ausstellung des 100.000 bulgarischen Visums für russische Staatsbürger seit Anfang 2012 erwartet. Übrigens vermeldet das Tourismusressort bereits seit Jahresbeginn 15 Prozent mehr russische Bulgarien-Touristen als im Vorjahr.
Seit einigen Jahren wird Bulgarien auch unter rumänischen Touristen immer beliebter, die es vor allem im Sommer an die bulgarische Schwarzmeerküste zieht. Laut Angaben der Bulgarischen Vereinigung der Hotel- und Gaststättenbesitzer verbringen alljährlich eine Million rumänische Touristen ihren Urlaub in Bulgarien, jedoch gäbe es Kapazitäten für weitere 500.000 Touristen aus unserem nördlichen Nachbarland. Übrigens zählt die Stadt Baltschik, in der die diesjährige Sommersaison eröffnet wurde, zu den beliebtesten Reisezielen der rumänischen Sommergäste. Baltschik, oder die s.g. Weiße Stadt, ist eine treffendes Beispiel dafür, wie man Natur-, Kultur- und Geschichtsstätten mit einer ganzjährigen Auslastung der touristischen Objekte verbinden kann. Auch im Winter verzeichne die Stadt eine Belegung von 40 bis 60 Prozent, was vom Ehrgeiz der Gemeinde zeuge, die Region als eine ganzjährige Tourismusdestination zu etablieren, betonte Iwo Marinow und wünschte den Branchenunternehmen viel Erfolg und zufriedene Stammkundschaft.
Der Erfolg der eingeläuteten Sommersaison hängt jedoch auch vom Binnenmarkt ab. Wo werden die Bulgaren ihren diesjährigen Sommerurlaub verbringen? An der heimischen Schwarzmeerküste oder in der benachbarten Türkei, wo die Preise zwar etwas höher liegen, dafür aber der Service stimmt? Oder etwa im krisengeschüttelten benachbarten Griechenland - einer weiteren bevorzugten Tourismusdestination unserer Landsleute?
Einer Eurobarometer-Umfrage zufolge wollen 73 Prozent der Bulgaren im eignen Land Urlaub machen. Die kürzlich veröffentlichten Daten des Nationalen Statistikamtes für das erste Jahresquartal bescheinigen einen 20-prozentigen Zuwachs einheimischer Touristen. Wenn sich dieser Trend fortsetze, so Branchenexperten, könne man einer äußerst erfolgreichen Sommersaison entgegensehen.
Übersetzung: Christine Christov