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veröffentlicht Samstag, 10. Dezember 2011 10:00
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Landtourismus in Ilinden 

© Foto: Albena Besowska

Ohne einen Abstecher vor Ort kann man sich wohl kaum vorstellen, was die bulgarischen Landschaften so verbergen. Fast jeder Abzweig der Bulgarien durchkreuzenden Fernstraßen bietet unerwartete Begegnungen mit der bulgarischen Natur. Eine dieser Entdeckungen lauert nahe dem Grenzübergang Ilinden in Südwestbulgarien. Ilinden heißt auch ein nur wenige Kilometer von der Hauptstraße entfernt liegendes Dörfchen, dessen Häuser sich an die Nordhänge des Rogatsch- Gebirges schmiegen. Zur nächstgrößeren Stadt Gotze Deltschew sind es 18 Kilometer. Ferner wartet die Umgebung mit Feriensiedlungen und Mineralquellen auf. Vor allem aber bietet das Dorf saubere Natur und Gebirgsklima mit Mittelmeereinfluss, denn nur eine Fahrstunde entfernt erstrecken sich namhafte griechische Strände.

Lediglich im ersten Augenblick erscheint das Dorf "der Welt entrückt". "Die Ära der Hochtechnologien hat auch hier Einzug gehalten. Es gibt Sattelitenfernsehen und Internet", erzählt Angel Jurukow – der Mensch mit den vielen Berufen. Er hat sich dem Business verschrieben und zählt zu denjenigen, die den Geburtsort ihrer Vorfahren in eine angesagte Tourismusdestination verwandeln wollen. In diesem Sinne preist Angel vor allem die im Dorf angebauten Bio-Produkte. Auch die unvergleichlichen Aussichten und reiche Geschichte ziehen immer mehr Liebhaber des Landtourismus an.

© Foto: Albena Besowska


Jede Familie im Dorf kennt ihre Wurzeln. Die Abzweigungen so manch eines Stammbaumes führen in ferne Länder. Alljährlich am 15. August, dem Festtag des hiesigen Gotteshauses "Allerheiligste Jungfrau Maria", finden sich Jung und Alt hier ein. Seit Jahrhunderten wird dieser Tag als Geschlechtertreffen des Dorfes begangen.

Einst hatte Libjachowo, wie Ilinden in der Vergangenheit hieß, rund 1.900 Einwohner. 1891 bereiste der bulgarische Geograf, Historiker und Politologe Wassil Kantschow das Dorf und hielt seine Eindrücke in einem Tagesbuch fest: "Libjachowo bietet eine sehr schöne Aussicht. Gelegen ist das Dorf an einem kleinen Burowitza-Nebenfluss. Aus der Höhe betrachtet, sieht es sehr malerisch aus. Oberhalb des Dorfes erstrecken sich bestellte Felder- unterhalb Wiesen. Im Dorf gibt es 300 Häuser mit bulgarischen Familien. Seit 1870 gibt es dort eine bulgarische Schule."

Zu den bekanntesten Familien zählt ist Sarafow- Familie, deren Sprössling der große bulgarische Schauspieler Krastjo Sarafow ist. Sein Bruder Petar Sarafow ist in 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts einer der Architekten Sofias. Zudem stiftet Architekt Sarafow seinem Geburtsdorf einen Bebauungsplan. Seit einigen Jahren ist in der Gemarkung Ilinden ein Team der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften im Einsatz. Die archäologischen Funde haben ans Licht gebracht, dass die Gegend bereits 5.000 Jahre vor der Zeitrechnung besiedelt war. Für die Einheimischen war diese Nachricht keine Überraschung. Überlieferungen zufolge soll es in der Gegend Gradischte eine befestigte Stadt gegeben haben, von der aus die Römer die aus dem heutigen Griechenland kommenden Karawanen beobachteten.

"Wo ich nicht schon alles gewesen bin. Zehn Jahre habe ich in der ehemaligen Sowjetunion gelebt, danach neun Jahre in den Vereinigten Staaten. Ilinden war jedoch stets in meinen Träumen", erzählt Angel Jurukow. "Nie habe ich aufgehört, an Ilinden zu denken. Ich habe mich sehr oft gefragt, was wohl der Grund dafür ist, dass mich das Dorf all die Zeit über magisch anzieht. Bis 2005 lebte ich in den Vereinigten Staaten – in New York, Chicago etc. In diesem großen und reichen Land verstärkt sich Gefühl, unbedingt heimkehren zu wollen. Und so beschloss ich, diesem Gefühl zu folgen und etwas für das Dorf und seine Schönheiten zu tun. Wir haben hier etliches, worauf wir stolz sind. Alle Leute sind für uns gleich, jedoch betonen wir stets, dass in Ilinden nie Menschen eines anderen Ethnos oder einer anderer Religion gelebt haben. In diesem Sinne leben in unserem Dorf als auch in einigen umliegenden Dörfern die ältesten bulgarischen Geschlechter. Zur Zeit der osmanischen Fremdherrschaft war Libjachowo so etwas wie ein Kreiszentrum. Die Kirche aus dem Jahr 1830 funktioniert noch heute. Auf einem Hügel erbaut, bietet das Gotteshaus eine herrliche Aussicht. Die Häuser sind sauber, die Menschen gastfreundlich. Sie stellen hausgemachten Käse, Joghurt und was nicht sonst noch so alles nach alten Familienrezepten her. Die Herden weiden 600-700 Meter über dem Meeresspiegel. Jedem Einwohner von Ilinden ist es eine Freude und Ehre, seine Gäste mit den Früchten seiner Arbeit zu bewirten." Wenn man wahre Ruhe und den echten Geschmack der Speisen sucht, sei man in Ilinden genau richtig, fügt Angel hinzu.

Übersetzung: Christine Christov

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