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veröffentlicht Donnerstag, 17. Mai 2012 15:37
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Das Dorf Rozhen - Landtourismus am Fuße des Pirin-Gebirges 

Autor: Lina Iwanowa

© Foto: Maria Tütündschiewa

© Foto: Maria Tütündschiewa

Nicht wenige geografische Orte tragen den gleichen Namen. So ist beispielsweise der Rozhen-Gipfel in den Rhodopen für das gleichnamige Observatorium bekannt. Allerdings wissen nur wenige um das kleine Dorf Rozhen am Fuße des Pirin-Gebirges. Bisher hat es seine Schönheit lediglich denjenigen offenbart, die abseits der Touristenströme einen idyllischen Urlaub der anderen Art suchen.

Maria Tütündschiewa kann auf langjährige Erfahrungen als Reiseleiterin zurückblicken. Die meisten europäischen Hauptstädte kennt sie fast so gut wie die Landeshauptstadt Sofia. Auch die touristischen Reiserouten im Inland kennt sie in- und auswendig. Wenn sie und ihre Familie eine Auszeit brauchen, dann zieht es sie jedoch in die idyllische Natur von Rozhen. Dort fühlt sich Maria wie am Ende der Welt und entdeckt stets Neues.

"Der Ort ist sehr interessant - erzählt Maria Tütündschiewa. - In der Umgebung erhebt sich das Naturphänomen namens Felspyramiden. Die Felsen erinnern sehr an Kappadokien in der Türkei. Entstanden sind diese Pyramiden durch die Erosion von Sandsteinfelsen. Die Sommer hier sind sehr heiß, die Winter sehr kalt. Wenn es in Rozhen regnet, dann richtig. Und so haben die Naturgewalten diese beeindruckenden Pyramiden geformt. Die höchsten und schönsten dieser Naturgebilde befinden sich beim nahe gelegenen Dorf Karlanowo. Dort befindet sich auch die mit 100 m höchste Pyramide, deren Anblick einem die Sprache verschlägt. Viele Alpinisten haben sich bereits an ihnen versucht, bisher jedoch ohne Erfolg. Sie sind zu bröckelig und außerdem sehr schmal. Die Pyramiden lassen sich von niemandem bezwingen", meint Maria Tütündschiewa.

© Foto: Maria Tütündschiewa


Auch wenn es "am Ende der Welt" liegt, gewinnt das Dorf Rozhen zunehmend an Popularität. Ganz in der Nähe befindet sich die Stadt Melnik, die für ihren Wein berühmt ist. Auch wartet die Umgebung mit gut markierten Naturpfaden auf, die zahlreiche Informationstabellen säumen. Sehr empfehlenswert ist der Wanderweg vom Rozhen-Kloster nach Melnik mit vielen Rastplätzen.

© Foto: Maria Tütündschiewa

"Auch die Architektur des Pirin-Dorfes ist beeindruckend - schwärmt Maria Tütündschiewa. - Im Dorf gibt es gerade einmal drei-vier neue Häuser. Alle anderen Gebäude sind über 100 Jahre alt und faszinieren, insoweit sie erhalten sind, mit herrlichen Holz-Erkern. Die meisten zieren ausgehöhlte und getrocknete Kürbisse, eine Spezialsorte, die man zum trocknen aufhängt. Sie nennen sich Kratuni und wurden einst als Wasser-Gefäße mit aufs Feld genommen oder als Schöpfkellen verwendet. Heute dienen die wunderschönen Kürbisse vor allem als Dekoration. Im Dorf gibt es ein-zwei kleine Hotels, wo man übernachten kann."

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten im Dorf 500-600 Menschen. Heute sind es nicht mehr als ein Dutzend. Jedoch sorgt das nahe gelegene Rozhen-Kloster für einen nicht abreißenden Touristenstrom. Der Ort des Geistes und Glaubens, das Zwitschern der Vögel, der Anblick der beeindruckenden Pyramiden lassen einen die Hektik des Alltags vergessen und einzig und allein die Idylle und Schönheit der Natur erleben.

Blagoj Georgiew ist einer der Einheimischen, die sich dem Tourismus verschrieben haben. In seinem einladenden Gasthaus kann man typisch lokale Gerichte und Weine genießen als auch übernachten.

"Der Wanderweg vom Kloster nach Melnik bietet einen herrlichen Ausblick auf die fünf Gebirge Slawjanka, Belasitza, Ograschden, Malashewska Planina und Pirin - schwärmt Blagoj Georgiew. - In der Ferne ist selbst das Koschuch-Planina-Gebirge zu erkennen! Alltäglich kommen Touristen hierher, zünden eine Kerze im Kloster an und wandern durch die Wiesen. Am schönsten ist es bei uns im Frühjahr. Dann machen viele Busse mit Schülergruppen und Ausflüglern hier Station. Aber auch Ausländer finden zu uns ins Dorf. Seit zwei-drei Jahren fahren Italiener und Holländer direkt mit ihren Wohnwagen vor und bleiben ein paar Tage in der Gegend. Das Dorf ist eine Station ihrer Bulgarien-Rundreise. Nach einem Ausflug in die nahe gelegene Stadt Melnik kommen sie dann zu uns, um das Rozhen-Kloster und die Pyramiden zu besichtigen."

© Foto: bg.wikipedia.org

Das Rozhen-Kloster

Die Region ist für ihre Qualitätsweine berühmt. Hier wird die populäre Breitblättrige Melniker Rebe angebaut. Vor Jahren, erzählt Maria Tütündschiewa, als im Rozhen-Kloster noch mehr Mönche lebten, habe man auch hier den berühmten Wein hergestellt. Zu jener Zeit konnten sich die Touristen aus den Fässern in der Klosterkellerei selbst ein Gläschen Wein zapfen. Zudem steht das Dorf im Visier der Kunstschaffenden. "Inmitten der Idylle und herrlichen Natur sind schon zahlreiche Filme entstanden. Obwohl Rozhen am "Ende der Welt" liegt, ist das Dorf in jedem Fall einen Ausflug wert", empfiehlt die erfahrene Reiseleiterin Maria Tütündschiewa.

Übersetzung: Christine Christov

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