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veröffentlicht Freitag, 22. Juni 2012 15:50
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100 nationale Natursehenswürdigkeiten Bulgariens 

© Foto: Weneta Nikolowa

Die Felsen von Belogradtschik sind eine der bekanntesten Natursehenswürdigkeiten Bulgariens.

Die Bewegung „Lerne Bulgarien kennen, um sich in dieses Land zu verlieben“ gehört zu den populärsten Initiativen in Bulgarien, die sich in eine Massenbewegung verwandelt hat. Dabei werden die touristischen Top-100-Objekte in den Mittelpunkt gerückt. Ziel ist, die bedeutendsten historischen und Natursehenswürdigkeiten im In- und Ausland zu popularisieren. Darunter sind thrakische Hügelgräber, ethnographische Ortschaften, Geschichtsmuseen, Bergspitzen, Schutzgebiete und andere sehenswerte Objekte, wie das Rila-Kloster, die Felsen von Belogradtschik, des ethnographische Freilichtmuseum Etara, das antike Felsheiligtum Perperikon... ein Bruchteil dessen, was in Bulgarien an Kultur- und Naturperlen verstreut liegt. Mittlerweile haben sich mehr als eine halbe Million Menschen der Initiative angeschlossen, darunter auch nicht wenige Ausländer.

Die Bewegung ist nicht neu – um die Popularisierung und den Erhalt der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Bulgariens war man bereits 1962 bemüht. Damals beschlossen einige enthusiastische Gymnasialschüler aus Samokow die bedeutendsten Bergspitzen und kultur-historische Stätten Bulgariens eine nach der anderen zu besuchen. Dazu brauchten sie einige Monate. Ihre Rundreise endete auf dem Musala-Gipfel - mit seinen 2.925 Metern die höchste Erhebung der Balkanhalbinsel. Diesem Vorbild eiferten viele Bulgaren nach und die Bewegung wurde sogar institutionalisiert, indem die damalige sozialistische Führung in die Liste der 100 touristischen Objekte etliche ideologische Symbolstätten, wie Partisanenlager, Partisanendenkmäler, Betriebe und andere Stätten der sozialistischen Arbeiterbewegung einbezog. Ihre Besichtigung wurde zu einer patriotischen Sache erklärt und Zehntausende folgten dem Aufruf. Die Zeiten haben sich aber geändert und die Initiative wurde von ideologischen Vorbehalten befreit. Das geschah unmittelbar nach der Wende zur Demokratie in Bulgarien zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die stürmischen Wendejahre schoben aber die Initiative etwas in den Hintergrund, denn die Öffentlichkeit hatte andere, wichtigere Probleme zu lösen. Erst mit Beginn des neuen Jahrhunderts wurde das Interesse an den 100 touristischen Objekten wieder allgegenwärtig.

Besonders beliebt ist die Bewegung unter den jungen Menschen. Ihnen haben sich auch viele ausländische Enthusiasten angeschlossen, die aus den Nachbarländern, wie auch aus Deutschland, Russland und sogar aus dem fernen Japan stammen. Alle kommen sie nach Bulgarien, um mit einer für sie fremden Kultur auf Tuchfühlung zu gehen. Die Mitglieder dieser Art „Reiseklub“ besitzen jeweils einen Ausweis des Bulgarischen Tourismusverbandes, in dem sie bei Besuch einer jeden Sehenswürdigkeit den jeweiligen Stempel erhalten. So gesellt sich neben der Tourismusleidenschaft die Sammelleidenschaft hinzu. Nach dem Besuch aller 100 Objekte erhält jeder ein Sonderabzeichen und eine Ehrenurkunde. Seit einigen Jahren können sich die Inhaber eines vollständig ausgefüllten Besucherausweises auch an regelmäßig durchgeführten Auslosungen von Sachpreisen beteiligen.

© Foto: Weneta Nikolowa

Der Mineralwassergeiser in der Stadt Separewa banja ist der heißeste in ganz Europa.

Der Bulgarische Tourismusverband begnügt sich jedoch nicht damit und hat nunmehr neue Herausforderungen gestellt. In einem gesonderten Programm sollen alle 100 Naturphänomene Bulgariens besucht werden – keine leichte Aufgabe für die Teilnehmer. Die Gemeinden, die die Umsetzung dieser Idee übernommen haben, haben es auch nicht einfach, denn sie mussten die Vorschläge für die jeweiligen Objekte unterbreiten. Als die Organisatoren des Tourismusverbandes die Nominierungen zählten, kamen sie auf eine Zahl von über 300 Sehenswürdigkeiten. Noch dazu mussten sie feststellen, dass viele von ihnen dem breiten Publikum völlig unbekannt sind. Nun heißt es auszusieben, so schwer es auch sein mag, denn man hat sich auf 100 Objekte festgelegt. Das Interesse ist bereits jetzt sehr groß.

Die meisten Teilnehmer an der Initiative „Die touristischen Top-100-Objekte“ haben zugegeben, dass sie den Natursehenswürdigkeiten den Vorzug vor Museen geben“, sagte uns Mariana Filtschewa vom Bulgarischen Tourismusverband. „Die Natur ist stets verlockend und bietet immer wieder etwas neues. Aus diesem Grund beschlossen wir, ein paralleles Programm mit 100 Natursehenswürdigkeiten zu starten. Bulgarien ist überaus reich an Naturphänomenen, die es verdienen, von mehr Menschen bewundert zu werden.“

Unter den Gemeinden Bulgariens ist „Separewa Banja“ in Südwestbulgarien absoluter Spitzenreiter, was die Zahl der vorgeschlagenen Natursehenswürdigkeiten anbelangt. Die kaum 80 Quadratkilometer messende Gemeinde rühmt sich gleich vier Phänomene. Das sind die Felsbildungen „Obessen Kamak“, der Wasserfall „Skakawitza“, der abflusslose See beim Dorf Panitschischte und nicht zu vergessen der heißeste Mineralwassergeiser Europas, bei dem das Wasser mit einer Temperatur von 103°C mitten in „Separewa Banja“ munter aus der Erde sprudelt.

Auch andere Gemeinden haben so einiges zu bieten und wollen keineswegs benachteiligt werden. Im Endeffekt wird aber die Wahl der 100 Natursehenswürdigkeiten Bulgariens anhand einer Umfrage erfolgen. Der nächste Schritt wird dann die Herausgabe eines besonderen Reiseführers für die 100 Naturphänomene sein. Ende dieses Sommers werden sich daraufhin die ersten Enthusiasten auf den Weg machen, um die Objekte zu besuchen und die begehrten Stempel zu erhaschen.

Ich denke, dass die Begegnung mit der Natur mit Sicherheit eine Bereicherung darstellt“, sagt weiter Mariana Filtschewa vom Bulgarischen Tourismusverband. „Man lässt sich nicht nur vom Anblick der Naturphänomene berauschen, sondern erfährt auch, wie sie die Natur geschöpft hat. Zusammen mit den Gemeinden erarbeiten wir die jeweiligen Wanderrouten zu den Objekten. Ortskenner haben uns mit Information über die Entstehungsgeschichte der Natursehenswürdigkeiten überschüttet. All diese Information wird den Touristen sehr behilflich sein, zu verstehen, was sie sehen. Nicht minder interessant sind aber auch die Legenden, die sich um die Phänomene ranken.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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