In diesem Sommer kann man im Archäologischen Museum in Warna die Ausstellung „Das Gold der Thraker – auflebende Legenden“ besichtigen. Organisiert wurde sie von einem Team des Nationalen Historischen Museums in freundlicher Unterstützung des Archäologischen Museums in Plowdiw, des Historischen Museums in Warna sowie eines Privatmuseums. Wie die Idee für diese Ausstellung entstanden ist, berichtet Dr. Walentin Pletnjow, Direktor des Regionalen Geschichtsmuseum in Warna.
„Im Jahr 2006 haben wir – eine Gruppe Archäologen-Museumsdirektoren – beschlossen, ein Programm zur Präsentation des bulgarischen Kulturerbes in Warna zu erarbeiten. Diese Idee entstand nach einer Ausstellung von Denkmälern aus unserem Land in Bonn, die von 100.000 Deutschen besichtigt wurde. Die gleiche Ausstellung zog im Warnaer Museum 140.000 Touristen an, von denen zwei Drittel ausländische Besucher waren. Offenbar ist die Idee, die Schätze Bulgariens auch in anderen Städten außerhalb Sofias zu zeigen, sehr wirkungsvoll. Und so organisierten wir einige Landesausstellungen. Nach Abschluss der zweijährigen Sanierungsarbeiten im Archäologischen Museum in Warna beschlossen wir gemeinsam mit dem Direktor des Nationalen Historischen Museums Boschidar Dimitrow, namentlich hier die Ausstellung „Das Gold der Thraker – auflebende Legenden“ zu zeigen. Diese enthält neben den Goldschätzen und anderen Goldfunden aus verschiedenen Grabhügeln bemalte griechische Keramik aus den Nekropolen von Sozopol mit Szenen aus diversen Legenden und Mythen, vereint unter dem Motto „Auflebende Legenden.“
Das Highlight der Ausstellung ist der herrliche Goldschatz von Panagjurischte. Darüber hinaus werden Beigaben aus dem Begräbnis eines reichen Herrschers gezeigt, die von der Archäologin Daniela Agre in der Umgebung der Dörfer Zlatinitza und Malomirowo in Südbulgarien freigelegt wurden. Dabei handelt es sich um einen thrakischen Goldkranz sowie einen Ring, Paradeknieschutz, einen Silber-Rhyton, ein Bronzegefäß und einen eisernen Speer. Auch die Funde aus dem Grabhügel beim Dorf Sinemoretz mit ausgesprochen wertvollen Juwelierstücken, wie Ohrringen, auf denen die Siegesgöttin Nike im Streitwagen zu sehen ist, ein Diadem, ein Kranz und eine goldene Halskette mit Peitschenkopf – zeugen von den antiken Begräbnisritualen.
„Ebenfalls zu sehen sind Artefakte, die offenbar von Dionysos-Anhängern vergaben wurden – ein Schatz, versteckt in einem bronzenen Granatapfel. In diesem wurden Schmuckstücke aus Gold und Granat verstaut, wobei der Granat die Kerne des Granatapfels symbolisiert. All diese Dinge, die man an der Meeresküste sonst wohl kaum vor Augen kriegt, kann man in diesem Sommer in Warna besichtigen“, betont Dr. Pletnjow.
Die sorgfältig ausgewählten Exponate vermitteln den Besuchern einen Einblick in die Kultur der Thraker, in ihre Riten und Bräuche, wie beispielsweise den Kult des Gottes der Reben und des Weines – Dionysos, der von den Thrakern sehr verehrt wurde.
„Die meisten Beigaben der Thraker in unseren Nekropolen sind in der hellenistischen Epoche (vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zur neuen Zeitrechnung) entstanden – präzisiert Walentin Pletnjow. – Alle in der Ausstellung gezeigten Schätze und Funde stammen aus dieser Zeit. Besonders die an der Schwarzmeerküste lebenden Thraker übernahmen viele Dinge von den Griechen, wie beispielsweise deren elitäre Kunst, deren Mythen. Aber auch die Griechen übernahmen verschiedenes aus der Mythologie der Thraker. Die thrakischen Orpheus-Mythen als auch der Dionysos-Kult der Thraker fallen in die gleiche Epoche. Die Ausstellung enthält zwei sehr interessante Schätze aus der Römerzeit, aus dem 3. Jahrhundert, die von bulgarischen Zöllnern beschlagnahmt wurden. Auch sie zeugen vom Nebeneinander beider Mythologien. In zwei benachbarten Sälen werden Goldbeigaben aus der Warnaer Kupfersteinzeit-Nekropole als auch Funde mit dem Bildnis von Derzelas gezeigt – einem der Hauptgötter von Odessos, dem heutigen Warna. Odessos zählt zu den Städten des Landes, die sowohl in der hellenistischen- als auch in der römischen Epoche einen eigenen Gott verehrten.“
Zu Ehren ihres Schutzherren Derzelas veranstalteten die Thraker aus Odessos Feste und Wettkämpfe, die auch Derzelas-Festspiele genannt wurden. Nicht zuletzt wurde die Gottheit auf hiesigen Münzen verewigt.
Übersetzung: Christine Christov