Am vergangenen Samstag legte Staatspräsident Rossen Plewneliew auf öffentlichen Druck hin sein Veto gegen die Novellen zum Forstgesetz ein. Das Parlament hatte sie am Mittwoch letzter Woche verabschiedet, was nicht ohne Reaktion in der breiten Öffentlichkeit blieb. Die Novellen waren damit begründet worden, dass sie auf die wirtschaftliche Förderung kleiner Gebirgsgemeinden durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Erhöhung der Einkommen der hiesigen Bevölkerung als auch auf die Gewährleistung von Skitourismus und die Stärkung Bulgariens als anziehende Sommer- und Winterdestination ausgerichtet seien.
Auf den ersten Blick hört sich das zwar gut an, doch die geplante Art der Verwirklichung dieser Absichten empörte alle naturbewussten Bürger. Die Novellen sehen nämlich vor, den Bau von neuen Skipisten, Lifts und Golfplätzen in bewaldeten Gegenden zu erleichtern, indem ihre Bestimmung nicht geändert zu werden braucht. D.h. auf dem Papier bleibt es ein staatliches Waldgrundstück, wird aber für eine bestimmte Zeit beispielsweise als Skipiste genutzt und muss nach Ablauf der vereinbarten Nutzungsdauer wieder rekultiviert werden.
Das Anlegen von Skipisten und der zugehörigen Infrastruktur, wie Lifts und dergleichen stellt einen massiven Eingriff in die Landschaft dar. Wie ist es aber nun um die Schaffung von Golfplätzen bestellt, die immer sehr schön aussehen – oasengleich mit grünen und gepflegten Flächen? Einige Vizeminister Bulgariens bezeichneten sie sogar als kleine Reservate. Im Grunde genommen sind sie aber nicht so harmlos, wie sie aussehen.
Die Größe der Golfspielplätze ist nicht konkret festgelegt. Sie nehmen in der Regel eine Fläche zwischen 50 und 60 Hektar ein. Es gibt aber auch Plätze mit 160 bis 200 Hektar. Die Ökologen sehen Gefahren, denn nicht jede x-beliebige Wiese oder Weide darf in einen Golfplatz verwandelt werden. Um einen Golfplatz zu bauen, müssen als aller erstes auf weiten Flächen die natürliche Vegetation und die gesamte obere Erdschicht entfernt werden. Das ist natürlich ein großer Einschnitt in die Umwelt. Danach wird mit besonderem Gras bepflanzt, das durchaus auch genmanipuliert sein kann, Spezialdünger und reiche Bewässerung kommen hinzu, denn der Rasen muss das ganze Jahr über frisch, grün und spieltauglich sein. Auch kommen Herbizide zum Einsatz, die zusammen mit dem Dünger in tiefere Erdschichten eindringen und über das Grundwasser ins Trinkwasser gelangen, das damit für ein großes Gebiet verschmutzt wird. Noch dazu verschlingt die Unterhaltung von Golfplätzen Unmassen an Wasser, das in manchen Regionen knapp ist. In den USA, Portugal und Spanien beispielsweise gibt es Gebiete, die an Wassermangel leiden und das Gleichgewicht in der Natur gestört ist, ganz einfach weil man dort zu viele Golfplätze gebaut hat.
Vor wenigen Jahren wurde in Bulgarien eine „Staatliche Golf-Gesellschaft“ gegründet. Als einer der Gründe wurde der Schutz der staatlichen Waldgebiete angegeben. Laut den Umweltschützern ist das aber nicht die geeignetste Art und Weise, einen Wald zu schützen. Am einfachsten und billigsten können die Wälder vor Bebauung geschützt werden, indem sie zu Schutzgebieten erklärt werden, in denen jegliche Bautätigkeit verboten ist.
Derzeit wird aber den verschiedenen Unternehmen staatliches und Gemeindeland zur Verfügung gestellt. Mit den Novellen zum Forstgesetzt sollte für die Umgestaltung, sprich Bebauung der Flächen grünes Licht gegeben werden. Experten befürchten, dass diese Grundstücke durchaus auch für immer in die Hände der Pächter fallen können. Der Staat oder die Gemeinde wird vorerst Teilhaber an der neuen Anlage, sei es ein Golfplatz oder ein Skipiste. Mit der Zeit wird aber das Grundkapital des Unternehmens um ein Mehrfaches erhöht, so dass der staatliche oder Gemeindeanteil verschwindend klein wird und schließlich privatisiert werden darf.
Die Naturschützer sind natürlich nicht gegen den Sport – er muss aber der Umwelt Rechnung tragen. Es ist doch sehr seltsam, dass der Staat mehr Mittel zur Förderung des Golfsports bereitstellt, als zur Entwicklung des Kultur- und Ökotourismus. Diese Tourismusarten bedingen kein Bauwesen auf staatlichem Grund und Boden, eröffnen zudem auch mehr Möglichkeiten für die örtliche Bevölkerung. Sie findet nicht nur Arbeit, sondern wird auch an den Schutz des Natur- und Kulturerbes herangeführt.
Im Grunde genommen liegt der Hund dort begraben, dass die staatliche und die Gemeindeleitungen von dem großen Investitionsinteresse verleitet werden und ungeachtet der Naturgegebenheiten einwilligen. Und so war es auch kein Wunder, dass sich in Sofia auch Menschen aus den entsprechenden Gemeinden einfanden, die gegen das Veto des Präsidenten protestierten und auf die Neuanlegung von Skipisten, Lifts und Golfplätzen drängen, wovon sie sich gesicherte Einkommen versprechen.