Die mystischen Rhodopen im Süden Bulgariens sind Heimat nicht nur des sagenhaften Sängers aus der Antike Orpheus, sondern auch von zahlreichen seltenen Tieren. Dazu gehören auch viele Vogelarten. Unsere Reporterin Maria Dimitrowa sprach darüber mit Georgi Georgiew vom Umweltschutzamt in Smoljan.
"Im zentralen Teil der Rhodopen nisten rund 300 verschiedene Vogelarten", sagt Georgi Georgiew einleitend. "Hier sind alle Gefiederfamilien vertreten. Nur die Schwimmvögel sind weniger, weil es in der Gegend sehr wenige Seen gibt. Für die Menschen sind die Greif- und Raubvögel sowie die Singvögel am interessantesten. Die Greifvögel trifft man sehr oft an, sie sind auch leicht zu erkennen, z.B. den Mäusebussard, den Habicht oder den Falken. Seltener sieht man in unserer Gegend den Sakerfalken, oder noch Würgfalke genannt, sowie den Wanderfalken. Wir beobachten auch nur wenige Paare Steinadler. Dafür aber kann man sehr oft den Schelladler hören", sagt Georgi Georgiew.

Waldkauz und die Waldohreule
Von den Nachtgreifvögeln trifft man im zentralen Teil des Rhodopengebirges den Waldkauz und die Waldohreule an. Von der größten Eulenart, dem Uhu, hat das Umweltschutzamt in der Umgebung von Smoljan leider nur ganz wenige Paare registriert, sagte uns Georgi Georgiew. Welche Vögel beobachtet er am liebsten?

Steinadler
"Am liebsten beobachte ich den Steinadler", sagt Georgi Georgiew. "Das ist der größte Greifvogel in unserer Gegend und man erkennt ihn im Himmel sofort. Die Nachtgreifvögel sind auch eine sehr interessante Gattung. Man kann sie abends beobachten, bevor es stockdunkel wird. Sie sind Weltmeister im Manövrieren zwischen den Bäumen. Außerdem sind sie sehr leise und deshalb ausgezeichnete Jäger", erläutert der Vogelexperte.
Die Rhodopen sind kein besonders hohes Gebirge – die durchschnittliche Höhe liegt bei 800 Metern über dem Meeresspiegel. Das ist ein weiterer Grund für die große Artenvielfalt nicht nur bei den Vögeln. In den dichten Wäldern des Rhodopengebirges, wo viele Vögel nisten, ist es im Frühling besonders laut – man hört den Chorgesang der männlichen Singvögel. Im Sommer sind dann die Solisten an der Reihe, scherzt der Umweltexperte Georgi Georgiew. Die Nachtigall und die Heidelerche sind dann die Singvögel, die am häufigsten zu hören sind. Vielleicht deshalb nennen Vogelliebhaber an erster Stelle den Mauerläufer, weil es ihn in den Rhodopen äußerst selten zu sehen und zu hören gibt. Der Mauerläufer ist ein Vogel aus der Familie der Kleiberartigen. Die Touristen erkennen den Mauerläufer insbesondere im Winter sehr leicht, weil er leicht rötliche Flügel hat, die auf dem Hintergrund der schneebedeckten Berge aufleuchten.
"Der Gesang des Mauerläufers ist sehr eigenartig", erzählt weiter Georgi Georgiew vom Umweltamt in Smoljan. "Er bewohnt Felswände und Schluchten in Gebirgen, die Mehrzahl seiner Brutplätze liegt in der alpinen und voralpinen Stufe. Interessant ist auch das Auerhuhn. Es ist wichtig zu betonen, dass der Großteil der Vögel in den Rhodopen geschützte Arten sind. Das gilt auch für das Auerhuhn. Pro Jahr dürfen nur ganz wenige abgeschossen werden. Aber das Auerhuhn macht es den Jägern auch nicht gerade leicht – es kann nur dann getroffen werden, wenn es singt, weil dann das Auerhuhn keine andere Geräusche wahrnimmt", sagt Georgi Georgiew.
Im Winter ist es sehr still in den Wäldern des Rhodopengebirges. Ab und zu hört man den Schwarzspecht.
Mauerläufer
"In den Rhodopen gibt es vier oder fünf verschiedene Spechtarten", berichtet Georgi Georgiew vom Umweltamt in Smoljan. "Das sind der Schwarzspecht, der Grauspecht, der Buntspecht, der kleine Specht und der besonders seltene Dreizehenspecht. Die Spechte sind sehr schöne Vögel und sie sind sehr oft anzutreffen. Es reicht aus, einen ausgedehnten Spaziergang im Wald zu unternehmen, und schon wird man diesen netten Wächter der Bäume erblicken", sagte abschließend Georgi Georgiew vom Umweltamt in Smoljan.

Auerhuhn
Fotos: wikipedia.org
Übersetzung: Vessela Vladkova