
Am 11. Februar begeht die orthodoxe Kirche den Tag des Märtyrers Blasius, Bischof von Sebaste in Armenien, dem heutigen Sivas in Zentralanatolien in der Türkei. Die Katholiken ehren ihn als einen der Vierzehn Nothelfer am 3. Februar. In Ost und West gilt er jedoch als Beschützer des Viehs.
Allgemein gilt der heilige Blasius als Beschützer der Herden und speziell der Ochsen. Wie häufig in der bulgarischen Volkskultur anzutreffen, hat aber auch dieser christliche Heilige einen heidnischen Vorgänger. Die bulgarische Form des Namens Blasius lautet „Wlas“ und daher fiel es beim Übergang zum Christentum nicht schwer, den Heiligen mit dem slawischen Gott Weles in Verbindung zu bringen. Man begann formal den heiligen Blasius zu ehren, meinte jedoch den heidnischen Weles, den Gott der Herden, der Bodenfruchtbarkeit und damit auch des Reichtums. Die Legenden berichten vom Streit zwischen dem Gott der Erde Weles und dem obersten Gott Perun, der über dem Himmel herrschte. Weles erdreistete sich, die Herden des Perun, selbst dessen Frau wie auch die Menschen für sich zu beanspruchen. Das hat sich Perun nicht gefallen lassen und wie es sich für die oberste Gottheit eines jeden Pantheon gehört, siegte er über seinen Gegner. Im Ergebnis des Kampfes fiel auf die Erde ein fruchtbarer Regen. Teile diese Mythologie haben sich in etlichen Volksliedern erhalten.
Der Kampf zwischen den slawischen Göttern Weles und Perun findet man in den bulgarischen Volksliedern in den verschiedensten Varianten. Mit dem Einzug der christlichen Religion wurden dise zwei Götter natürlich nicht mehr erwähnt und wurden ganz einfach durch einen Helden oder auch Heiligen ersetzt, der gegen einen Drachen kämpft. Dieser habe nämlich die Flüsse geraubt und damit auch die Fruchtbarkeit versiegen lassen. Erst nachdem er besiegt ist, fällt wieder der lebensspendende fruchtbare Regen, ganz wie es die heidnische Legende zu erzählen weiß.
Der heilige Blasius, der im Laufe der Jahrhunderte die heidnische slawische Gottheit Weles ersetzt hat, übernahm von ihm die Funktion des Schutzes über das Vieh und speziell der Ochsen. Diesen wird der Ursprung des Reichtums der Bauern zugeschrieben – die Ochsen ziehen den Pflug, wie auch die mit reicher Ernte beladenen Wagen. Die Verehrung ging im Volksglauben sogar soweit, dass man die Ochsen „Engel“ nannte. Ihre Kraft rühre von den Gurten her, die sie am Leibe tragen. Am 11. Februar, dem Tag des heiligen Blasius, würden die Ochsen diese Gurte ablegen. Daher war es strengstens untersagt, sie an diesem Tag für irgendeine landwirtschaftliche Arbeit einzuspannen. Zu ihrer Gesundheit wurde am Tag zuvor speziell ein Ritualbrot gebacken, das ihnen auch zum Verzehr vorgesetzt wurde. Damit sprach man seine Dankbarkeit dafür aus, dass die Ochsen „die Welt ernähren“, wie es einer alten bulgarischen Volksweißheit heißt. Laut der Kosmologie unserer Vorfahren, ruhe die Erde auf den Hörern eines Ochsens. Sobald er auch nur ein wenig seine Hörner bewegt, komme es zu einem Erdbeben, war man überzeugt.
Der Name der altslawischen Gottheit Weles leitet sich vom Wort für „haarig, behaart“ ab, da er ja als Beschützer des Viehs galt. Am Tag es heiligen Blasius, der an die Stelle des Weles getreten war, waren etliche Vorstellungen mit Haaren und Fusseln verbunden. So z.B. führte man an diesem Tag auf den Äckern verschiedene Rituale durch, damit später die Garben nicht „fusslig“ werden, d.h. leer bleiben. Auch durften die Frauen an dem Tag kein Brot kneten, damit es das Jahr über nicht klebrig und fasrig wird. Den Tag des heiligen Blasius begangen auch die Schafhirten, denn sie erbaten von ihm, dass die Schafe eine feine Wolle bekommen. Die Frauen wiederum durften am 11. Februar keine Wolle spinnen.
Am 11. Februar wurde früher auch eine andere rituelle Handlung vollführt. Man schnitt symbolisch die Krankheiten ab. Zu diesem Zweck legte man auf dem Hackklotz schwarze Wollfäden und zerteilte sie mit Hilfe eines Beils. Dabei fragte eine der anwesenden Frauen „Was hackst du da?“, worauf ihr die älteste Frau, die das Ritual vornahm, antwortete: „Ich zerhacke der Krankheit Fasern.“ Die Fasern standen stellvertretend für die Verbindung der Krankheiten zu den Menschen und Tieren. Diese konnte nur mit einem Beil unterbrochen werden, dem seit Urzeiten besondere magische Kräfte nachgesagt werden.
Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow