Der Zauber des koketten Rhodopen-Dörfchens Momtschilowtzi ist längst über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat die Herzen zahlreicher Ausländer erobert. Sein Ruhm ist selbst bis nach Asien, dem bevölkerungsreichsten und größten Kontinent der Welt, vorgedrungen.
In der größten chinesischen Stadt Shanghai ist Momtschilowtzi seit drei Jahren durch den unvergleichlichen Geschmack des bulgarischen Joghurts bekannt. Zu jener Zeit nimmt das chinesische Unternehmen Bright die Joghurtherstellung mithilfe des Lactobacillus bulgaricus aus der Umgebung von Momtschilowtzi auf. Untersuchungen des Bakterienstamms haben ergeben, dass dieser über ausgezeichnete Eigenschaften verfügt und unter jeglichen klimatischen Bedingungen für die Joghurtherstellung geeignet ist. Und so eroberte die Milch-Delikatesse unter dem Namen Momtschilowtzi-Joghurt den Shanghaier Markt. Die Aufschrift auf der Verpackung in Form eines Diamanten gibt Auskunft über die Herkunft: "In Bulgarien, einem Land in Südosteuropa, gibt es ein Gebirge mit einem magischen und idyllischen Dorf. Die Menschen dort leben ein langes und glückliches Leben. Seit Generationen trinken dessen Bewohner alltäglich ihren hausgemachten Joghurt. Der Schlüssel für diese Magie ist das im Joghurt enthaltene Milchsäurebakterium L99."

Laut Angaben des chinesischen Unternehmens beläuft sich der Monatsumsatz des Momtschilowtzi-Joghurts auf eine Million Euro. Im Rhodopen-Dorf selbst stellen die hiesigen Bewohner Joghurt lediglich für den Eigenbedarf her. Allerdings kaufen zwei bulgarische Großunternehmen jeden Morgen die Biomilch aus dem Rhodopen-Dörfchen auf, um sie dann zu Joghurt, Salzlaken- und Gelbkäse weiterzuverarbeiten.
"In Momtschilowtzi werden traditionell Schafe gehalten – erklärt die Bürgermeisterin des Dorfes, Maria Nikowa. – In der Vergangenheit lebten die Menschen in unserer Gegend hauptsächlich von der Schafzucht, vom Maurerhandwerk und Fischfang. D.h. seit Generationen werden in Momtschilowtzi Schafsmilch und Schafskäse produziert als auch eine ganz spezielle Käseart, die früher in Tierhäuten hergestellt- und aufbewahrt wurde. Diese Käseart, die nach wie vor nach alten Rezepten zubereitet wird, ist in Momtschilowtzi sehr populär, erfreut sich aber auch am Markt zunehmender Beliebtheit. Diverse Bewohner unseres Dorfes halten 5-20 Schafe. Im Sommer treiben sie die Tiere auf die über 1.800 m hochgelegenen Almen. Gemolken werden sie nach Kooperationsprinzip. Die Schafsmilch wird dann zu Schafs- und Gelbkäse weiterverarbeitet. Darüber hinaus gibt es zwei Farmen mit 400-500 sowie rund 300 Schafen. Die Tradition lebt. Auch die jungen Leute geben nicht auf sondern gehen die Schwierigkeiten an, um die Vorteile der Region unter Beweis zu stellen."
Die Chinesen ihrerseits schenkten dem Dorf ein Bild mit einem Motiv von der "Wand des Lächelns" mit der Aufschrift "Momtschilowtzi – wir lieben dich. Mit herzlichen Wünschen und aufrichtiger Dankbarkeit von China."
Im Jahr 2008 verfallen die Chinesen zum ersten Mal dem Charme von Momtschilowtzi. In jenem Jahr trifft eine chinesische Delegation in Bulgarien ein, um die Möglichkeiten für die Joghurtherstellung zu erkunden. Unter allen Orten, an denen sie verweilen, verlieben sie sich namentlich in das herrliche Rhodopen-Dörfchen Momtschilowtzi und seine fleißigen und gastfreundlichen Bewohner. Vor wenigen Tagen empfing der zauberhafte Ort erneut Gäste aus dem Land der Seide. Anlass für den Besuch war der Start eines bulgarisch-chinesischen Vorhabens zur Popularisierung des Joghurts in China als auch die Partnerschaft zwischen dem chinesischen Bright-Unternehmen und dem Rhodopen-Dorf. "Für uns ist es natürlich eine große Ehre, dass die Chinesen mit unserem Dorf zusammenarbeiten- und uns helfen wollen, da sie den Joghurt auch ohne uns herstellen können", schwärmt Bürgermeisterin Maria Nikowa.

Geleitet wurde die Delegation vom Vizepräsidenten des Unternehmens Sun Kadzie-Jackson. Begleitet wurde er von einem berühmten chinesischen Schriftsteller und einer ganzen Armee von Journalisten von den größten Fernsehsendern in Peking und Shanghai sowie von diversen Rundfunksendern. Diese sammelten reichhaltiges Audio- und Videomaterial, das dem chinesischen Auditorium die traditionelle Joghurt-Zubereitung, die hiesigen Holzschnitzmeister als auch die langlebigen Bewohner vorstellen soll, auf deren täglicher Speisekarte Joghurt und Milchprodukte unverzichtbar sind. "In den Werbefilmen über Momtschilowtzi werden Einheimische sowie unsere Folkloretraditionen und Bräuche gezeigt. Auch wird die traditionelle Rhodopen-Küche vorgestellt. Unter
unseren Gästen war die Moderatorin der kulinarischen Show "Travel Chanel". Gefilmt wurden unsere typischen traditionellen Speisen und Gerichte und deren Zubereitung", erzählt die junge Bürgermeisterin des Dorfes weiter. Nach altem bulgarischem Brauch werden die Gäste mit Brot und Salz, mit einem Strauß Waldstorchschnabel und hausgemachtem Obstschnaps empfangen. Natürlich durften auch die Rhodopen-Lieder zu den Klängen der tief klingenden Sackpfeife, der Kaba Gajda, nicht fehlen, die die umliegenden Berge erhallten. Und selbstverständlich wurde auf dem Dorfplatz ein "schwerer" Reigen getanzt, bei dem auch die Gäste das Tanzbein schwangen. Die Chinesen ihrerseits schenkten dem Dorf eine supermoderne Beschallungsanlage und ein Bild mit einem Motiv von der "Wand des Lächelns" mit der Aufschrift "Momtschilowtzi – wir lieben dich. Mit herzlichen Wünschen und aufrichtiger Dankbarkeit von China." Das chinesische Unternehmen, erzählt Bürgermeisterin Maria Nikowa, habe eine "Wand des Lächelns" eingerichtet, an der die Fotos lächelnder Momtschilowtzi-Joghurt-Konsumenten zu sehen sind.
Übersetzung: Christine Christov
Foto: Maria Nikowa