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veröffentlicht Dienstag, 12. Juni 2012 14:22
Radio Bulgarien Wirtschaft

Notgroschen kommen ans Licht 

© Foto: BGNES

Die Zeit der Notgroschen „unter den Matratzen“ gehört bereits der Vergangenheit an, meint der Experte Emil Harsew.
Innerhalb eines Jahres ist das Barvermögen in Bulgarien um rund 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Damit sind bei uns derzeit knapp 11 Milliarden Euro in Umlauf, was einem Jahresanstieg von 15 Prozent entspricht. Das belegen die Daten der Bulgarischen Zentralbank BNB über das liquide Vermögen in unseren Geldbörsen, in den Kassen als auch Notgroschen „unter den Matratzen“ sowie auf der Bank. Dabei handelt es sich um frei verfügbares Geld, mit dem wir unsere Einkäufe tätigen, unsere Rechnungen begleichen – die Unternehmen ihrerseits Zulieferer und Personal bezahlen.

Experten zufolge sei steigendes liquides Vermögen ein gutes Zeichen für die Wirtschaft als auch ein Symptom für eine Belebung des Marktes. D.h. unter den Unternehmen herrscht mehr Optimismus, die Menschen kaufen mehr ein, der Binnenkonsum steigt. Andere Fachleute befürchten dagegen, dass die Bulgaren nunmehr ihre letzten Notgroschen „unter den Matratzen“ hervorholen und damit ihre Haushaltslöcher stopfen, da die Gehälter nicht mehr ausreichen, um allen Kosten zu begegnen. Eine Belebung in den Geschäften ist jedoch nicht zu verzeichnen, auch haben die Bulgaren nicht mehr Geld in den Taschen als zuvor. Im Gegenteil. Gründe für den gestiegenen Bargeldumsatz sind u.a. die Schattenwirtschaft als auch die gestiegenen Preise.

Die Tatsache, dass die Bevölkerung ihr Geld auf die Bank bringt, wird fälschlicherweise damit erklärt, dass die Bulgaren nun ihr daheim aufbewahrtes Geld bei den Banken anlegen. Diese Behauptung stammt von Leuten, die nichts von der Wirtschaft verstehen – meint der bekannte Finanzexperte Emil Harsew. – Im Grunde genommen holen sie dieses Geld nicht unter den Matratzen hervor, sondern ziehen diese Mittel aus Privatgeschäften ab – aus Mini-Unternehmen, die in den Krisenjahren erfolglos um ihren Fortbestand bemüht waren. Dabei handelt es sich um das Kapital jener 27.000 Kleinunternehmen, die laut Angaben der Bulgarischen Wirtschaftskammer im vergangenen Jahr aufgeben mussten. Völlig falsch ist die Behauptung, dass es sich dabei um Umlaufgelder handelt. Dabei handelt es sich um in das Bankensystem geflossene Mittel aus dem Kapital ihrer Firmen, d.h. um eine Einfrierung von Kapital. Von außen betrachtet, gleicht dieser Vorgang einem Anstieg des s.g. Umlaufvermögens.“

Auch die Schattenwirtschaft hat Anteil am steigenden Barvermögen. "Selbstverständlich ist das eine Frage der Entkapitalisierung der Firmen - fährt Finanzexperte Emil Harsew fort. - Diese kommt sowohl aus der Real- als auch aus der Schattenwirtschaft. Dafür ein Beispiel. Wir haben ein Maurerunternehmen, das bisher auf dem Bau tätig war. Für unsere Tätigkeit haben wir Geld bekommen - ob nun unter oder über dem Tisch sei dahingestellt, darüber haben wir nicht so genau Buch geführt. Jetzt liegt jedoch die Branche brach und wir sitzen zu Hause und stöhnen. Das Geld aus der Firma haben wir jedoch zur Bank gebracht. Genau das ist passiert! Das hat nichts mit daheim aufbewahrten Ersparnissen zu tun! Diese gehören bereits seit 1997 der Vergangenheit an. Das bedeutet, dass die kleinen Familienunternehmen nicht mehr die Möglichkeiten des Boomjahres 2009 haben. Sie haben beispielsweise in ein kleines Geschäft investiert und Waren gekauft. Jetzt geht das Geschäft Pleite - man veräußert die Waren, zieht das Geld aus der Firma ab und legt es auf dem Privatkonto an. So wird das gemacht. Wo ist denn das Kapital der 27.000 Pleite gegangenen Firmen geblieben? Genau dort, wo ich es vermutet habe - auf den Privatkonten."

Ein Teil der zu Hause aufbewahrten Ersparnisse sind Überweisungen aus dem Ausland. "Diese übersteigen den Wert der EU-Gelder", kommentiert Emil Harsew. Diese Gelder werden von Auslandsbulgaren an ihre Familien in der Heimat überwiesen. Offiziellen Angaben nach belaufen sich diese Überweisungen jährlich auf 1,5-2 Milliarden Euro. Innoffizielle Angaben gehen von bis zu über drei Milliarden Euro aus.

Übersetzung: Christine Christov

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