Am Freitag trafen sich in der Schwarzmeerresidenz Ewksinograd die Premierminister von Bulgarien, der Türkei und Katar. Die Themen waren aus dem Bereich der Wirtschaft, Energie und Verkehr. Zu welchen Ergebnissen kamen die Gesprächspartner?
IFür vielen Beobachtern blieb das Treffen zwischen Bojko Borisow, Redjeb Erdogan und Scheich Hamad ibn Al Thani einigermaßen ein Rätsel. Es bleibt die Frage, ob das, was der Presse berichtet wurde, auch den Inhalt der Gespräche gänzlich wiedergibt, oder, ob es auch andere Themen gab, die der Öffentlichkeit bislang vorenthalten blieben. Was bekannt gegen wurde, ist dass eine Projektgesellschaft für den Bau der Schnellautobahn von Russe nach Swilengrad in der Nähe der türkischen Grenze gegründet wird. Das ist schon lange von Interesse für die bulgarische Regierung gewesen, man hat bloß auf Investitionen aus dem Ausland gewartet, um mit dem Bauvorhaben zu beginnen.
Das Projekt Russe-Swilengrad ist kein Teil der europäischen Verkehrsachsen und konnte deswegen bislang nicht mit EU-Mitteln finanziert werden. Die Autobahn soll etwa 300 Kilometer lang sein und wird ca. 500 Millionen Euro kosten, die vor allem aus Katar und der Türkei kommen sollen. Bulgarien hat mit Sicherheit Interesse daran, denn dadurch wird auch die Rolle unseres Landes als eine Brücke zwischen Ost und West erneut bestätigt. Nach Meinung des Premierministers Bojko Borisow wird diese Autobahn die Straßenkarte Europas wesentlich verändern. Das zweite Thema, das behandelt wurde, war der Bau einer Verbindung der Gastransportnetze von Bulgarien und der Türkei. Da die Diversifizierung der Gaslieferungen eine Priorität des Kabinetts in Sofia geworden ist, ist das ebenfalls von Bedeutung für unser Land, das zu 85 Prozent von den russischen Erdgaslieferungen abhängig ist.
Dennoch hat die Aussage des bulgarischen Premiers, dass die Anbindung der Gastransportnetze von der Türkei und Bulgarien noch sehr weit von der Realität sei, die Journalisten etwas irritiert. Es wurden bereits Gespräche mit Ankara über Notversorgung mit türkischem Erdgas in Extermsituationen wie diese während der Krise nach dem Streit zwischen Kiew und Moskau im Jahr 2009, geführt. Einige Experten sind der Meinung, dass die Türkei nicht an Transitgaslieferungen nach Bulgarien interessiert ist, sondern an den Verkauf des Rohstoffs an unserem Land. Es wurde ebenfalls nach dem Treffen berichtet, dass unsere Region im Bereich des Energiewesens für Katar relativ unattraktiv ist.
Außer den wirtschaftlichen Themen, haben die drei Regierungschefs auch die Situation in Syrien besprochen. Redjeb Erdogan hat eine klare Position darüber geäußert, dass nach dem Terror dort, der das Leben von 10 000 Menschen genommen hat, man nicht unbeteiligt bleiben kann. Seiner Meinung nach, ist der Annan-Plan für den Ausgang aus der Krise dort, ineffektiv. Er allarmierte, dass 100 000 Flüchtlinge aus der Region, vor allem über Jordanien bereits in die Türkei gekommen sind, was zu Spannungen in seinem Land führen würde. Seinerseits erklärte Scheich Hamad ibn Al Thani, dass er die Situation in Syrien ebenfalls als sehr ernst einschätzt. Wir unterstützen die Mission der Vereinten Nationen dort, aber man muss bald etwas unternehmen, um die Morde zu stoppen, erklärte der Scheich abschließend.
Übersetzung: Milkana Dehler