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Bulgarisches Rotes Kreuz kümmert sich um hilfsbedürftige Senioren

In Bulgarien trifft man leider sehr oft auf alte, gebrechliche Menschen, die nach einem Schicksalsschlag auf sich allein gestellt sind und ein leidiges Leben führen. Laut Angaben des Bulgarischen Roten Kreuzes bleiben infolge der Migration viele ältere Menschen auf dem Land allein – ihre Kinder und Verwandten sind in die Großstädte auf der Suche nach einem besseren Leben gezogen, nicht wenige sind ins Ausland ausgewandert. Die Rentner in Bulgarien machen fast ein Viertel der Bevölkerung aus. Um die hilfsbedürftigen Senioren kümmert sich das Bulgarische Rote Kreuz, das unlängst ein neues Programm ins Leben rief.

Die neuen Zentren des Bulgarischen Roten Kreuzes sind mit Hilfe der Kollegen aus Deutschland und Italien und mit der finanziellen Unterstützung des Programms PHARE ACCES entstanden. Sie befinden sich in Sofia und in weiteren fünf Großstädten des Landes. Dass die Zentren effektiv sind, davon ist Dr. Nadeschda Todorowska vom Bulgarischen Roten Kreuz überzeugt:
"Dieses neue Programm besteht aus zwei Teilen", erläutert sie. "Einerseits geht es uns um die alltägliche Fürsorge für alleinstehende Senioren in ihren Heimen, andererseits bilden wir freiwillige Senioren aus, uns bei dieser Tätigkeit zu unterstützen und ihren Altersgenossen zu helfen. Wir suchen ältere Menschen aus, die noch sehr aktiv im Leben sind und die uns auch in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen können. In zehn Gemeinden haben wir bereits mehr als 1000 freiwillige Helfer", berichtet Dr. Todorowska.

Mit Hilfe des neuen Programms des Bulgarischen Roten Kreuzes wird auch Geld gespart. Hilfsbedürftige Senioren, die sonst ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten, oder in ein Altersheim ziehen würden, bleiben dadurch lieber zu Hause. Und zu Hause fühlt man sich am besten – die bisherige Praxis in Bulgarien hat gezeigt, dass sich die älteren Menschen, die ins Altersheim gehen, dort sehr unglücklich und verlassen fühlen. Das gilt auch in Krankheitsfällen – ältere Patienten erholen sich zu Hause wesentlich schneller, als im Krankenhaus, betont Dr. Todorowska. Deshalb setzt das Bulgarische Rote Kreuz auf die persönliche Fürsorge – ausgebildete Krankenschwestern entwickeln einen Plan für die Behandlung der Senioren zu Hause und empfehlen eine Krankenhausbehandlung nur in sehr ernsten Fällen. Für die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen zu Hause spielt die Hilfe der freiwilligen Senioren eine entscheidende Rolle, berichtet Dr. Todorowska. Denn es entstehen oft Freundschaften zwischen Helfer und Patient.

"Im hohen Alter ist die Einsamkeit der größte Feind. Und durch die Hilfe unserer Senioren fühlen sich die Patienten nicht mehr so allein", sagt Dr. Todorowska. "Es kam auch schon vor, dass ehemalige Patienten von uns freiwillige Helfer geworden sind, sobald sich ihr Gesundheitszustand gebessert hat. Als wir das Projekt in Sofia starteten, hatten wir eine ältere Patientin mit so schlimmen Angstzuständen, dass sie sich 30 Jahre lang nicht aus dem Haus getraut hatte. Nachdem ihr Mann verstorben ist, blieb sie zu Hause isoliert, und sie hätte weiterhin ein so trauriges Leben geführt, wenn wir ihr nicht geholfen hätten. Unsere freiwilligen Helfer freundeten sich aber mit ihr sehr schnell an und heute treffen sie sich regelmäßig in der Stadt", erzählt Dr. Todorowska vom Bulgarischen Roten Kreuz.

Das Projekt des Bulgarischen Roten Kreuzes hat noch eine positive Nachwirkung – das ist der Austausch unter Menschen verschiedener Generationen. Unter den freiwilligen Helfern gibt es nämlich auch jüngere Menschen. Für die Patienten ist es sehr wichtig, den Altersrahmen zu sprengen. Wenn sie nur unter Altersgenossen sind, drehen sich alle Gesprächen rund um die Wehwehchen und die alltäglichen Probleme. Mit ihren jüngeren Pflegern wird nicht selten gelacht. Und wer kennt schon eine bessere Therapie, als das Lachen?

Übersetzung: Vessela Vladkova

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