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Die Geheimnisse der Uchlowitza-Höhle

Die Aussicht vom Höhleneingang ist ein Labsal für Augen und Seele.
Foto: Weneta Nikolowa
Die Rhodopen verbergen unzählige unbekannte Orte, die es sich lohnt, zu entdecken. Einer dieser Orte ist die Uchlowitza-Höhle im bulgarisch-griechischen Grenzgebiet, unweit des Dorfes Mogilitza. Bis vor einigen Jahren war die Gegend fast unberührt. In letzter Zeit interessieren sich jedoch immer mehr Menschen für die Schätze der Natur, die seit Millionen Jahren in den abgrundtiefen Klüften der Höhle verborgen sind.



Der Aufstieg zum Eingang der Uchlowitza-Höhle, eine der ältesten Grotten in diesem Teil der Balkanregion, ist gar nicht so einfach. Nach 180 Eisenstufen entlang des senkrechten Abhangs werden wir für unsere Anstrengungen belohnt. Die Aussicht, die die felsige Anhöhe eröffnet, ist ein Labsal für Augen und Seele und lässt den Wunsch aufkommen, einmal über die bunte Felsenlandschaft zu schweben, die alle Farben der Rhodopen vereint. Auf dem Gipfel erwartet uns die Reiseleiterin Julia Hadschiewa – ein kleingewachsenes Mädchen mit breitem Lächeln, das uns in den dunklen Rachen der Höhle lädt. Ihren Namen, erzählt Julia, verdanke die Höhle übrigens dem Waldkauz, der auf Bulgarisch „Ululitza“ heißt. In der Regel nistet der kleine Nachtraubvogel aus der Familie der Eulen in den nahe gelegenen Wäldern. Manchmal sucht er jedoch im Eingangsbereich der Höhle Unterschlupf und erfüllt die Umgebung mit seinem durchdringenden Schrei.



Zudem ist die Uchlowitza-Höhle von zahlreichen Fledermäusen bevölkert, die sich, ungestört der neugierigen Blicke der Touristen, an die stockfinsteren Felsennischen und Spalten schmiegen. Im Gegensatz zu anderen bulgarischen Höhlen weist nichts darauf hin, dass hier einst Urmenschen gelebt haben. Als Grund dafür nennt Reiseleiterin Julia den tiefen Abgrund der Höhle, was für Wohnzwecke nicht besonders geeignet gewesen sei. Zudem ist die Höhle nur schwer zugänglich. Die Leute aus der Gegend hätten seit langen von der Höhle gewusst. Allerdings habe der Höhlenklub Tschepelare erst 1960 mit ihrer Erkundung begonnen. Die Höhlenforscher entdeckten in der Gegend 23 weitere kleine Höhlen und Schlünde. Bisher ist jedoch nur die Uchlowitza-Höhle für Besucher zugänglich. Im Inneren der Höhle wurden 280 Stufen angelegt, die die senkrecht untereinander liegenden Säle miteinander verbinden. Wie einst die Ägypter habe die einheimische Bevölkerung 40 Tonnen Eisen den schmalen Pfad hinauf geschleppt, meist auf dem eigenen Rücken oder mit Eseln, was an sich schon eine Heldentat sei – erklärt Reiseführerin Julia und führt uns ins Innere der Höhle, wo die Zeit seit Millionen von Jahren stehen geblieben zu sein scheint.

„Der Eingang der Höhle liegt in 1040m Höhe. Die Innentemperatur beträgt konstant um die 10°C“, erzählt unsere charmante Begleitung. „Die Höhle ist zweistöckig. In der ersten Etage befindet sich der s.g. Saal der Abgründe, von dem aus einige tiefe Schluchten verlaufen. Von hier aus dringen wir in einen 18m langen Abgrund vor. Die Höhle ist vermutlich 3,5 Millionen Jahre alt und eine der ältesten Höhlen in den Rhodopen. Sie stellt eine tektonische Spalte dar, durch die sich einst ein Fluss seinen Weg bahnte. Die Uchlowitza-Höhle ist 460m lang, von denen 330m zu Tourismuszwecken urbanisiert wurden. Ein Höhlen-Ausgang wurde bisher nicht entdeckt. Deshalb geht es den selben Weg zum Eingang zurück. In der Uchlowitza-Höhle leben drei Fledermausarten – die Große und Kleine Hufeisennase und das Große Mausohr.“



Während wir, uns am Geländer festklammernd, vorsichtig die waagerechten, glitschigen Stufen hinabsteigen, stoppt uns vor Überraschung der Atem. Dem flackernden Kunstlicht entsteigt ein Bild, das dem Dekor eines Science-Fiction-Films zu Ehre gereichen würde. Die Höhlengalerien bedecken Dendritenbildungen, die wunderlichen Meereskorallen ähneln. Es kommt einem so vor, als ob man auf den Meeresgrund geraten ist, gleich dem Film `2000 Meilen unter dem Meer`. Gleich einem wahren Meister hat der Künstler Natur hier eine unvergleichliche Vielfalt an gigantischen Stalaktiten, Stalagmiten und Stalaktonen geschaffen. Unter den in der Dunkelheit verborgenen Formen zeichnen sich die Silhouetten verschiedener prähistorischer Tiere, einer weinenden Frau oder eines in die Zeitlosigkeit starrenden Reiters ab...



Die Eisenstufen führen auf den Boden des Abgrunds. Dort erwartet uns eine weitere Überraschung – sieben tiefe Mulden. Julia erzählt, dass es sich hierbei um Höhlenseen handelt, die sich jedes Frühjahr mit den Wassern der Schneeschmelze füllen. Wir erreichen eine gesonderte Plattform am Fuße eines prächtigen, in weiß erstrahlenden steinernen Wasserfalls. Das ist der Endpunkt unseres unterirdischen Ausflugs. Der Rückweg ist ein wenig anstrengender, denn nun geht es die 280 Stufen nach oben. Wieder im Freien stellen wir fest, dass uns der einstündige Rundgang wie ein verzauberter Augenblick erschien, in dem wir Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit gereist sind, weitab von Alltag und Sorgen.

Übersetzung: Christine Christov

Fotos: Weneta Nikolowa

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