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Bulgarische Heilkräuter und deren Anwendung

Der Pirin-Tee hat eine entschlackende, belebende und stärkende Wirkung.
Foto: wikipedia.org
Am 24. Juni feiert die orthodoxe Welt die Geburt des Heiligen Johannes, des Täufers Christi. Der Volkskalender wiederum feiert die allmächtige Natur. In unseren Landen ist die Geburt von Johannes dem Täufer als Johannistag (Enjovden) bekannt. An diesem Tag werden obligatorisch Kräuter gesammelt, die just zu diesem Zeitpunkt ihre größten Heilkräfte entfalten. Das Symbol dieses Feiertags ist der Waldmeister. Unser Volk glaubte, dass dieses Heilkraut am Johannistag jegliche Krankheiten heilt.

Bulgarien verfügt, begünstigt durch Klima- und Naturgegebenheiten, über eine enorme Pflanzenvielfalt. Mehr noch – Bulgarien gilt europaweit als eines der Länder mit den meisten Heilkräutern. Die heilkräftige Wirkung der meisten dieser Pflanzen ist wissenschaftlich nachgewiesen. Es gibt Bücher über Kräuterheilkunde - Informationen über die Anwendung und Behandlung mit bulgarischen Kräutern findet man zudem im Internet...

Besonders wertvoll sind jedoch die Aufzeichnungen alter Heilkräutersammler. Menschen, die in der Natur leben, erfuhren die heilkräftige Wirkung der Kräuter am eignen Körper. Auf der Grundlage der bulgarischen Volksmedizin wurde die aktive Heilsubstanz im Kleinen Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) entdeckt, die in Form des Präparates "Nivalin" in der Medizin zur Behandlung von Kinderlähmung, Neuritis, Radikulitis u.a. verwendet wird. Diverse bulgarische Kräuter sind einzigartig in ihrer Heilwirkung und wachsen ausschließlich in Bulgarien. Ein solches Heilkraut ist der Pirin-Tee mit seiner entschlackenden, belebenden und stärkenden Wirkung. Sein regelmäßiger Konsum vermindert das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Seit langen wird dieser Tee zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege eingesetzt sowie bei Leber- und Nierenerkrankungen von Ärzten empfohlen. Das Heilkraut wächst vor allem in der Gegend Mursalitza oberhalb des Rhodopen-Dorfes Mugla unweit der Grenze zu Griechenland. Die Einheimischen werden Ihnen zur Begrüßung eine Tasse Tee einschenken, da sie nach wie vor daran glauben, dass dieses die beste Art ist, jemandem ein langes Leben und Gesundheit zu wünschen. Seit Jahrhunderten erzählt man sich Legenden über seine heilkräftige Wirkung. Bis heute heißt es in den Volksliedern "betörende Kräuter, gesammelt in der Früh von Burschen und Mädchen:" Vielleicht ist ja die Magie der guten Geister, die einst die bulgarischen Landes besiedelt haben sollen, der Pate dieser Heilkräuter ... Eines jedoch ist sicher – in diesen Kräutern rinnt der Lebenssaft der bulgarischen Erde, weswegen sie Gesundheit und Kraft verleihen", meint der Kräutersammler Dontscho Tonew:

"Ich kenne mich mit den bulgarischen Kräutern aus. Seit Jahrhunderten nutzen wir sie bei verschiedenen Krankheiten", meint Dontscho Tonew. "In den Apotheken und Drogerien sind auch Kräuter aus dem Ausland erhältlich, ich achte und bevorzuge jedoch unsere einheimischen Kräuter. Diese kenne ich und nutze sie, wenn ich krank bin. Aufgrund unserer geografischen Lage hat uns die Natur mit einer Vielzahl an Kräutern und Heilkräutern bedacht, die wir seit Jahrhunderten nutzen. Ich persönlich sammle sie und bediene mich ihrer heilkräftigen Eigenschaften. Angefangen bei der Brennnessel, die zur Reinigung des Blutes, zu Stärkung des Immunsystems verwendet wird, besonders bei verringerten Hämoglobin-Werten. Oft koche ich aus Brennnesseln für Kräutersude oder Speisen. Man kann die Brennnesseln aber auch trocknen und dann im Winter verwenden, wenn wir verschiedensten Viren und Bakterien ausgesetzt sind. Melisse, Minze, Johanniskraut, Schafgarbe, Thymian – all das sind Kräuter, die massenhaft verwendet werden und bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden helfen. Allerdings muss man beim Sammeln und Aufbewahren einige Regeln beachten. Nur so kann man ihre heilkräftige Wirkung aufrecht erhalten."

Welches sind die häufigsten Beschwerden, mit denen die Leute zum Kräuterkundler kommen?

"An erster Stelle Allergien", meint Dontscho Tonew. "Das ist eine weit verbreitete Erkrankung, unter der in Bulgarien über anderthalb Millionen Menschen leiden. Sie bringt sehr viele Probleme mit sich und ist sehr unangenehm. Die Schulmedizin kann diese Krankheit nicht heilen, sondern unterdrückt die Symptome mit Antihistamin-Präparaten. Ich behandele diese Krankheit mit Kräutern. Allerdings lehne ich die Behandlungsmethoden der Schulmedizin nicht ab. Meinen Erfahrungen nach ist die Behandlung mit Kräutern jedoch nachhaltiger. An zweiter Stelle sei die Angstneurose genannt, die in den letzten Jahren besonders unter Jugendlichen verbreitet ist. Die Symptome sind grundlose Panik, beschleunigter Puls, Schweißausbrüche, Schwindelanfälle, Ohrgeräusche ... Diese Erkrankung wird durch Stress sowie den Zusammenbruch des Nervensystems ausgelöst. Die Schulmedizin hat dafür Arzneimittel – allerdings handelt es sich dabei um Antidepressiva, die nur bestimmte Zeit wirken und es danach zu Rückfällen kommt. Ich behandle diese Zustände erfolgreich mit Kräuterkombinationen, womit ich bereits Hunderten Menschen helfen konnte."

Übersetzung: Christine Christov

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