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Konflikt in Ukraine auch für Bulgarien von Gefahr

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Foto: EPA/BGNES

Die Lage in der Ukraine wird mit jedem Tag komplizierter. Dieser Überzeugung ist der Vize-Kommandeur der NATO-Truppen in Europa, General Adrian Bradshaw, der dieser Tage Sofia besuchte. Seiner Ansicht nach würde Russland die Grenzen souveräner Staaten neu ziehen, was eine Bedrohung für ganz Europa darstelle. Der Besuch des britischen Generals in Bulgarien fiel in eine Zeit umfangreicher Übungen der NATO im Schwarzen Meer. Nachdem sie in der bulgarischen Schwarzmeerstadt Warna vor Anker lagen, befinden sich nun Kampfschiffe der USA, Kanadas, der Türkei, Deutschlands und Italiens unweit der Krim. Simuliert werden Luftkämpfe und die Ortung von U-Booten.
Ein anderer Brite hatte vor einiger Zeit der Zeitung „Daily Mail“ gegenüber mitgeteilt, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin Spione auf Fischfangschiffen entsenden würde. Laut dem in den Ruhestand getretenen Admiral Alan West würden die russischen Agenten von als Fischereifahrzeugen getarnten Schiffen aus die Marine des Vereinigten Königreichs ausspionieren. Der Admiral a. D. führte weiter aus, dass die NATO Spionageschiffe auch in den internationalen Gewässern der Nordsee lokalisiert habe.
Der russische Staatspräsident Wladimir Putin versetzte die Nordflotte in volle Kampfbereitschaft, wie auch einzelne Abteilungen der Luftlandetruppen und den westlichen Militärbezirk; im Rahmen einer unangekündigten Inspektion verstärken nun die russischen Militärs ihre Präsenz auf der Doppelinsel Nowaja Semlja und dem Franz-Josef-Land im Nordpolarmeer. Zur gleichen Zeit führt die NATO Übungen im Schwarzen Meer nahe der Krim durch, über deren historische Zugehörigkeit im Laufe eines Jahres gestritten wurde. Die Russen meinen, dass diese Halbinsel historisch gesehen ihnen gehöre, denn dort habe der Fürst Wladimir die Taufe erhalten. Die Ukrainer hingegen sagen, dass die Krim die letzten 23 Jahre in ihrem Besitz war, was die Eigentumsrechte zureichend untermaure. Schaut man sich jedoch die vergangenen rund 3.000 Jahre an, so muss man feststellen, dass die Krim die meiste Zeit den iranischstämmigen Skythen gehört hat – nämlich ganze 900 Jahre. Nach Zahl der Eigentumsjahre sortiert folgen: Byzantiner, griechische Kolonisten, das Römische Reich, das Osmanische Reich, dann die Kimmerer, Russland (Kiewer Rus, Russisches Reich und UdSSR) – ganze 278 Jahre, gefolgt vom Chasarischen Khaganat, die Polowzer, Goten, die Goldene Horde, das Khanat der Krim, die Hunnen und schließlich die Ukraine – 23 Jahre und das Königreich Genua – 20 Jahre.
Die Lage spitzte sich zu, als der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko und das Parlament den „schmählichen Beschluss“ über den Sonderstatus das Donezbeckens (Donbas) fassten. Diese Meinung brachten in einer gemeinsamen Erklärung die „Ministerpräsidenten“ der selbstproklamierten Volksrepubliken „Donezk“ und „Lugansk“, Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki, zum Ausdruck, zitiert von TASS.
Die Politiker sind in ihrem Bestreben, Russland zu bestrafen, bereit, die Sicherheit und Zukunft ganz Europas in Frage zu stellen. Gleichzeitig damit driften die Meinungen Washingtons und der EU weiter auseinander. Ungarn, Griechenland und Zypern haben offen ihre Unzufriedenheit mit den Sanktionen bekundet. Österreich, Tschechien und Slowenien sind ihrerseits zu einem Dialog bereit und kehren einer weiteren Konfrontation mit Moskau den Rücken. Derzeit ist Europa bestrebt, eine wenn auch formelle Einmütigkeit zu bewahren. Es wird aber sicher auf die Dauer nicht möglich sein, ein Gleichgewicht zwischen dem Willen des Weißen Hauses und den nationalen Interessen zu halten.
Seinerseits ist Kiew bemüht, die Europäer, wenn auch im NATO-Format, zu Kampfeinsätzen heranzuziehen. So wird der Verlust des Krieges, verschuldet durch die niedrige Moral und die totale Korruptheit in der ukrainischen Armee, auf die Schultern des Westens abgewälzt. Falls jedoch die Opfer unter der friedlichen Bevölkerung weiter steigen sollten, wird es keinen Frieden geben. Im Gegenteil! Der Konflikt wird sich ausweiten und von da ist es bis zu einen großen Krieg in Europa nicht weit. Bulgarien befindet sich seinerseits aber in unmittelbarer Nähe zum Konfliktherd.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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