Dark is Bright – Debütalbum von Martin Hafizi

Foto: imgur.com

Seit einigen Jahren lebt Martin Hafizi in den Niederlanden, wo er als konzertierender Künstler überaus aktiv ist. In Bulgarien ist er mit seinen verschiedenen Projekten bekannt, darunter Uvira, Bruno, Hafizi Trio und Via Mavis. Zum ersten Mal stellt der Schlagzeuger jedoch sein „Half Easy Trio“ und sein erstes selbständiges Album vor, das er mit dieser Formation aufgenommen und „Dark is Bright” genannt hat.

Das Projekt haben wir etwa im März oder April vergangenen Jahres in Angriff genommen und es entwickelt sich bislang besser als erwartet“, sagte uns der Musiker. „Auf dem Wettbewerb „Keep an Eye The Records“ in Amsterdam haben wir eine hohe Auszeichnung erhalten. Von den 47 Gruppen blieben 7 übrig, von denen 3 einen Preis errungen haben. Das Preisgeld beläuft sich auf 10.000 Euro, die dazu dienen sollen, ein Album zu produzieren. Unseres ist bereits fertig, wir haben es aber noch nicht offiziell vorgestellt. Ich wollte das Klischee vermeiden und die Gruppe nach mir benennen; dennoch sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich um meine Formation handelt. Deshalb habe ich den Namen „Half Easy“ gewählt. Außerdem habe ich mit den Jahren die Erfahrung gemacht, dass im Leben „Gut“ und „Böse“, „Licht“ und „Schatten“ parallel laufen. „Halbleicht“, wie man es übersetzen könnte bringt das in gewisser Weise zum Ausdruck.

In seiner Sammlung verschiedener Auszeichnungen hat Martin Dutzende Erste Preise internationaler Wettbewerbe: einige darunter har er bereits als Kind errungen:

In Bulgarien habe ich eine phantastische Grundlage erhalten. Ich habe bei Maria Paliewa an der Nationalen Musikschule „Ljubomir Pipkow“ gelernt und würde diese Zeit gegen nichts auf der Welt eintauschen. Ohne diese Vorbereitung hätte ich nichts erreichen können. Dann war es an der Zeit für neue Herausforderungen und ich reiste nach Rotterdam. Dort bin ich seit 7 Jahren, 6 davon im Jazz- und Pop-Department von Codarts, wo ich meinen Magister und Bachelor machte. Zwischenzeitlich habe ich viele Musiker kennengelernt, darunter den Kontrabassisten Johannes Fend aus Österreich, der nun im „Half Easy Trio“ mit dabei ist. Ich lernte ihn auf einem Konzert kennen, das im letzten Augenblick organisiert wurde. Es klappte alles bestens und wir beschlossen, auch weiterhin zusammen zu spielen. Wir sind auch gute Freunde geworden. Franz von Chossy aus Deutschland wiederum unterrichtete am Konservatorium, in dem ich lernte. Er ist ein bekannter Pianist, vielbeschäftigt und der Entschluss fiel mir schwer, ihn für mein Projekt gewinnen zu wollen, da ich nicht wusste, ob er annehmen würde. Er zeigte sich aber einverstanden. Er ist ein wunderbarer Musiker und Mensch.

Foto: @halfeasytrio

Martin Hafizi wollte sich nicht festlegen, als wir ihn nach der Stilrichtung seiner Musik fragten. Er hat sich von etlichen Dingen beeinflussen lassen – verschiedene Jazzströmungen, zeitgenössische ernste Musik und bulgarische Folklore.

„In den Stücken zitiere ich nicht konkrete Folkloremotive – ich habe nach einem allgemeineren Klang gesucht“, erklärt er. „Das Stück, in dem die bulgarische Folklore am meisten durchklingt, nennt sich „Folks’ Meadow“. Es gibt auch zwei Kompositionen mit Spiegelbild-Titeln und Inhalt: „Bright is Dark“ und „Dark is Bright“. Sie tragen einen ähnlichen Charakter und versinnbildlichen das Gleichgewicht und die Harmonie im Leben. An dieser Stelle muss ich sagen, dass die Entstehung der Kompositionen mit der in meinem bisherigen Leben schwersten Zeit zusammenfällt. Ich habe viele Veränderungen durchgemacht; die Wettbewerbe, an den wir uns beteiligten, verlangten die strikte Einhaltung von Fristen. Es gab Augenblicke, da war mir überhaupt nicht nach Komponieren zumute. Ich habe mit mir wahrhaft gerungen und dabei entstand u.a. das Stück „Me vs mE“. Die CD beginnt mit „Schizo“ – dem ersten Stück, dass ich für das Trio komponiert habe. Es ist eine Komposition der Kontraste und „erzählt“ davon, dass einem manchmal zu viele Denken im Kopf herumgehen, dann zu einer Phase der Ruhe gelangt und danach wieder alles von vorn beginnt…

Wenn von Martin Hafizi die Rede ist, sollte man eine Tatsache aus seiner Biographie nicht unerwähnt lassen: Seine Großmutter Maria Hafizi war eine langjährige Übersetzerin und Sprecherin in der Albanischen Redaktion von Radio Bulgarien, sein Vater ebenfalls. Seine Mutter hingegen war als Tonregisseurin am Rundfunk tätig. Und so drücken alle Kollegen von Radio Bulgarien die Daumen für die offizielle Präsentation des Albums „Dark is Bright”, die für den 7. Dezember im „Bimhuis“ in Amsterdam geplant ist. Dann sollen Konzerte in Rotterdam und danach in verschiedenen Orten Belgiens und natürlich Bulgariens folgen. „Wir hoffen, bald nach Bulgarien kommen zu können, denn ich spiele immer gern in meiner Heimat“, sagte abschließend Martin Hafizi.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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