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Zusammen in der Krise

Volksliedsänger Dobrin Dobrew: Menschen auf Zypern halten Regierungsmaßnahmen ein

Nikosia, 22. April 2020, eine ältere Frau geht an der Statue der Göttin Athene vorbei
Foto: EPA/BGNES

„Grüße aus dem sonnigen Zypern! Hier ist das Wetter herrlich und es ist wirklich schade, dass wir alle zu Hause bleiben müssen, aber es geht nicht anders – wir müssen Disziplin halten!“ Das sagte uns der bulgarische Volksliedsänger Dobrin Dobrew, der bereits seit Jahren auf Zypern lebt und arbeitet. Er unterhält jedoch rege Verbindungen zu seiner Heimat; vor rund einem Monat hat er bei uns am Rundfunk einige Lieder aus der Dobrudscha aufgenommen.

Auf Zypern leben seit dem Mittelalter auch Bulgaren, obwohl sie bis heute nicht als getrennte ethnische Minderheit aufgeführt werden. Laut jüngsten Angaben sind sie etwa 25.000 an der Zahl, werden aber zunehmend weniger, wie uns Dobrin Dobrew informierte.

Er ist nicht nur ein begabter Sänger, sondern auch sehr wortgewandt – er schreibt Gedichte, Essays, Erzählungen und hat schon einige Bücher herausgegeben. Seine Kindheit hat er in Dobrudscha im Nordosten Bulgariens verbracht. Später nahm ihn die berühmte Volksliedsängerin Werka Siderowa unter ihre Fittiche, was sein Leben grundlegend veränderte.

Was macht er nun auf Zypern und welche Maßnahmen wurden dort gegen die Ausbreitung der Covid-19-Seuche getroffen, wollten wir von ihm wissen:

„Ich denke, dass Zypern sehr gut mit der Quarantäne zurecht kommt. Mit wenigen Ausnahmen sind die Menschen sehr diszipliniert und halten sich an die Maßnahmen, die die Regierung verhängt hat. Wer sie nicht einhält muss mit einem Bußgeld zwischen 300 und 400 Euro rechnen. Einmal täglich kann man für zwei Stunden das Haus verlassen und muss entsprechend eine SMS senden. Die Lebensmittelgeschäfte und Apotheken haben geöffnet. Es gibt auch Charterflüge – vor einigen Tagen flog ein Flugzeug nach Bulgarien, was mit Hilfe der bulgarischen Botschaft hier ermöglicht wurde. Jeder, der nach Zypern kommt oder zurückkehrt, muss 14 Tage in Quarantäne, die er an den dafür vorgesehenen Orten, meist Hotels, verbringen muss. Getestet wurden alle Verkäufer von Geschäften für Lebensmittel, Getränken, Bäckereien und Supermärkten. Ich bin als Leiter eines Informationszentrums in Limassol tätig und besitze ein Geschäft für bulgarische Lebensmittel. Bei meiner Arbeit habe ich viel Kontakt mit Landsleuten. Ich denke, dass sie sich hier sehr gut fühlen. Mir ist nicht bekannt, dass sich jemand von den Bulgaren hier mit dem Cotonavirus infiziert hat. Viele wollen in die Heimat zurückkehren, was meiner Ansicht nach gut ist, denn die Bulgaren gehören nach Bulgarien... Zu Ostern waren hier alle Kirchen geschlossen; die Gottesdienste wurden jedoch im Fernsehen übertragen. Dieser Tage muss ich immer an einen Vers von Valeri Petrow denken: „Nicht traurig sein – die guten Briefe sind unterwegs!“.

Dobrin Dobrew nutzt die Quarantäne, um an seinem neuen Repertoire zu arbeiten. Er gestand uns, dass er vom BNR bereits eine Einladung erhalten hat, einige neue Lieder aufzunehmen.

„Außerdem lese ich Bücher, höre Musik und das füllt mein Leben aus. Ich möchte allen Menschen in Bulgarien viel Gesundheit, Optimismus, Mut und Geduld wünschen! Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass heute die bedeutende Sängerin der Dobrudscha, Werka Siderowa, 94 Jahre alt wird. Auch ihr wünsche ich Gesundheit und noch viele Jahre. Mögen wir unsererseits von ihrer Weisheit und ihrem starken Charakter lernen. Auch sollten wir uns an dem großen Reichtum erfreuen, den der Bulgarische Nationale Rundfunk hütet und großzügig über Äther unter den Fans verteilt.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: BGNES und Privatarchiv