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Warum muss das erste Osterei rot sein?

Die von Hand geschmückten Ostereier sind für die Liebsten

Foto: Archiv

Laut alten bulgarischen Traditionen müssen die Ostereier am Gründonnerstag gefärbt werden und zwar von der ältesten Frau in der Familie. In alten Zeiten färbte man in den reicheren Häusern 500 bis 600 Eier, denn man vergab sie nicht nur an die Familieangehörigen, sondern auch an Freunde und Bekannte sowie an arme Menschen und Reisende. Zum Färben verwendete man natürliche Farbstoffe, wie Oregano (rot), Brennnessel (grün), Perückenstrauch (orange) und Wallnüsse oder Zwiebelschalen (gelb). Bevor mit dem Eierfärben begonnen wurde, bekreuzigte sich die Frau mit den Worten: „Gott geb's, dass wir auch im kommenden Jahr ein rotes Ei begrüßen können!“

Das erste Ei, das man färbt, muss unbedingt rot sein. Warum?

„Das Ei ist einerseits die erste Nicht-Fastenkost, die man nach der Fastenzeit zu sich nimmt. Das Ei gilt als Symbol des ewigen Lebens, der Erneuerung und der geistigen Erlösung, wie auch der Sonne und der Fruchtbarkeit. Andererseits symbolisiert die rote Farbe das Blut des Erlösers, das Er vergossen hat. In der traditionellen Kultur wird die Farbe Rot mit Leben, Energie, Lebenskraft und Mittel gegen das Böse und Gefahren identifiziert“, erläutert Dozent Dr. Wichra Baewa vom Institut für Ethnologie und Folkloristik der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften.

Mit dem ersten rot gefärbten Ei reibt man die Backen der Kinder und der heiratsfähigen Mädchen ein, damit sie gesund bleiben und vor dem Bösen bewahrt werden. Traditionell wird das erste rote Ei in den Hausaltar gestellt und ein Jahr lang aufgehoben. Früher brachte man auch rot gefärbten Eier in die Kirche und stellte sie neben den Ikonen auf.

Mit dem bloßen Färben der Eier begnügt man sich natürlich nicht. Es gibt seit alters her die verschiedensten Möglichkeiten, Eier zu verzieren. Diese schenkte man den liebsten Menschen. Mehr über die unterschiedlichen Technologien zur Gestaltung von Ostereiern erfahren Sie aus einem unserer Archivbeiträge, den Sie hier finden können.

Redaktion: Elena Karkalanowa

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

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