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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

Ljubomir Pipkow – „Momtschil“

Sonntag, 1 Februar 2026, 11:15

Ljubomir Pipkow – „Momtschil“

FOTO OPERASOFIA.BG

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„Mich hat stets das Problem der Herausbildung eines bulgarischen Musikstils beschäftigt“, schrieb der große Klassiker Ljubomir Pipkow, Schöpfer einiger der bedeutendsten Werke des bulgarischen Komponierens im 20. Jahrhundert. Seine Verwirklichung nicht nur als Musiker, sondern auch als Literat und Dichter, Pädagoge, Publizist und gesellschaftlich engagierte Persönlichkeit mit klarer sozialer Haltung und progressiven Überzeugungen, machte ihn zu einer prägenden Figur des bulgarischen intellektuellen Lebens. Pipkow ist Autor von vier Sinfonien, Instrumentalkonzerten, einer Oratorie, Orchester- und Kammerwerken, Chor- und Sololiedern sowie Filmmusik. 

FOTO Christo Jukseliew (Archiv)

Seine drei Opern jedoch sind drei einzigartige Meisterwerke, drei musikdramaturgische Konzepte, vereint durch seinen unverwechselbaren Stil, der Elemente von Volkstümlichkeit und Modernität miteinander verbindet. „Janas neun Brüder“, „Momtschil“ und „Antigone 43“ gelten als Gipfelpunkte des bulgarischen Musiktheaters. 

FOTO Staatsoper - Stara Sagora

Nach Angaben des Komponisten selbst wurde die Idee zu „Momtschil“ durch den Einmarsch Deutschlands in Polen im Jahr 1939 ausgelöst. Ljubomir Pipkow war stets Teil des Kreises der interessantesten und progressivsten bulgarischen Intellektuellen. Zu ihnen zählten junge, profilierte Talente wie die Maler Ilija Beschkow und Boris Angeluschew, der Dichter Christo Radewski, die Schriftsteller Konstantin Petkanow und Stojan Sagortschinow sowie der Regisseur Bojan Danowski. Einer der engsten Freunde des Komponisten war der Kritiker Georgi Zanew, Herausgeber der Monatszeitschrift Kunst und Kritik, die von 1938 bis 1943 erschien, und vor allem Autoren mit linken Überzeugungen vereinte. Pipkow war von Beginn an eine zentrale Figur dieser Publikation – kurz Is-Kri genannt – und genau in diesem Umfeld entstand die Idee zu „Momtschil“. 

FOTO discogs.com

Die Uraufführung der Oper fand 1948 an der Sofiar Oper statt, mit Assen Naidenow am Dirigentenpult, Michail Hadschimischew als Regisseur, Nenko Balkanski als Bühnenbildner und Margarita Dikowa als Choreografin. 

FOTO OPERASOFIA.BG

Die bewegende und außerordentlich schöne Musik von „Momtschil“ verdient besondere Aufmerksamkeit und eine erneute szenische Wiederbelebung. Die Partitur ist farbenreich, prachtvoll und von großer Kraft. Unüberhörbar treffen hier die kompositorischen Vorstellungen des Autors auf die großen Operntraditionen. Die eindrucksvolle und vielschichtige Orchesterpartie geht weit über eine bloß begleitende Funktion hinaus. Besonders wirkungsvoll sind die großartigen Chorszenen – der Chor ist zugleich Kommentator und aktiver Handlungsträger. Die geheimnisvolle Tiefe des Waldes, die heroischen Kulminationen und die Ausgelassenheit der Tänze machen die Musik wahrhaft bezaubernd. 

FOTO OPERASOFIA.BG

Zu den eindrucksvollsten Szenen zählt die königliche Hochzeit, die mit den berühmten Tänzen aus dem zweiten Bild endet. Gemeinsam mit der Ouvertüre zur Oper gehören sie seit Jahrzehnten zu den beliebtesten und meistgespielten Konzertstücken im Repertoire aller bulgarischen Sinfonieorchester. Die beste Möglichkeit, diese klangvolle bulgarische Musik zu erleben, bietet die maßstabsetzende Einspielung von „Momtschil“ – bis heute der Studioaufnahme aus dem Jahr 1974 mit den Ensembles der Sofiar Oper unter der Leitung des herausragenden Operninterpreten, des großen bulgarischen Dirigenten und Komponisten Iwan Marinow. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov