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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

„Verspätete Begegnungen“ von Petar Stupel – der feinsinnige Evergreen-Komponist

Freitag, 16 Januar 2026, 20:00

Petar Stupel (1923 – 1997)

Petar Stupel (1923 – 1997)

FOTO ubc-bg.com

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„Er besitzt ein unglaubliches Gespür – er findet immer ein Thema, ein Lied, das zur Visitenkarte eines Films wird und an dem man ihn sofort erkennt“, sagte der Regisseur Nedeltscho Tschernew, bekannt als der „Vater der bulgarischen Fernsehserie“, über den Komponisten Petar Stupel. Für das bulgarische Kinderlied sei dieser Komponist so etwas wie Iwan Wasow – meint der renommierte Dichter, Dramatiker und Schriftsteller Stefan Zanew: „Wahrscheinlich glauben alle Kinder, die ihr erstes Gedicht Ich bin ein Bulgare (von I. Wasow) lernen und ihr erstes Lied Das weiße Häschen singen, dass beides vom selben Autor stammt. Solche Lieder kann nur ein sehr guter Mensch schreiben. Und er ist ein außergewöhnlich guter Mensch …“ 

Petar Stupel (1923–1997) war tatsächlich ein guter Mensch und ein begnadeter Künstler. Der Autor der unvergesslichen Kinderlieder „Das weiße Häschen“ und „Gute Nacht, Kinder“ wurde in Sofia in eine Familie professioneller Musiker geboren, die aus Litauen eingewandert war. In der bulgarischen Hauptstadt besuchte er das französische Gymnasium. 1947 schloss er die Musikakademie im Fach Klavier in der Klasse von Prof. Andrej Stojanow ab. Zwei Jahre später ging Stupel nach Budapest, wo er an der Musikakademie „Franz Liszt“ Komposition und Kammermusik bei den weltbekannten Musikern Leó Weiner und Pál Kadosa studierte. 

Seine berufliche Laufbahn in Bulgarien begann er als Musikredakteur in der Kinderredaktion des Bulgarischen Nationalen Rundfunks. Er war Komponist des Ensembles für Lieder und Tänze der Bulgarischen Armee, Musikredakteur beim Schallplattenlabel „Balkanton“ sowie Chefredakteur beim Bulgarischen Nationalen Fernsehen BNT. Als Autor von mehr als 100 Kinderliedern, einer Kinderoper, Balletten, Operetten, Musicals sowie Theater- und Filmmusik ist sein Beitrag zur bulgarischen Popmusik herausragend. Seine Schlager nach Texten junger Dichter reichen bis in die 1940er-Jahre zurück, doch vor allem seine lyrischen Lieder aus den folgenden Jahrzehnten gelten bis heute als Maßstäbe des bulgarischen Musikschaffens. 

Petar Stupel und der Künstler Emil Stefanow zeichnen die Kindersendung „Barborino“ für den Bulgarischen Nationalen Rundfunk auf.

FOTO Museum für Radiogeschichte in Bulgarien „Prof. Dr. Wesselin Dimitrow“

1980 wurde Petar Stupel Direktor des Internationalen Festivals „Sofiaer Musikalische Wochen“. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Festival zu einer renommierten europäischen Musikveranstaltung. Dank seiner Arbeit gastierten in Sofia Orchester wie die Berliner und die Wiener Philharmoniker, Opern- und Ballettensembles aus Italien, Frankreich, Großbritannien und Schweden sowie Dirigenten von Weltrang und berühmte Solisten. 

Freunde und Kollegen betonen, dass er bei der Umsetzung seiner Festivalideen ebenso energisch und leidenschaftlich war, wie er als Künstler sanft, bescheiden und lyrisch auftrat. Vielleicht ist das der Grund, warum viele seiner Werke das glückliche Schicksal echter Evergreens teilen. 

Petar Stupel ist zudem der Schöpfer der ersten bulgarischen Kinomusicals: „Die alte Münze“ (1965) und „Mein Vater, der Anstreicher“ (1974). Von Mitte der 1950er- bis Anfang der 1990er-Jahre schrieb er die Musik zu zahlreichen beliebten Filmen. Die Filmmusik zu den erfolgreichen Fernsehserien „An jedem Kilometer“ und „Kapitän Petko Wojwoda“, gemeinsam mit Atanas Bojadschiew komponiert, machte beide Autoren landesweit berühmt. 

Grischa Ostrowski

FOTO natfiz.bg

Über Stupel sagte der große bulgarische Theater- und Filmregisseur sowie Pädagoge Grischa Ostrowski: „Ich weiß nicht, ob er mir etwas gegeben hat oder ich ihm, aber wir passten als Komponist und Regisseur so perfekt zusammen, dass ich jeden anderen unwillkürlich mit Petjo vergleiche und mir denke: Ach, wie leicht würde Petjo das machen! Er konnte in einem Augenblick die Stimmung auf der Bühne verändern, einen mit wenigen Takten à la … nach Frankreich oder Ungarn, ins 17. Jahrhundert oder in die Zeit des Rock versetzen. Diese unglaubliche Wendigkeit steht seinem Talent in nichts nach!“ 

Maria Nejkowa und Michail Beltschew

FOTO Archiv

1969 gewann das Lied „Verspätete Begegnungen“ von Petar Stupel und Petar Karaangow aus Ostrowskis Film „Männer auf Dienstreise“ (1968) den ersten Preis für ein bulgarisches Lied beim renommierten internationalen Festival „Der Goldene Orpheus“. Interpretiert wurde es von den jungen Stars der damaligen Musikszene Maria Nejkowa und Michail Beltschew. Für den Soundtrack des Films jedoch wurde das Lied von Maria Nejkowa gemeinsam mit dem heute legendären Pop- und Rocksänger Georgi Mintschew aufgenommen. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov