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Daniel Dschenew aus Chicago: Neue Wahlbeschränkungen sind unlogisch

Bulgaren im Ausland lassen sich nicht manipulieren und stimmen für alle Parteien, sagt der Wahlhelfer aus den USA

Dienstag, 10 Februar 2026, 16:02

Daniel Dschenew aus Chicago: Neue Wahlbeschränkungen sind unlogisch

FOTO Reuters (Archiv)

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Nach einer stundenlangen Sitzung verabschiedete die Volksversammlung endgültig die Änderungen am Wahlgesetz, mit denen die Zahl der Wahllokale außerhalb der diplomatischen Vertretungen in Nicht-EU-Staaten auf 20 begrenzt wird. Der Vorschlag der Parlamentsfraktion von „Wiedergeburt“ wurde mit 117 Stimmen „dafür“, 82 „dagegen“ und 10 Enthaltungen angenommen. Gegen den Vorschlag sprachen sich PP-DB, DPS – Neuanfang, METSCH, „Welitschie“ und APS aus. 

FOTO BTA

Damit ist nun klar, dass in Ländern wie Großbritannien, der Türkei und den USA die Begrenzung auf 20 Wahllokale negative Auswirkungen haben wird – die Wahlbeteiligung unserer Landsleute in diesen Staaten ist traditionell hoch, und die geringere Zahl an Wahllokalen wird zu großen Menschenansammlungen führen. Möglich ist auch, dass Wähler aufgrund der weiten Anfahrtswege auf die Stimmabgabe verzichten. 

Rumen Radew

FOTO BGNES

Eine der ersten Reaktionen kam heute Morgen von Rumen Radew – bis vor Kurzem Präsident, nun einer der Politiker, die an den vorgezogenen Parlamentswahlen teilnehmen werden. In einem Facebook-Beitrag kommentierte er, die Entscheidung des Parlaments sei ein weiterer Schritt der politischen Status quo-Kräfte, ihre Macht zu bewahren, indem sie die demokratischen Rechte der Bulgaren im Ausland einschränken. 

Die Vereinigten Staaten gehören zu den Ländern, die von der neuen Begrenzung betroffen sind, und im Vergleich zur Wahl im Oktober 2024 wird die Zahl der Wahllokale um nahezu 50 Prozent reduziert. Welche Schwierigkeiten wird das verursachen? 

Generalkonsulat Bulgariens in Chicago

FOTO mfa.bg

„Wir sind in vier Konsularbezirke aufgeteilt – Washington, New York, Los Angeles und Chicago –, wobei jedes Konsulat grob gesagt 10 bis 12 oder 15 Bundesstaaten betreut. Bei den letzten Wahlen hatten wir insgesamt 55 Wahllokale in ganz Amerika, also etwa 10 bis 15 pro Konsulat. In Chicago selbst gab es acht Wahllokale und weitere sechs in den sechs benachbarten Bundesstaaten. Wenn man es fair aufteilt – vier Regionen mit vier Konsulaten –, müssten jeweils nur fünf Wahllokale außerhalb der Konsulate bestehen. Das bedeutet, dass in Chicago höchstwahrscheinlich nur zwei, drei oder vier Wahllokale übrig bleiben und alle anderen in den Nachbarstaaten geschlossen werden. Vereinfacht gesagt stehen die Menschen vor der Wahl: Entweder sie fahren nach Chicago und verlieren einen ganzen Tag – oder sie gehen gar nicht wählen“, erklärte der Wahlhelfer aus Chicago, Daniel Dschenew, gegenüber Radio Bulgarien. 

Daniel Dschenew lebt seit 2005 in Chicago und arbeitet als Buchhalter bei einer Bank im Stadtzentrum. Er sagt, dass er in den vergangenen Wochen alle Debatten über die geplante Begrenzung der Wahllokale aufmerksam verfolgt habe, da er seit Jahren Mitglied von Wahlkommissionen ist: 

Daniel Dchenew

FOTO Privatarchiv

„Bei uns gibt es so etwas wie unfair durchgeführte Wahlen nicht. Wir haben Wahlen mit ausschließlich Papierstimmzetteln durchgeführt, vollständig mit Maschinen, bei denen das Protokoll direkt nach Schließung der Wahllokale ausgedruckt wurde und niemand etwas manuell zählte, mit Maschinen und Papier sowie mit Maschinen, die als Drucker fungierten. Die freiwilligen Mitglieder einer Wahlkommission sind bei uns stets Vertreter der Gesellschaft und der Diaspora vor Ort und sorgen dafür, dass die Wahlen fair ablaufen und die bulgarischen Staatsbürger ihr Wahlrecht ausüben können. In Amerika gibt es Emigranten aller Altersgruppen, aber sie alle wissen, dass sie eines Tages, wenn sie in Rente gehen, nach Bulgarien zurückkehren werden, um dort ihre Renten auszugeben. Deshalb ist es für uns von großem Interesse, was dort geschieht.“ 

Bulgaren stimmen in einem Wahllokal in Chicago ab (2024)

FOTO BGNES

Daniel Dschenew ist überzeugt, dass sich Bulgaren im Ausland nicht manipulieren lassen, wenn es um ihr freies Wahlrecht geht: 

„Den Bulgaren im Ausland kann man nur sehr schwer sagen, wen sie wählen sollen. Sie lesen Nachrichten, informieren sich und entscheiden selbst, wen sie unterstützen. Sie stimmen für alle Parteien, sodass niemand behaupten kann: ‚Wir wollen keine Wahllokale im Ausland, weil dort für eine bestimmte Partei gestimmt wird.‘ Für alle Parteien wird gestimmt, und es gibt kein einziges logisches Argument für diese Änderung gerade jetzt. 

„Jede Einschränkung der Bürgerrechte ist ein sehr schlechtes Zeichen“, kommentierte der politische Analyst Juri Aslanow in einem Interview für den Bulgarischen Nationalrundfunk (BNR). 

Juri Aslanow

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„Ich verstehe, warum das gemacht wird und warum einige im Parlament vertretene Parteien es vorschlagen. Aber ich kann sagen – da ich alle Änderungen der bulgarischen Wahlgesetze seit 1990 aufmerksam verfolgt habe –, dass das Wahlergebnis stets umgekehrt proportional zur ursprünglichen Absicht der Wahlrechtsänderungen war.“ 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov