„Frisches Blut“ für die Handwerksberufe in Weliko Tarnowo

Montag, 9 Februar 2026, 09:15

„Frisches Blut“ für die Handwerksberufe in Weliko Tarnowo

FOTO Sdrawja Masljankowa

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Töpferei, Stickerei, Weberei, Messerschmiedekunst... Handwerksberufe sind die Weisheit des Geistes und der Hände, die von Generation zu Generation, vom Meister zum Lehrling weitergegeben wird und so bewahrt und bereichert wird. Die Entwicklung und Erhaltung der traditionellen bulgarischen Handwerkskünste ist die Hauptaufgabe der Nationalen Handwerkskammer, die 20 regionale Handwerkskammern, Branchenorganisationen und Verbände vereint. Vor Kurzem wurde die Handwerkskammer in Weliko Tarnowo um 12 neue Meister und vier Gesellen reicher.

„Weliko Tarnowo ist eine Stadt, in der die alten bulgarischen Handwerkskünste lebendig sind. In den Werkstätten der Handwerker und den Läden entlang der Samowodska-Straße werden Traditionen bewahrt und weitergegeben“, unterstrich der Bürgermeister Daniel Panow beim Überreichen der Meisterzeugnisse, informierte die Korrespondentin des Bulgarischen Nationalen Rundfunks in der alten bulgarischen Hauptstadt, Sdrawka Masljankowa.

An die einhundert Handwerksmeister aus den verschiedensten Bereichen sind Mitglieder der regionalen Handwerkskammer in Weliko Tarnowo.

„Meister bedeutet, dass man seine Erfahrung in dem Bereich, in dem man arbeitet, unter Beweis gestellt hat und diese weitergeben kann. Die Meister haben auch das Recht, auszubilden. Die meisten Meisterzeugnisse haben wir in den Handwerksberufen Friseur, Kunststricken und Stickerei. Bedarf besteht in den Bereichen Schornsteinfegen und Vulkanisierung. Die Glasbläserei fehlt völlig“, erklärte die Vorsitzende der Geschäftsleitung der örtlichen Handwerkskammer, Galina Bartolowa. Nicht die Einführung des Euro als Zahlungsmittel in Bulgarien, sondern die unlauteren Praktiken bereiten den Handwerkern Probleme, fügt sie hinzu. Viele Meister beschweren sich darüber. Gleichzeitig wird im Dienstleistungsbereich, zu dem Friseure, Maniküre und andere Handwerksberufe gehören, über eine unbegründete Preiserhöhung nach der Einführung des Euro gesprochen. Doch diese Probleme seien nicht Gegenstand von Kontrollen durch die Handwerkskammer, erklärt Bartolowa. „Jeder Handwerker trägt selbst die Verantwortung für sein Handeln.“

Handwerker, die an internationalen Festivals und Ausstellungen teilgenommen haben, sollten keine Probleme mit der Einführung des Euro haben. Die ersten Monate des Jahres sind grundsätzlich schwierig, kommentiert Borjana Motchewa, Meisterin für Kunsttextilien und Ledergravur.

Simona Pawlowa und Bürgermeister Daniel Panow

FOTO Gemeinde Weliko Tarnowo

Simona Pawlowa hat einen Universitätsabschluss im Bereich Keramik und bereits ein Meisterzertifikat. Sie tritt in die Fußstapfen der berühmten Weberinnen aus Weliko Tarnowo, die an der Gründung der Samowodska Tscharschija in der Stadt beteiligt waren.

Die Keramik liegt mir sehr am Herzen. Das Weben ist ein Erbe, das ich ebenfalls kenne, aber noch nicht den Meisterbrief dafür erworben habe“, sagt Simona. Nach meinem Abschluss habe ich mir ein Atelier eingerichtet und bin nun auch Meisterin. Das wird mir in Bezug auf die Dokumentation helfen, mir aber auch zu mehr Ansehen verhelfen. Ich bin überzeugt, dass jeder die zu ihm passenden Leute findet und das, was man herstellt, das richtige Publikum. Es gibt für alles und jeden einen Platz.“

Christina Petkowa und Bürgermeister Daniel Panow

FOTO Gemeinde Weliko Tarnowo

Die 62-jährige Christina Petkowa aus Swischtow ist die älteste, die ihr Zeugnis als Lehrling im Kunststricken erhalten hat. Seit einem halben Jahrhundert arbeitet sie mit Häkelnadel und Garn. In Bezug auf die Strickerei hegt sie aber keine große Hoffnung.

„Ich habe alles gestrickt, sowohl Strickjacken als auch Spielzeug und ich hoffe, dass handgefertigte Strickwaren wieder in Mode kommen", sagt Christina, obwohl sie einsieht, dass das aufgrund der großen Nachfrage schwierig ist. "Industrielle Fertigwaren werden bevorzugt, weil Handstrickwaren mehr Arbeit erfordern. Sie werden aber ihrer Ansicht nach nicht ausreichend geschätzt.

Nelli Stojanowa und Bürgermeister Daniel Panow

FOTO Gemeinde Weliko Tarnowo

Nelli Stojanowa hat das Meisterzeugnis im Weben erhalten. Sie ist eine Schülerin der hierzulande bekannten Meister Miglena Tschatalowa und Waleri Jotow. Es ist ihr anfangs schwer gefallen, sich hinter den Webstuhl zu setzen. Aber als sie sich endlich traute, stand sie nicht mehr auf. Die Arbeit mit den leuchtenden und wunderschönen Farben ließ sie nicht mehr los, erzählt sie über ihre Anfänge. Was sie anzog, war der Sinn des Webens an sich und dass alle Körperteile am Weben beteiligt sind. „Ich habe sehr gerne gemalt und begriff, dass ich direkt auf dem Stoff Kunstwerke schaffen kann. Und so begeistert mich dieses Handwerk bis heute. Es hat 5-6 Jahre gedauert, bis ich mein Meisterzeugnis erhalten habe. Dahinter steckt große Beharrlichkeit“, erzählt Nelli.

Irena Jordanowa und Bürgermeister Daniel Panow

FOTO Gemeinde Weliko Tarnowo

30 Jahre lernte Irena Jordanowa das Friseurhandwerk von ihrem Vater. Inzwischen hat sie ihr eigenes Meisterzeugnis.

„Vielleicht liegt es in meinen Genen. Seit meiner Kindheit habe ich mit Haaren zu tun. Meine Kindheit habe ich im Friseursalon meines Vaters verbracht, habe zugeschaut, geholfen, gekehrt ... Ich bin mit diesem Handwerk aufgewachsen“, sagt Irena.

Die neuen Meister erhielten ihre Zeugnisse bei einer Zeremonie, auf der ihnen der Bürgermeister Daniel Panow nahe legte, mit ihrem Talent und Handwerk weiterhin für Weliko Tarnowo als historische und geistige Hauptstadt Bulgariens einzutreten.


Übersetzt und veröffentlicht von Georgetta Janewa