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Die Feuchtgebiete – eine Garantie des Lebens

Der See von Durankulak
Foto: Nikolay Petkow, ImagesFromBulgaria.com
Es ist wohl bekannt, dass Wasser Leben bedeutet. Deswegen sind die Feuchtgebiete die größten Biovielfaltzonen der Erde. Sie spielen eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur und des Wassers, von daher auch für ein beständiges Klima und für die Süßwasservorräte. Deswegen wird jedes Jahr am Internationalen Tag der Feuchtgebiete am 2. Februar, dem Tag, an dem im Jahr 1971 im iranischen Ramsar die Konvention über die Feuchtgebiete unterzeichnet wurde, diesem Phänomen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Bulgarien gehört zu den ersten Ländern, die dieses Dokument unterzeichneten. Darin sind der Schutz und die Nutzung der Feuchtgebiete als eine internationale Naturgegebenheit von wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung geregelt. Bulgarien wurde mit 10 Feuchtgebieten mit einer Gesamtfläche von etwas über 20 000 Hektar in der Liste der Konvention aufgenommen. Das sind der Atanasower See, die Belene Inselgruppe auf der Donau, der See von Durankulak im äußersten Osten des Landes, die Insel Ibischa, der Schabla See, das Gebiet Poda, Der See von Pomorie an der Schwarzmeerküste, die Ropotamo-Delta, der Sreburna See und der Waja See. Der Sreburna Naturschutzgebiet ist zudem auch mit seiner zahlreichen Kolonie Krauskopfpelikane bekannt. An den anderen Seen überwintern viele Wasservögelarten wie die Rothalsgans und die Zwerggans, auch der kleine Kormoran findet hier Zuflucht in den kalten Wintermonaten.



Unser Land ist sehr reich an verschiedenen Bioarten, die meisten davon sind in den Feuchtgebieten am Ufer des Meeres und an den Seen und Flüssen zu finden. Diese Gebiete sind aber sehr anfällig für das Eindringen der Menschen, behaupten die Naturschützer. Die meisten Schäden haben sie in den 60er Jahre hingenommen, als die Flussbetten beändert wurden und die Sümpfe ausgetrocknet wurden. Laut verschiedenen Quellen, hat sich die Biovielfalt seit Beginn des 20. Jh. von 10 bis zu 20 mal verringert. Obwohl diese Prozesse heute langsamer verlaufen, dauern sie immer noch an, behauptet Iwan Hristow von der bulgarischen Filiale des WWF.

„Die meisten verschwundenen oder ernsthaft bedrohten Arten in Bulgarien stammen von den Feuchtgebieten“, sagt er. „Auch heute werden Ökosysteme entlang den Flüssen und in den Sümpfen vernichtet. Das schlimmste Problem im Moment sind die Wasserkraftwerke, die überall gebaut werden und die unkontrollierte Gewinnung an Baumaterialien aus den Flussbetten. Dadurch wird auch der Grundwasserpegel gebietsweise um bis zu sieben oder acht Metern gesenkt. Leider unumkehrbar“.

Unter den Wasservögeln ist die Familie der Rohrdommel am meisten gefährdet, meint Iwan Hristow. Aber die schädliche Einwirkung des Menschen macht sich vor allem bei den Fischarten bemerkbar. Am auffälligsten sind hier die Veränderungen in der Biovielfalt in der Donau, der längste aber auch der am meisten verschmutze Fluss Europas. Die Menschen aus den Küstenregionen des Flusses in Bulgarien erinnern sich nostalgisch an die Zeiten, als der Fischfang üppig und der Kaviar nicht selten auf dem Tisch zu sehen waren. Früher gab es auch Wildkarpfen in den Gewässern des Flusses, leider ist er schon verschwunden.

„Der Karpfen ist eine essenzielle Fischart für diesen Fluss, bis vor nicht langer Zeit bestand zu 65 Prozent des Fischfangs daraus“, erklärt Iwan Hristow von WWF Bulgarien weiter. „Momentan werden nur etwa 6 Prozent Karpfen gefangen und zwar nicht die wilde, sondern die kultivierte Art, die aus China importiert wurde. Der Karpfen und seine Population sind ein wichtiger Indikator für den Zustand des Flusses, weil er seine Kleinen in den Feuchtgebieten entlang des Flussbettes groß zieht. Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Population der Störfische, die ebenfalls verschwunden sind. In den 60er Jahre wurden sie industriell gefangen. Bis vor etwa sieben Jahren gab es Fischer an der Donau, die davon noch leben konnten. Von den früher sechs verschiedenen Störarten in der Donau, sind drei vollkommen verschwunden. Die Zahl der Hausen im Fluss ist auch drastisch gefallen. Der Stenhausen ist ebenfalls nur selten anzutreffen. Nur der Sterlet, der der kleinste von allen ist, ist noch gelegentlich zu finden“.



Im Zusammenhang mit den internationalen Verpflichtungen des Landes für den Schutz der Störfische wurden vor etwa zehn Jahren Kleinfische im unseren Teil des Flusses gezüchtet. Das Ergebnis davon wird aber erst in etwa zehn Jahren sichtbar, da die Reise, die diese Fische machen, bevor sie zurück zu ihren Ursprungsgebieten zurückkehren, sehr lang ist. Einen weiteren Grund zur Besorgnis gibt die transeuropäische Wasserwegroute entlang der Donau.

„Das ist heute vielleicht die größte Gefahr für die Feuchtgebiete“, sagt weiter Iwan Hristow. „Dadurch wird die Donau als einen Wasserweg für große Schiffe gesehen, die momentan den Fluss nicht passieren können. Deswegen ist eine Erweiterung des Flussbettes im unteren Teil des Flusses vorgesehen, die eine Gefährdung der dort lebenden Arten bedeutet. Wir schlagen eine andere Lösung vor, nämlich nicht die Anpassung des Flusses an die größeren Schiffen, sondern umgekehrt. Wir wollen die Schiffsfahrt verbessern und gleichzeitig die Ökosysteme schützen. Wir wollen die Fischerei und die anderen damit verbundenen Tätigkeiten auch erhalten“.



Eigentlich können die größeren Schiffe nur in den zwei bis drei Sommermonaten nicht durch den Fluss fahren, was kaum eine so große Einschränkung des Wassertransports sein kann, meinen die Umweltschützer, die vor den Gefahren einer Ausbreitung des Flusses warnen.

„Das bedeutet eine deutliche Senkung des Wasserpegels des Flusses, was zu einer Reduzierung der Wasserbestände im Umkreis von bis zu 15 Kilometer führen kann. Das wird bereits nach dem Bau der Dämme an einigen Stellen sichtbar. Der Wasserpegel ist teilweise um bis zu drei Metern gefallen, das wirkt sich natürlich auch auf die Grundwasservorräte und auf die Versorgung in der ganzen Ebene aus“, so Iwan Hristow von WWF Bulgarien abschließend.

Übersetzung: Milkana Dehler

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