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Bulgarien und die Schwarzmeer-Energieprojekte

Foto: Archiv
Durch seine geographische Lage an der Westküste des Schwarzen Meeres und mit einer gemeinsamen Grenze mit der Türkei, ist Bulgarien dazu berufen, eine wichtige Rolle für den Transport von Erdöl und Gas aus Russland und Asien nach Europa zu spielen. Momentan gibt es drei Energieprojekte, die Bulgarien miteinbeziehen und sich in verschieden Stadien befinden.

Am fortgeschrittensten ist das Vorhaben South Stream für den Transport von russischem Gas zu den Ländern Südeuropas. Ebenfalls in einer entwickelten Phase befindet sich das Projekt Burgas-Alexandroupolis, das russisches Erdöl über das Schwarze Meer bringen soll und zwar als Alternative der Öltankertransporte über den Bosporus und den Dardanellen. Die Zukunft dieses Projektes ist aber ziemlich unsicher, da Bulgarien Umweltrisiken, verbunden mit der Abladung im Meer, fürchtet. Relativ langsam geht auch das EU-Projekt Nabucco voran, das Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa bringen soll.

Während des Schwarzmeerwirtschaftsforums in Sotschi im vergangenen Monat wurde der nächste Schritt zur Realisierung des Projektes South Stream gemacht. Am 16. September wurde das langerwartete Abkommen über den Bau der Gaspipeline unterzeichnet. Sie soll am Boden des Schwarzen Meeres beginnen und zwei Abzweigungen haben – die erste geht über Bulgarien und Griechenland nach Italien und die zweite – über Bulgarien und Serbien nach Ungarn und Österreich. Das Volumen der Rohrleitung ist 63 Milliarden Kubikmeter Gas. Aktionäre sind das russische Unternehmen Gazprom, beteiligt mit 50 Prozent, der italienische Konzern ENI mit 20 Prozent, Electricite de France und Wintershall aus Deutschland mit jeweils 15 Prozent. Der Bau soll etwa 24 Milliarden Euro kosten und muss bis 2015 beendet sein.

Die Lieferung von russischen Erdöl und Gas nach Europa, sowie die Diversifizierung der Versorgung durch Anspeisung aus dem Nahen Osten und Asien ist von strategischer Bedeutung sowohl für die Lieferanten, als auch für die Endverbraucher. Es gibt viele Interessen, die in diesem Projekt vertreten sind. "Momentan ist eine Eskalation der regionalen Ambitionen zu beobachten, wobei dies am stärksten in der Türkei zu sehen ist", kommentierte Nina Djulgerowa, Professorin für internationale Beziehungen. Ihrer Meinung nach hat Bulgarien als eine Art Puffer beim Transport der Energiequellen nach Europa folgende Interessen:

"Verstärkte Zusammenarbeit mit den Ländern der Schwarzmeerregion, vor allem mit Russland und der Türkei, aber auch mit den Nachfolgestaaten der Sowjetunion", sagte sie. "Wenn wir auf Emotionen und politische Vorlieben aus der Vergangenheit setzten, werden wir zu Marionetten in einem fremden Spiel und werden nicht im Sinne der nationalen Interessen handeln".

Das Bild der Machenschaften und Interessenkonflikte in der Region in Bezug auf den künftigen Energievorhaben ist ziemlich kompliziert. Für Bulgarien steht Einiges aufs Spiel als EU-Tor für die Gas- und Eröltransporte. Deswegen muss unsere Politik in der Region äußerst flexibel und pragmatisch sein, behauptet Professor Djulgerowa weiter:

"Wir müssen an allen Energievorhaben in der Region beteiligt sein", sagt sie. "Egal, ob sie russisch-europäisch oder russisch-amerikanisch sind. Weil bei der Realisierung jedes einzelnen Projektes die Rolle Bulgariens stark von der sich dynamisch entwickelten Lage in der Schwarzmeerregion abhängig ist. Momentan brauchen wir diplomatische Mobilität und strategische Widersetzung der russischen und der US-Position bezüglich ihrer Schwarzmeerpolitik und das natürlich im Sinne der nationalen Interessen des Landes", so die Expertin abschließend.

Übersetzung: Milkana Dehler
По публикацията работи: Milka Dimitrowa


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