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Archivbeitrag

Die heiligen Brüder Kyrill und Method – Schutzheiligen Europas

| aktualisiert am 24.05.20 um 00:11
Foto: www.pravoslavieto.com
Am 11. Mai ehrt die Orthodoxe Kirche nach neuem Kirchenkalender die heiligen Brüder Kyrill und Method. Ihr Eherntag fällt nach dem Julianischen Kalender auf den 24. Mai und wird in Bulgarien bis heute an diesem Tag begangen und zwar als Tag des slawischen Schrifttums und der bulgarischen Kultur. An beiden Tagen erklingen jedoch in den Kirchen die ihnen geweihten Gesänge.

Die heiligen Brüder Kyrill und Method, Graphik aus dem 19. JahrhundertDie Namen von Kyrill und Method sind mit der Christianisierung der slawischen Stämme aufs engste verbunden. Geboren Anfang des 9. Jahrhunderts in Thessaloniki, einer Grenzstadt zwischen dem damaligen bulgarischen Reich und Byzanz, wurden sie zu Missionaren des Christentums. Für ihre Missionen übersetzen sie die Bibel und verschiedene liturgische Texte in der in ihrer Heimatstadt gesprochenen slawischen Sprache, die wir heute als Altbulgarisch bezeichnen. Kyrill schuf eigens auch ein spezielles Alphabet – das Glagolitische, dessen Buchstaben genau den Lauten der altbulgarischen Sprache angepasst waren. Damit wurde der Grundstein nicht nur der bulgarischen, sondern auch der slawischen Schriftsprache allgemein gelegt. Kyrill und Method schufen überdies auch originelle Werke, die die christliche Kultur bereicherten.

Kyrill und Method setzen sich in Rom vor dem Papst Hadrian II. erfolgreich für die slawische Liturgie ein und so wurde neben dem Griechischen und Lateinischen das Altbulgarische zur dritten Kirchensprache in Europa. Nach dem Tod von Kyrill und Method fruchtete ihr Werk insbesondere in Bulgarien, das zum Christentum übergegangen war. Hier fanden ihre Schüler Kliment, Naum, Sawa, Gorasd und Angelarij eine herzliche Aufnahme und wurden zu Gründern von etlichen Schriftschulen im ganzen damaligen bulgarischen Reich. Naum wirkte in der Hauptstadt Preslaw, Kliment im geistigen und religiösen Zentrum Ochrid, während Gorast in der heutigen albanischen Stadt Berat lehrte.

Glagolitische Buchstaben, Maler Pawlin PetrowEs entstanden Lebensbeschreibungen Heiliger, Predigten, Lobreden, religiöse und weltliche Huldigungslyrik, theologische und philosophische Abhandlungen, Grundsätze der Poesie, naturphilosophische Darlegungen, Kampfschriften, Ansätze der Geschichtsschreibung, Umweltdarstellungen, Chroniken, Erzählungen außerreligiöser Ereignisse und vieles andere mehr – es gab überhaupt keine literarische Gattung des Mittelmeerraums, die nicht im bulgarischen Schrifttum ihre zweite Heimatstatt gefunden hätte. Im Laufe der Jahrhunderte fanden diese literarischen Leistungen von Bulgarien aus eine Verbreitung in den anderen slawischen Ländern, wie Serbien und Russland, aber auch in der Walachei und Moldawien. Damit wurde auch das Angedenken an die Slawenapostel Kyrill und Method verbreitet. 
Ikone der Sieben Heiligen (Kyrill, Method und ihre fünf Schüler), Maler G. Scheljaskow, 1934.Das Fest der heiligen Brüder Kyrill und Method im Mai ist seit dem 12. Jahrhundert bezeugt, konnte jedoch in den wirren Jahrhunderten der türkischen Fremdherrschaft in Bulgarien nicht gebührend begangen werden. Erst mit dem Erstarken des Nationalgeistes währen der bulgarischen Wiedergeburt im 18. und 19. Jahrhundert, erlangte der 24. Mai gesamtnationale Bedeutung. Man verband die Brüder Kyrill und Method sogar mit dem Wunsch nach nationale und geistige Freiheit.

Das slawische Schrifttum, dessen Grundstein die heiligen Brüder Kyrill und Method gelegt haben, hat nicht einzig die Entwicklung der slawischen Länder maßgeblich beeinflusst. Ihre Bedeutung wurde auch von der katholischen Kirche gewürdigt, indem sie 1980 von Papst Johannes Paul II. neben dem heiligen Benedikt zu Schutzheiligen Europas erklärt wurden.
Für uns Bulgaren sind aber die heiligen Brüder mehr als Heilige, die man um Schutz anfleht – sie sind die Begründer unserer Schriftkultur – ein Meilenstein in unserer geistigen Entwicklung und haben auf diese Weise entscheidend für das Überleben unseres Volkes in schwierigen Momenten beigetragen.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow
Foto: Weneta Pawlowa

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