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Obradowtzi-Kloster "Hl. Großmärtyrer Mina"

Foto: svetimesta.com
Eines der bekanntesten Klöster in der Umgebung der bulgarischen Hauptstadt, das Kloster „Heiliger Großmärtyrer Mina“ liegt im früheren Dorf Obradowtzi, dem heutigen Sofioter Stadtteil Benkowski, inmitten herrlicher Wiesen am Wladaja-Fluss. Das ganze Jahr über strömen Besucherscharen hierher, um Gottes Segen zu erbitten.

Einer örtlichen Überlieferung zufolge gab es hier im 6. Jahrhundert eine große Kirchenanlage mit 40 Kapellen, zahlreichen Klostergebäuden und einer Theologieschule. Zudem war der Anlage ein Kloster der Mönchsrepublik Athos angeschlossen, in dem die Pilger auf ihrem Weg nach Athos rasteten. Jahrhunderte später erfährt das Kloster durch die Prophetin Bona Welinowa seine „Auferstehung“. Bona Welinowa hatte die Fähigkeit, im Schlaf Orte zu sehen, an denen sich vormals Gotteshäuser und Klöster erhoben. Eines Nachts erschien ihr Gott und zeigte ihr den Ort, an dem einst ein altes Kloster stand. In einem zweiten Fingerzeig Gottes geht der Ort in Flammen auf. Am Morgen darauf sehen die Einheimischen das verbrannte Gras, in dem sich die Konturen eines Klosters abzeichnen.

Anderen Überlieferungen zufolge sollen die Dorfbewohner von Obradowtzi zu Kreuzerhöhung am 14. September 1927 auf der Weide, am Standort des heutigen Klosters, die Überreste alter Mauern entdeckt haben. Auf Anweisung von Baba Bona begannen sie zu graben und stießen dabei auf das Fundament einer alten Kirche, Teile eines Kreuzes und eines Weihrauchfasses. Neben dem Altar entdeckten sie einen kleinen Steinbrunnen, aus dem „heiliges Heilwasser“ sprudelte. Im gleichen Jahr fanden sich am Ehrentag des heiligen Mina Hunderte Gläubige hier ein und begannen mit der Spendensammlung für den Bau eines Klosters. Auf dem Fundament der mittelalterlichen Kirche errichteten sie eine Holzkapelle, die bis 1942 existierte. Der kleine Klosterbau für Pilger neben der Kapelle überlebte bis 1969.

1942 beschloss der Kirchenvorstand von Obradowtzi den Bau eines neuen Gotteshauses. Und so legte man das Fundament der heutigen Kirche, die am 21. Oktober 1945 eingeweiht wurde. Zwölf Jahre später folgt eine neue Kapelle. Diese wird den heiligen Cosmas, auf Bulgarisch „Kuzma“, und Damjan geweiht, da eine der einstigen Kapellen an diesem Standort bereits ihren Namen getragen haben soll. Die in den Altarraum integrierte Heilquelle wird mit Steinen eingefasst und mit einer Pumpe versehen. Auf Anraten der Klosterinsassen sollte man hier unbedingt seine Augen waschen, vom Quellwasser trinken und heilkräftiges Wasser mit nach Hause nehmen, um damit die heimischen vier Wände zu besprengen, was Gesundheit und Wohlstand verheißt.

Eine weitere Kapelle wurde 1970 zu Ehren der heiligen Apostel Peter und Paul errichtet. Seit einigen Jahren wird an zwei weiteren Kapellen gebaut. Das besagte Ziel der Gläubigen und Pilger ist die Rekonstruktion der gesamten Klosteranlage aus dem 6. Jahrhundert mit all ihren 40 Kapellen.

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Der Klostereingang von außen

Bis 2004 war das Kloster von Nonnen bewohnt. Vor einigen Jahren verstarb jedoch die 90-jährige Klostervorsteherin Zlatka. Noch heute glauben die Menschen an ihre heilenden und hellseherischen Kräfte. Bulgaren aus allen Teilen der Welt riefen die Äbtissin an, um sie um das Anzünden einer Kerze und ein Gebet um Gesundheit und Wohlleben zu bitten. Seine große Beliebtheit verdankt das Kloster der wundertätigen Ikone des heiligen Mina in der Kirchenvorhalle. Gläubige erzählen von ihrer heilenden Kraft. Wenn man starken Glaubens sei, könne man sich hier von schweren Krankheiten und Not befreien.

Bereits der Bau des Klosters zieht zahlreiche Menschen an, die hierher kommen, um vom heiligen Mina Gesundheit, Hilfe und Segen zu erbitten. Bis heute gilt das Kloster als heilträchtiger Ort für Körper und Seele. In einem Klosterbuch sind alle verbuchten Wunder eingetragen. In letzter Zeit kommen viele junge Menschen hierher, die Halt in Gott suchen und mehr über den Heiligen erfahren wollen. Tausende Menschen haben den Heiligen Mina bereits mit der Bitte um Nachwuchs ersucht und Gaben wie gebratenes Huhn, Wurst, Kuchen, Banitza und kleine Rundbrote vor die Ikone gelegt, die danach unter dem Klosterpersonal verteilt werden.


© Foto: svetimesta.com

An großen Kirchenfeiertagen füllt sich der Klosterhof mit Gästen und Gläubigen. Ein neues zweistöckiges Klostergebäude mit Küche und Speiseraum bietet für weitgereiste Gäste einen Schlafplatz. Seit kurzem gibt es zudem eine neue Klosterküche und ein neues Taufhaus. Den gepflegten Klosterhof zieren blumenübersäte Grünflächen, kleine Brunnen, Tische, Stühle und eine Feuerstelle, wo die Speisen für die rituelle Bewirtung zubereitet werden. Abgerundet wird die Idylle durch einen Holzpavillon und einen kleinen See. Ein von Birken gesäumter Pfad führt in den zweiten Klosterhof, der von den Klosterbauten, der Kirche und den Kapellen umgeben ist.

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Die wundertätige Ikone des heiligen Mina

Seinen Festtag begeht das Obradowtzi-Kloster am 11. November. An diesem Tag ehrt die orthodoxe Kirche den heiligen Großmärtyrer Mina. In der Nacht zum Festtag, in der die Klostertore allen offen stehen, wird hier eine Nachtwache für das seelische und körperliche Heil der Menschen abgehalten. Am Morgen findet die heilige Messe statt. Dann platzt der Klosterhof aus allen Nähten. Feierlich begangen werden zudem die Gedenktage der Heiligen, nach denen die Kapellen benannt sind, besonders der 1. November, der Gedenktag der heiligen Cosmas und Damian. Ebenfalls bedacht werden die Gedenktage des heiligen Iwan Rilski sowie des heiligen Nikolaus des Wundertäters. Vor der übermannshohen wundertätigen Ikone des heiligen Mina gibt es stets eine lange Warteschlange. Das Kloster, ein Anziehungspunkt für Jung und Alt, ist ganzjährig geöffnet.

Übersetzung: Christine Christov

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