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Marin Goleminow: „Meine Vorgänger haben die Schönheit in meiner Seele hineingebracht“

Als „Klassiker der bulgarischen Musik“ können nur wenige Vertreter unserer Musikgeschichte bezeichnet werden. Nicht jeder konnte durch seine Werke die Grundlage neuer Tendenzen und Richtungen schaffen und Generationen dafür begeistern. Professor Marin Goleminow gehört zweifelsohne dazu.

Marin Goleminow wurde vor 105 Jahren in der südwestbulgarischen Stadt Kjustendil in der Familie eines angesehenen Juristen geboren. Sein Vater war auch derjenige, der ihn auch auf die Musik brachte. Sie haben auch oft Hauskonzerte gegeben. Später war Goleminow Mitglied des Orchesters der Sofioter Oper, wo er während seines Studiums Viola gespielt hat. Dann ist er eine Zeit lang auch Teil des berühmten Quartetts „Awramow“ gewesen. Er hat bei bedeutenden Komponisten und Musikern wie Dorbri Hristow und Nikola Atanasow studiert, in den 1930ern setzte er dann seine Ausbildung in Paris fort. Dort schrieb er auch sein erstes Werk für Streichquartett.

Nach seiner Rückkehr in die Heimat hat Marin Goleminow Musik unterrichtet. Seit 1934 war er auch Mitglied der Gesellschaft für moderne Musik, die später im Verband der bulgarischen Komponisten umgewandelt wurde. Kurz vor dem Krieg ging er nach Deutschland, wo er an dem Ballett „Nestinarka“ – seinem ersten herausragenden Bühnenwerk, zu arbeiten begonnen hat. Das Interesse des Publikums bei der Uraufführung 1942 war enorm, die Kritiker – begeistert. Bis heute ist es eines der beliebtesten Werke, die immer wieder von den Choreographen inszeniert werden.

Das Werk, das von der gleichnamigen Erzählung von Konstantin Petkanow inspiriert wurde, faszinierte den jungen Komponisten durch das geheimnisvolle Ritual des Tanzes auf glühenden Kohlen und brachte ihn zu seinen Ursprüngen – in das Strandscha-Gebirge im Südosten Bulgariens. Seine Eindrücke aus dieser und aus anderen Reisen durch das Land hat Marin Goleminow in einigen Büchern zusammengefasst. Bevor er 30 Jahre alt wurde, veröffentlichte er auch eine fundierte Studie der bulgarischen Tonarten.

„Was ich tue, ist tief in die Erde graben, um die ferne Stimme meiner Vorfahren zu hören. Ich sammle Stoff, um ein Denkmal meiner Vorfahren zu setzten, die so viel Schönheit in meiner Seele hineingebracht haben. Ich will dass diese Saat Früchte trägt. Ich arbeite für die Menschen, weil sie Aufmerksamkeit, Wärme und Aufrichtigkeit verdienen“. So bezeichnete mal Professor Goleminow seinen künstlerischen Ansatz.

„Ich will hoffen, dass meine Lebensreife einen Ausdruck in meinen Werken gefunden hat“, sagte Goleminow in einem Interview 1975, kurz vor seiner Auszeichnung mit dem Herder-Preis der Wiener Universität. „Ich will alle Mittel vernünftig einsetzten, denn die Kunst ist auch ein Ausdruck unseres Alltags. Ich versuche alle künstlerischen Stilmittel einzusetzen. Ich habe von allen großen Komponisten aller Zeiten gelernt, aber auch von den Vertretern der Moderne und zwar sowohl bei uns, als auch im Ausland. Ich bin mir sicher, dass einige avantgardistische Elemente, Teil der Musik der Gegenwart sein werden. Ich habe in meiner Kunst immer versucht, die Vielfalt des Lebens zu reflektieren.“

Marin Goleminow verließ uns im Jahre 2000 im Alter von 91 Jahren. Er hinterließ uns ein unglaublich reiches Erbe. Seine ersten Werke stammen aus den 1920er Jahren, sein letztes wurde 1996 geschrieben. Er schrieb vier Opern, zwei Tanzdramen, vier Symphonien, viele Instrumental- und Chorwerke, sowie Solo- und Kammerkompositionen. Generationen von Musikern halten ihn auch heute noch in ihren Erringrungen als einen der beliebtesten Musikpädagogen des Landes. Eine Zeitlang war er Dekan der Musikakademie in Sofia. Viele bekannte Namen der bulgarischen Musikszene gehören zu seinen Schülern.

Übersetzung: Milkana Dehler

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