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"Residenz Großmutter" oder was junge Leute für bulgarische Dörfer tun können

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Während der Initiative "Residenz Großmutter" lebten 18 Jugendliche für etwas mehr als einen Monat in vier Dörfern in den Rhodopen oberhalb der Stadt Luki – Dschurkowo, Drjanowo, Jugowo und Manastir – dem höchstgelegenen Dorf nicht nur in Bulgarien, sondern auch auf dem Balkan. Das Ziel war, Ideen zu entwickeln, die diesen Dörfern auf lange Sicht helfen sollen, ihre Probleme zu lösen. Diese Ideen sollen Mitte November beim Forum für sozialen Wandel in Osteuropa durch Mitgefühl - "Empatheast" - bekannt gegeben werden. Zuvor werden die jungen Leute aber mit Mentoren arbeiten und Unterstützung vom Netz der "Ideenfabrik" – von Menschen mit Erfahrung in verschiedenen Bereichen erhalten, damit die Idee spätestens im nächsten Frühjahr verwirklicht werden kann.

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Die Projektmanagerin Janina Tanewa sagte, dass die Teilnehmer die Dörfer mit einer Menge von Reflexion verlassen haben:

"Eines der Mädchen, die in Dschhurkowo lebten, sagte, dass ihrer Meinung nach das Wichtigste, was sie gelernt haben, ist, dass ein so langes Zusammenleben mit älteren Leuten einen erkennen lassen, wie es ist, wenn der Tod nicht fern ist, welchen Wert des Lebens hat und wie die Haltung dieser Menschen dazu ist. Und dass diese Haltung oft viel lebensfroher ist als unsere jugendlichen Vorstellungen, obwohl sie dem Tod näher sind", sagte Janina Tanewa. "Ich denke, dass das das Wertvollste ist, was man finden kann. Das ist der Sinn des Lebens angesichts des Alters. Das andere, was ich von unseren Residenten gehört habe, ist, dass sie verstanden haben, wie wichtig es ist, ihren eigenen Großmüttern mehr Aufmerksamkeit zu schenken und zu versuchen, etwas von ihnen zu lernen. Wir haben begriffen, dass die Verbindung zwischen den Generationen durchaus möglich ist, soweit beiden Seiten das möchten und als Notwendigkeit auffassen. Die älteren Menschen in einem der Dörfer haben extra Wörter und Ausdrücke gelernt, die die jungen Leute benutzen und ihnen dafür Wörter beigebracht, die in den Rhodopen verwendet werden. Das war ein für alle nützlicher Austausch", so die Projektleiterin.

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In jedem der vier Dörfer haben die jungen Leute die verschiedensten Sachen gemacht:

"In Dschurkowo haben die Teilnehmer geholfen, den großen alten Gemeinschafts-Ofen im Dorf instand zu setzen und buken dort mehr als 600 Brote, die dann an die Menschen zu Mariä Himmelfahrt verteilt wurden", erzählte Janina Tanewa weiter. "Es wurde auch der alte Sauerteig im Dorf "wiedererweckt", der seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet wurde. In Manastir haben unsere Leute die Umsiedlung der Vorfahren der Dorfbewohner aus Dawidkowo nachgestellt, das sich in den noch nicht befreiten bulgarischen Gebieten befand. Dabei wurden die Hufe der Pferde in Lumpen gehüllt, damit sie leiser auftreten und beim Passieren der damaligen Grenze nicht zu hören waren. Sie spendeten auch der Kapelle im Dorf eine Glocke, da die alte vor drei Jahren gestohlen wurde. In Drjanowo haben wir außerdem einen Wanderweg oberhalb des Dorfes markiert, von dem aus man einen wundervollen Ausblick hat und den jetzt jeder Bergwanderer bewundern kann, der durch die Rhodopen streift. Außerdem haben unsere Leute zusammen mit der einheimischen Gesangsgruppe in Drjanowo ein Dorffest organisiert und die Jugendlichen lernten dabei, typische Spezialitäten aus den Rhodopen zu kochen. Wir haben zum Beispiel gelernt, was "Oschmar" ist – eine Art Brei, ähnlich wie Polenta aber wesentlich dünner, und nicht mit aus Mais- sondern mit Weizenmehl und Käse – sehr, sehr lecker, auch "Tikalnik", ein Rhodopen-Gericht mit Kartoffeln oder Reis, Eiern und Käse – und in diesem Fall auch mit Brennnesseln, das so heißt, weil es auf einer "Tikla" - einer besonderen erhitzten Steinplatte zubereitet wurde – und andere erstaunliche Dinge."

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Die jungen Leute lernten außerdem noch wie man webt, wie man traditionellen Schmuck mit blauen Glasperlen macht, wie man Gras mäht, verlorene Schafe sucht, Himbeermarmelade und Tannenhonig zubereitet. Und sie halfen auch den älteren Menschen im Haushalt. Außerdem restaurierten sie die alte Steinbrücke bei Jugowo, die noch aus der Römerzeit stammt.

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Was wird für das Projekt "Residenz Großmutter" noch gebraucht?

"Wir haben noch eine Idee, eine CD mit Liedern der Musikgruppe beim Kulturhaus in Drjanowo aufzunehmen, die einzigartige Rhodopen-Folklore bewahrt hat", sagt die Projektleiterin Janina Tanewa. "Wir möchten auch alle aufrufen zu helfen, damit die Frauen der Gruppe auch durch das Land reisen können, weil sie jetzt keine solche Möglichkeit haben. Sie waren zum Beispiel eingeladen, beim Festival der bulgarischen Folklore in Kopriwschtitza aufzutreten, hatten aber keine Möglichkeit dorthin zu fahren. Das ist eines der wenigen Dinge, für die Geld gebraucht wird, aber es werden auch noch viele Freiwillige benötigt werden. Man wird Leute für die Kartoffelernte brauchen, für die Ernte von Paprika und für ihre Verarbeitung und für viele andere kürzere Einsätze – für jeweils nur ein Wochenende. Im Winter werden die Dörfer auch Hilfe brauchen, weil sie hoch im Gebirge liegen und im vergangenen Winter wegen der starken Schneefälle fünf Tage lang ohne Strom blieben. Wir würden gerne eine Spendenaktion organisieren und mit der Hilfe aller Freunde des Projektes Geld sammeln, um für jedes der Dörfer Akkumulatoren zu kaufen, weil das alte Leute sind, für die fünf Tage ganz ohne Strom wirklich tödlich sein können. Im kommenden Jahr müssen wir mehr Dörfer finden weil in diesem Jahr die Freiwilligen wesentlich mehr waren als die Dörfer, die wir zu Beginn vorgesehen hatten. In der nächsten Ausgabe werden wir also den Umfang des Projekts erweitern", so Janina Tanewa abschließend.

Übersetzung: Petar Georgiew

Fotos: bereitgestellt von der Initiative "Residenz Großmutter"

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