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Bulgarische Studenten bringen Bakterien zum „Sprechen“

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Fotocollage: Silvia Petrowa

Ewgenia Michajlowa und Natali Atanassowa gehören dem bulgarischen Team an, das sich zum ersten Mal am internationalen Wettbewerb für Studierende auf den Gebieten der synthetischen Biologie und der Gentechnik iGEM beteiligen will, der Ende Oktober in Boston, USA, ausgetragen werden wird. Das bulgarische Team besteht aus 15 Studenten und bereitet sich in einem Speziallabor in Sofia vor. Sie haben vor, Bakterien zum „Sprechen“ zu bringen.

Die eine Hälfte des Teams, bestehend aus Software-Ingenieuren, stammt von der Technischen Universität in Sofia, und der zweiten Hälfte gehören Biologen an. Dieses gemischte Team sei eine Garantie für mehr Ideen und Sichtweisen, ist Ewgenia Michajlowa überzeugt. Und so ist das bulgarische Projekt sowohl in der Biologie, als auch in der Technik angesiedelt. Ewgenia konkretisiert:

СнимкаEs nennt sich „Sprechendes Bakterium“. Man stelle sich einen Bioreaktor mit darin lebenden Bakterienzellen vor und dass man die technischen Kenndaten messen, wie auch ermitteln muss, was diese Zellen benötigen“, erzählt die Studentin. „Wir haben uns eine Methode einfallen lassen, die Bakterien zum „Sprechen“ zu bringen, indem ein Lichtsignal ausgesendet wird, dessen Charakteristiken gemessen werden können. Das Projekt wird auch ein Anwendungsbeispiel enthalten. Wir haben ferner ein System entwickelt, wie die Bakterien von der Distanz ernährt werden können. Alles ist sehr einfach aufgebaut und kann in der Industrie einen breiten Einsatz finden – also nicht nur in den Labors, sondern auch in der Produktion, der Pharmazeutik und anderswo. Auf dem iGEM-Wettbewerb werden wir ein Modell vorstellen, das künftig ausbaufähig ist. Es könnte daraus eine neue Generation von Messsystemen entwickelt werden, die einen „Kontakt“ zwischen Mensch und Bakterien ermöglichen wird.

Das Projekt, mit dem sich die bulgarischen Teilnehmer vorstellen werden, kostet so einiges, wobei die Finanzierung in den Händen der Teilnehmer selbst liegt. Das habe sich als eine große Hürde erweisen, sagte uns Natali Atanassowa und weiter:

СнимкаDie Einschreibung zur Teilnahme selbst kostete 5.000 Dollar“, erzählt sie. „Dafür erhielten wir einen Container mit biologischem Material, mit dem wir arbeiten sollen. Mit sehr viel Mühe haben wir die nötige Summe zusammenbekommen und wir sind den Leuten sehr dankbar, die uns geholfen haben. Derzeit mangelt es uns an biologischem Verbrauchsmaterial, Reagenzien, Enzymen und verschiedenen anderen Dingen, damit wir unsere Arbeit vorantreiben können. Einen Teil davon haben wir selbst gekauft, den Großteil können wir jedoch nicht anschaffen. Laut unserem Haushaltsplan benötigen wir noch 20.000 Dollar.

In fast jedem Teilnehmerland wird das jeweilige iGEM-Team von den Universitäten organisiert. Sie finanzieren auch die Beteiligung, wobei die Hochschullehrer als Betreuer fungieren – sie bestimmen das Projekt und das Thema. Das kann in Bulgarien jedoch aus rein finanziellen Gründen nicht geschehen, ist Ewgenia überzeugt.

Das schüchtert uns keineswegs ein. Im Gegenteil! Es spornt uns sogar an, den anderen Teilnehmern zu zeigen, dass man auch ohne gesicherte Finanzierung etwas auf die Beine stellen kann“, sagt die Studentin. „Wir wollen so auch unseren Kommilitonen Hoffnung einflößen, dass man dennoch in Bulgarien Wissenschaft machen kann. Als es nur eine Woche vor dem Enddatum zur Wettbewerbseinschreibung verblieb, waren auch wir recht entmutigt. Als wir jedoch sahen, dass in der Zwischenzeit die nötigen Mittel auf das Konto überwiesen worden waren, haben wir uns riesig gefreut. Schnell haben wir uns gefasst und wollen nun allen zeigen, was wir können.

СнимкаDer Webseite des Teams kann man die Nummer des Kontos für eine finanzielle Hilfe entnehmen. Leiter des Teams ist Dr. Boris Kirow, der an der Technischen Universität Sofia unterrichtet. Es hat Biotechnologie an der biologischen Fakultät der Sofioter Universität studiert und in Frankreich promoviert. 2012 hat er dort ein Team für eine Teilnahme am iGEM-Wettbewerb vorbereitet, das dann mehrere Medaillen gewonnen hat. Nunmehr tut er das auch in seiner Heimat Bulgarien.

Das bulgarische iGEM-Team möchte beweisen, dass sich die jungen Bulgaren trotz widriger Bedingungen und Problemen in ihrer Heimat verwirklichen können. Ewgenia appelliert:

Die Zeit der Ausflüchte und Beschuldigungen ist vorbei! Die jungen Menschen müssen handeln. Man darf nicht die Probleme in den Vordergrund schieben, sondern sie entsprechend anpacken und nach Lösungen zur ihrer Bewältigung suchen. Die Flucht ist keine Lösung!

Übersetzung: Wladimir Wladimirow


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