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Wofür sparen die Bulgaren?

Foto: Archiv

Sparsamkeit gehört zu den Grundtugenden der Bulgaren. Diese Tatsache weisen unterschiedliche Studien nach. Die jüngste Erhebung der Onlineplattform „Mein Geld“ hat die Sparmotive unserer Landsleute genauer unter die Lupe genommen.

Durchgeführt wurde sie von der Finanzanalystin Dessislawa Nikolowa von der Onlineplattform „Mein Geld“ und ihr Fazit lautet:

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Meinungsumfrage lautet: Die Bulgaren sparen vornehmlich, um die niedrigen Einkommen im Rentenalter etwas ausgleichen zu können“, kommentiert Dessislawa Nikolowa, Finanzanalystin von der Onlineplattform „Mein Geld“. „An zweiter Stelle folgt das Sparen für eine Renovierung, um ein eigenes Business zu starten usw. Der dritte Grund, ein Sparkonto anzulegen, ist die erste Rate für den Kauf einer eigenen Wohnung. Außerdem sehen die Menschen die Spareinlagen als eine gute Lösung an, um stets liquid und flexibel zu sein. Sie möchten jederzeit über ihr Geld verfügen und die Möglichkeit haben, bei Bedarf bestimmte Beträge abzuheben oder einzuzahlen. Über 70 Prozent der Befragten ziehen es vor, ihre Ersparnisse in Lewa anzulegen. Die Spareinlagen in Euro machen knapp ein Viertel aller Sparkonten aus“, informiert Dessislawa Nikolowa.

Um ihr Sparziel zu erreichen, ziehen die meisten Spareinlagen mit einjähriger Kündigungsfrist vor. Ende April 2019 beliefen sich die Sparguthaben der Haushalte und Nichthandelsunternehmen in Bulgarien auf fast 53 Milliarden Lewa (ca. 27 Milliarden Euro), was 45,6 Prozent des BIP ausmacht. Im Vergleich zum April 2018 haben sie ein Plus von 9 Prozent verzeichnet. Ein weiterer Trend ist, dass die Zahl der Sparbeträge bis zu 1.000 Lewa (ca. 511 Euro) gesunken ist, während die Ersparnisse zwischen 20.000 Lewa (10.225 Euro) und 200.000 Lewa (102.258 Euro) um 12 bis 16 Prozent angestiegen sind. Ein Wachstum von über 20 Prozent wurde bei Spareinlagen im Wert von über 200.000 Lewa (ca. 102.040 Euro) registriert.

Der Hauptgrund für die Beliebtheit der Sparkonten ist deren Sicherheit, da Einlagen bis zu 196.000 Lewa (100.213 Euro) von der Bank garantiert werden. Ist das aber der einzige Faktor, warum ein Bankkonto zu den beliebtesten Sparvarianten in Bulgarien zählt?

Die Kunden werden misstrauisch, wenn die Rede auf alternative Anlageformen kommt. 10 Prozent der Befragten ziehen eine Spareinlage vor, denn sie haben keine ausreichenden Kenntnisse über die alternativen Formen von Sparen und Investieren. Das fehlende Finanzwissen und das Misstrauen alternativen Sparformen gegenüber – das sind die zwei Faktoren, die zur übermäßigen Konzentration des Geldes in den Banken führen. Der Mangel an Vertrauen rührt von den Aufsichtsbehörden, belegen andere Erhebungen, die wir gemacht haben. Als Beispiel möchte ich die Investitionsvermittler nennen. Mit ihrer Hilfe werden Investitionen an der Fondsbörse getätigt, weil Privatpersonen nicht befugt sind, selbständig an die Börse zu gehen und Börsengeschäfte zu betreiben. Es gibt sehr viele Fake-Investitionsvermittler, die die Leute anrufen und ihnen große Profite in Aussicht stellen – beispielsweise in Höhe von 10 Prozent monatlich. Leichtgläubige vertrauen ihnen ihr Geld an und verlieren es zu 100 Prozent. Hier haben wir es wieder mit fehlendem Finanzwissen zu tun und mit dem Unvermögen, einen falschen von einem lizenzierten Investitionsvermittler zu unterscheiden.  Deshalb hat die Bulgarische Fondsbörse derzeit eine Kampagne gestartet, die unter dem Motto läuft „Wie erkennt man einen falschen Investitionsvermittler“, erklärt Dessislawa Nikolowa.

Ausschlaggebend bei der Wahl der Bank und der Spareinlage sind die Flexibilität des Finanzprodukts und die Zinsen, geht aus der Meinungsumfrage hervor.

Das Profil des Sparkontoinhabers sieht folgendermaßen aus: Das ist in der Regel ein verheirateter 41- bis 45jähriger Mann mit Magisterabschluss, der zwischen 1.000 und 3.000 Lewa (1.533 Euro) pro Monat verdient. Beim Anlegen von Sparkonten werden Offerten bevorzugt, die einen hohen Zinssatz versprechen, obwohl sich derzeit die Zinsen der einzelnen Banken wegen der großen Konkurrenz nicht sonderlich voneinander unterscheiden. Sie sind durchweg sehr niedrig. Das ist überraschend für mich, wegen dem Kasus mit der KTB (Die Kooperative Handelsbank ist im November 2014 Pleite gegangen, weil sie vorher sehr hohe Sparzinsen angeboten hatte; Anm.d.Red.). In den darauffolgenden Jahren haben die Kunden begonnen, Fragen nicht nur über die Höhe der Zinsen zu stellen, sondern auch über den Ruf und die Stabilität der jeweiligen Bank. Die Bankzinsen werden eines Tages wieder steigen und ich bin der Meinung, dass die Kunden immer öfter solche Fragen stellen werden“, sagte abschließend Dessislawa Nikolowa.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

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