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Casey Angelova gibt ihre Fernsehkarriere in New York auf, um in Bulgarien Trüffel anzubauen

Foto: Facebook /Casey Angelova

Ist es sinnvoll, die dynamische und alles einverleibende Welt des Fernsehens gegen das einfache und idyllische naturnahe Leben auszutauschen? Antwort auf diese Frage suchte Casey Angelova aus New York, als sie vor fünfzehn Jahren ihr damaliges Leben und eine sehr entfernte und vage Chance auf die Waage stellte und ihr Herz entscheiden ließ. Heute lebt sie im bulgarischen Dorf Gueschewo und ihre Träume messen sich an den Höhenzügen am endlosen Horizont.

Während ihrer Arbeit als TV-Produzentin bei Discovery und VH1, die ihre gesamte eigentlich für die Familie bestimmte Zeit in Anspruch nahm, näherte sich Casey dem Abenteuer ihres Lebens - sich in der Heimat ihres bulgarischen Mannes niederzulassen und zu erleben, was dabei herauskommt.

Nachdem es ihr vor Ort gelungen war, die bulgarische Realität kennenzulernen, konnte Casey ihre Autobiografie mit Berufen wie Bäuerin, Köchin, Schriftstellerin, Beraterin für nachhaltiges Gärtnern, Kompostmeisterin und Weinliebhaberin bereichern.

"Wir hatten ein Haus und genug Geld in New York, aber wir hatten kein Leben", erinnert sich Casey Angelova.

„Anfangs hatte ich die Idee, wegen der vielen amerikanischen Filmprojekte im Nationalen Filmzentrum Bojana zu arbeiten“, sagt Casey Angelova über die Anfänge in Bulgarien. „Und tatsächlich bin ich wirklich ein paar Jahre dort geblieben, aber mein Herz war nicht mehr dieser Arbeit zugetan. In Bulgarien fand ich die Nähe zur Natur, zum Essen und zur Landwirtschaft und begann allmählich die Richtung zu wechseln, vom Fernsehen und den Filmen zum Kochen und den angenehmeren Dingen des Lebens.“

Eine der verrückten Ideen, der sich die Familie Angelov gleich zu Anfang annahm, war, auf ihrem Grundstück, 800 Haselnussbäume zu pflanzen, um dort auch Trüffel anzubauen. Und das in einer Region, die für ihre Kirschen bekannt ist. Die Einheimischen blickten mit einer gewissen Skepsis auf diese Entscheidung. Doch vor zwei Jahren wuchsen in der Familienwirtschaft die ersten „schwarzen Diamanten“.

„Alle hier ernten Kirschen, doch Trüffel haben nur wir“, zwinkert Casey Angelova den ehemaligen Skeptikern zu.

Seit fast zehn Jahren teilt sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen in ihrem Blog Eating, Gardening & Living in Bulgaria, ist Gründungsmitglied von Multi Kulti und des Slow Food-Netzwerks in Bulgarien. Ihre beiden Töchter spielen Volleyball für bulgarische Mannschaften, die jüngere für Mariza Plowdiw und die ältere für DKS Warna.

„Ich bin eine Amerikanerin aus New York“, so beantwortet Casey Angelova die Frage, ob sie sich als Bulgarin fühlt. In diesen 15 Jahren hat sie ein oder zwei Mal von Bulgaren die Bemerkung gehört, dass die Ausländer in ihr Land kommen seien. Dass aber ihre Töchter in der Volleyballnationalmannschaft spielen, scheint kein Problem zu sein.

„Ich fühle mich als Teil Bulgariens, obwohl ich keinen bulgarischen Pass habe und hier nicht jeder Amerikaner zu mögen scheint. Aber ich habe Glück. Im Gegensatz zu anderen Ausländern bin ich nicht mit Rassismus konfrontiert. Ich mag die Philosophie von Multi Kulti sehr, weil es egal ist, woher man kommt. Am Ende des Tages sind das Essen, die Kultur und die Musik jener „Klebstoff“, der alle zusammenhält und wir die Menschen aus Syrien, Afghanistan und Irak besser verstehen können. Am Ende des Tages ist es am schmackhaftesten.“

Mit Freunden, beim Essen, mit einem Glas in der Hand, der Aussicht und dem Duft der Natur, so fühlt sich Casey Angelova am besten. Jetzt will sie die Geschmäcker der duftenden Wiesen in Flaschen einfangen.

„Gemeinsam mit meinem Mann wollen wir gute alkoholische Getränke zubereiten, Kirschbrand aus Kjustendil und Kraft-Gin“, sagte sie. „Die Berge Osogowoo und Konjanska sind für ihren Artenreichtum und duftenden Wiesen bekannt. Die dort gesammelten Heilkräuter werden das Geheimnis unseres Gins sein. Wenn wir all die guten Dinge aus der bulgarischen Natur verwenden, wird unser Getränk den einzigartigen Geschmack unserer Region haben.“

Redaktion: Diana Zankowa nach einem Interview von Irina Nedewa, BNR-Horizont

Übersetzung: Georgetta Janewa

Fotos: caseyangelova.com, Facebook /Eating, Gardening & Living in Bulgaria

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