Sendung auf Deutsch
Bulgarischer Nationaler Rundfunk © 2022 Alle Rechte vorbehalten

Unterwassergeheimnisse des Port Baglar

Archäologische Unterwassergrabungen in der „Bucht der Weinberge“

Foto: historymuseum.org

Die Unterwasserexpedition des Nationalen Geschichtsmuseums in der Bucht in der Nähe von Kap „Christus“, südlich der Stadt Sosopol, ging vor wenigen Tagen mit einzigartigen Funden zu Ende, die mehr Licht auf die Geschichte der Schifffahrt und die Hafenanlagen in diesem Teil der bulgarischen Schwarzmeerküste werfen.

Das felsige Kap „Christus“ bildet den südlichsten Teil der Halbinsel Budschaka südöstlich der Stadt Sozopol. Noch weiter südlich befindet sich eine große Bucht, die in Karten des 18. Jahrhunderts als „Portus Baglar“ („Bucht der Weinberge“) eingetragen ist.

In den letzten 40 Jahren wurden in dieser Bucht Hunderte an wertvollen Gegenständen gefunden, die mit der Schifffahrt in der Region in Verbindung stehen (Amphoren, Steinanker, Ankerstöcke). Es wird angenommen, dass sich in der Antike und im Mittelalter auf der relativ großen Halbinsel Budschaka eine Hafenanlage für die in der Antike gegründete Siedlung sowie späteren mittelalterlichen Kirchen und einem Kloster in der Gegend „Kawatzi“ befand.

Die archäologische Unterwasserexpedition unter der Leitung des stellvertretenden Direktors des Nationalen Geschichtsmuseums, Prof. Dr. Iwan Christow, entdeckte in einer Tiefe von 6 bis 10 Meter eine relativ große Anzahl an Bruchstücken von verschiedenen Keramikgefäßen und Amphoren aus mehreren historischen Epochen (6. Jh. v. Chr. – 18. Jh. n. Chr.). Die frühesten Funde sind zwei Steinanker mit zwei Durchbrüchen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass diese Art von Ankern die ältesten sind, die bereits in der Bronzezeit im Mittelmeer und im Schwarzen Meer verwendet wurden. Die entdeckten Steinanker vor der bulgarischen Schwarzmeerküste stammen allgemein aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr.; man verwendete solche Anker jedoch bis Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr.

Bei den Unterwassergrabungen in der Gegend von Port Baglar wurden ferner vier Eisenanker entdeckt, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Es wurden noch weitere wertvolle Funde im Gebiet von Sosopol gemacht, die noch wissenschaftlich ausgewertet werden müssen.

Die bisherigen Funde in diesem Teil der bulgarischen Schwarzmeerküste geben den Wissenschaftlern Anlass zu der Annahme, dass Port Baglar nicht nur als Schutzhafen bei starken Seestürmen diente, sondern auch für Be- und Entladeaktivitäten im Zusammenhang mit der entwickelten Wohn-, Wirtschafts- und religiösen Infrastruktur genutzt worden ist. An zwei Orten standen wahrscheinlich primitive Hafenanlagen, die in späteren Zeiten als Piere bekannt waren. Die erste Anlegestelle befand sich am Fuße eines mittelalterlichen Klosters südlich vom Kap „Christus“. Der zweite Ort, an dem wahrscheinlich auch eine Pier und eine Helling existierten, befand sich am nördlichen Ende des heutigen Strandes „Kawatzite“. Dort gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine eiserne Seebrücke, die ins Meer ragte.

Prof. Dr. Iwan Christow

Die archäologischen Untersuchungen in der Bucht am Kap „Christus“ sollen fortgesetzt werden, informierte das Nationale Geschichtsmuseum.

Zusammengestellt: Weneta Nikolowa

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Nationales Geschichtsmuseum


mehr aus dieser Rubrik…

Die Paneurhthymie von Petar Danow ist eine Philosophie und ein Tanz der Freude

Wer hat die Paneurhthymie als Möglichkeit zur Stärkung der geistigen und physischen Gesundheit eingeführt? Diese Frage hatte Radio Bulgarien gestellt und aus den Antworten wird deutlich, dass unser mehrsprachiges Publikum regelmäßig unsere..

veröffentlicht am 01.12.22 um 07:15

Eine hundert Jahre alte Spitze kommt ins Museum von Pomorie als Erinnerung an den feinen Geschmack der bulgarischen Frau

Aufstieg im Bereich der Naturwissenschaften, langjährige Forschung auf dem Gebiet der analytischen Chemie, Dozentin für organische Chemie an der Südwest-Universität in Blagoewgrad  - das ist nur ein Teil der bemerkenswerten Biografie von Dozent Dr...

veröffentlicht am 27.11.22 um 15:05
Ein großer Teil des Dorfes Asparuchowo wurde durch den Bau des Stausees „Tzonewo“ überflutet. Die Kirche, vorn auf dem Foto, wurde von den Einheimischen Stein für Stein auf eine höhere Stelle versetzt.

Versunkenes Erbe – in Stauseen versenkte Dörfer erzählen

Mitte des 20. Jahrhunderts versanken Dutzende bulgarischer Dörfer für immer im Wasser und ihre Bewohner wurden gewaltsam umgesiedelt. Die kommunistische Regierung begann mit dem Bau von Stauseen, aber auf Kosten vieler Menschenschicksale. In..

veröffentlicht am 26.11.22 um 07:05