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Das Strandscha-Gebirge – ein ganz besonderer Urlaub

Foto: Weneta Nikolowa
Heute entführen wir Sie ins äußerste Südosten Bulgariens, ins wenig bekannte Strandscha-Gebirge. Dieser Teil Bulgariens ist unter anderem auch für seine einzigartige Volksmusik bekannt, wo die Nestinari, die Feuertänzer zu Hause sind.
Das Strandscha-Gebirge, das sich im südöstlichsten Winkel Bulgariens befindet, grenzt im Süden an der Türkei und geht im Osten seicht ins Schwarze Meer. Dieser Teil Bulgariens war bis vor wenigen Jahren nicht nur für die ausländischen Besucher unbekannt – es gehörte zur streng bewachten Grenzzone und deshalb war fast das gesamte Gebiet des Strandscha-Gebirges auch für Bulgaren unzugänglich. Aber genau das macht diese naturbelassene Gegend so reizvoll für den Landtourismus, für die Wanderfreunde und für den geschichts- und Kulturinteressierten Besucher.

Wenn man von Burgas an der südlichen Schwarzmeerküste entlang der Küste weiter südlich fährt, erreicht man nach ca. 70 Kilometer Zarewo, die südlichste Bezirkshauptstadt an der bulgarischen Küste. Von dort aus schlängelt sich Straße durch das Strandscha-Gebirge nach Malko Tarnowo und nach Istanbul. Der Blick ins Meer ist herrlich, aber nicht minder romantisch sieht es auch im Inneren des Gebirges aus – naturbelassene Wälder spenden Schatten und die Wanderung macht selbst an heißen Sommertagen Lust auf neue Ziele.



Strandscha ist der größte Naturpark in Bulgarien – er erstreckt sich auf etwas mehr als 1100 Quadratkilometern und nimmt mehr als 1 Prozent des Landesterritoriums ein. Bereits 1933 erkannten die Botaniker, wie einzigartig und wertvoll die Flora und Fauna im Strandscha-Gebirge ist, und riefen das erste Reservat in Bulgarien aus – Silkosia ist bis heute noch ein Schutzgebiet. Der Naturpark Strandscha ist außerdem das einzige Naturschutzgebiet in Bulgarien, das zu den fünf bedeutendsten Schutzgebieten in Mittel- und Osteuropa gehört. Die Pflanzenarten, die Vögel, die hier nisten, und die Vielfalt der Reptilien sind woanders in Europa nicht zu sehen.

Das Besondere an Strandscha ist, dass die Vergletscherung der Eiszeit diese Gebiete nicht erreichte. Aus diesem Grund kann man im Strandscha-Gebirge Pflanzenarten aus dem Tertiär bewundern, also von vor 60 Millionen Jahren, was europaweit einmalig ist.

Das Klima im Strandscha-Gebirge ist auch einzigartig – eine gesunde Mischung aus Schwarzmeer- und Mittelmeereinfluss. Das hat die Naturparkdirektion auch erkannt und zahlreiche Wanderwege ausgeschildert – je länger, um so besser. Das bestätigte uns auch Maria Patronowa, die in der Parkdirektion für das touristische Angebot zuständig ist.

"Ein interessanter und abwechselungsreicher Wanderweg, genannt `Marina reka`, beginnt unweit des Dorfes Bulgari", sagt Maria Patronowa. "Auf diesem Wanderweg geht man an allen immergrünen Pflanzenarten vorbei, die für das Strandscha-Gebirge typisch sind. Es handelt sich um Pflanzenarten, die die Eiszeit überlebt haben, wie z.B. die gemeine Eibe (Taxus baccata), oder die Stechpalme (Ilex Colchica), die man eher im Mittelmeerraum antrifft. Unterwegs trifft man oft auch auf Wildschweine, Hirsche und Rehn", berichtet Maria Patronowa.

Zu empfehlen sind außerdem sowohl 1-2-wöchige Aufenthalte in den schmucken Dörfern des Strandscha-Gebirges, als auch Tagesausflüge für die Strandurlauber. Besonders beliebt sind Fahrradtouren. Immer mehr und vor allem junge Menschen entscheiden sich, das Gebirge mit dem Mountainbike zu erkunden. In den Dörfern Braschljan, Borodilowo, Balgari, Kosti u.a. kann man die typische Architektur, die Geschichte und die Traditionen dieser Gegend in Bulgarien kennen lernen. Die Übernachtungen sind ausschließlich in privaten Häusern, die meistens älter als 100 Jahre sind. Der Tourismus ist ein Nebenverdienst für die Einheimischen, sie haben ihre Häuser so umgebaut, dass sie auch Gäste verpflegen können. In Braschljan haben sich die Frauen zu einer Gesangsgruppe zusammengetan und singen den Gästen gern etwas vor. Diese Art von Tourismus hat sich für diese Gegend als besonders geeignet und erfolgsversprechend erwiesen und davon zeugen die Gäste, die jedes Jahr ins Strandscha-Gebirge zurückkehren.



"In Stoilowo, einem weiteren kleinen Dorf im Strandscha-Gebirge, kommt man am speziellen Brot nicht vorbei, das in einem eigenartigen flachen Tontopf im Backofen gebacken wird. Oft wird das Brot mit hausgemachtem Ziegenkäse überbacken", erzählt Maria Patronowa. "Eine weitere kulinarische Besonderheit ist der typisch bulgarische Blätterteigkuchen `Banitza`, der aber in den Dörfern im Strandscha-Gebirge nicht mit der traditionellen Füllung aus Eiern und Käse zubereitet wird, sondern mit Spinat, Ampfer oder Brennnessel gebacken wird."

Die Gastfreundschaft der Bulgaren ist sprichwörtlich, im Strandscha-Gebirge wird sie aber besonders geschätzt. Jeder Tourist wird so herzlich aufgenommen, als ob er ein langjähriger Freund sei. Selbst in der Kreishauptstadt Malko Tarnowo kennt man die sonst so allgegenwärtige Anonymität nicht. Die Stadt und die Umgebung sind insbesondere für geschichtsinteressierte Reisende anlockend. In der Innenstadt ist ein einzigartiges Museum eingerichtet – in alten und sehr gut erhaltenen Häusern kann man sich die Geschichte dieser Gegend anhand zahlreicher Exponate anschauen. Sie erzählen die Geschichte der Thraker und Römer, die im Strandscha-Gebirge ihre Siedlungen hatten. In einem anderen Haus steht die Natur des Gebirges im Mittelpunkt. Dort kann man sich die Landkarte anschauen und entscheiden, welches Ziel in der Umgebung für den Tag angepeilt wird. "Mischkowa niwa" und "Propada" sind solche interessante Ziele, wo die Archäologen alte thrakische Orakelstätten und Reste von Festungsmauern aus römischer Zeit freigelegt haben.



Eine besonders malerische und spannende Bootsfahrt an den Flüssen Weleka und Resowo sind für einen Familienausflug zu empfehlen. Beide Flüssen durchqueren fast das gesamte Gebirge und münden ins Schwarze Meer. Vom Boot aus kann man versteckte Kirchen und Klosterreste sehen. Die Mündungen beider Flüsse sind einmalig schön und stehen unter dem Naturschutz. Nur die kleinen Sanddünen trennen das Süß- und Salzwasser. Dieses Naturphänomen sorgt auch dafür, dass dort einzigartige Pflanzen gedeihen. Im Herbst kann man dort auch beobachten, wie die Zugvögel sind versammeln, um gemeinsam gen Süden zum Überwintern zu fliegen. Via Pontica führt durch das Strandscha-Gebirge und die Mündungen der Flüsse Resowo und Weleka sind so zu sagen Sammelstellen für die Zugvögel im Herbst.

Das Markenzeichen des Strandscha-Gebirges sind jedoch die Nestinari, die Feuertänzer also. Die Dörfer Balgari und Kosti sind so zu sagen die Hochburgen dieser einzigartigen Tanzkunst und dort kann man auch die Kirchen besuchen, die auf die Namen der Schutzheiligen der Feuertänzer, der Hl. Konstantin und Elena, benannt sind. Wenn wir Sie also auf das Strandscha-Gebirge gespannt gemacht haben, dann planen Sie einfach eine Reise dorthin – Sie werden es ganz bestimmt nicht bereuen!

Übersetzung und Redaktion: Vessela Vladkova

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