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Die Magie von Rupite

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Rupite befindet sich in einer hügeligen Landschaft im äußersten Südwesten Bulgariens, wo die Landesgrenzen dreier Länder zusammenfließen – Bulgariens, Mazedoniens und Griechenlands. Das Grenzgebirge haben die Einheimischen Koschuch genannt, zu Deutsch Pelzmantel. Denn die Umrisse des Gebirges erinnern in der Tat an einen Menschen mit einem Pelzmantel auf dem Buckel. Im Fuße des Pelzmantel-Gebirges liegt Rupite mit der neu erbauten Kirche „Hl. Petka“. Die Gegend ist für das heilende Thermalwasser bekannt, das mit einer Temperatur von 75°C aus der Erde sprudelt. Diese magische Gegend verbinden die Bulgaren auch mit der Wahrsagerin Wanga.


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Der Struma-Fluss

Die heißen Wasserquellen, die wunderschöne Hügellandschaft und die Ruhe ziehen alljährlich Tausende Besucher an. Angezogen sind die Besucher aber auch von der blinden Wahrsagerin Wanga, die lange Jahre in der naheliegenden Stadt Petritsch lebte. Zu Lebzeiten behauptete Wanga, dass Rupite und das Koschuch-Gebirge große Geheimnisse über unsere Vergangenheit hüten. Sie behauptete aber auch, dass von den Heilwasserquellen in Rupite eine besonders starke Energie ausgehe, die den Menschen helfe. Deshalb zog Wanga dorthin, ließ ein kleines Haus bauen und empfang dort Besucher aus aller Welt, die keine Kraft mehr hatten, mit dem eigenen Leben fertig zu werden. Wanga hat Tausenden geholfen, wieder gesund zu werden. Und hat nie dafür Geld entgegen genommen.


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Die Hl-Petka-Kirche

Wanga behauptete stets, dass ihre Kraft ein Geschenk Gottes sei. Deshalb stiftete sie den Bau einer Kirche. Anfang der 1990er Jahren wurde die Hl-Petka-Kirche fertig gestellt. Die Kirche ist heute ein starker Anziehungspunkt für die Touristen. Neben der Tatsache, dass Wanga die Stifterin ist, kommen die Besucher auch aus purer Neugier, um die umstrittenen Ikonen im Inneren der Kirche mit eigenen Augen zu sehen. Denn die Heiligenbilder sind sehr eigenartig. Gemalt hat sie Swetlin Russew – ein international anerkannter zeitgenössischer Maler, der außerdem mit Wanga eng befreundet war. Und so ließ er es sich nicht nehmen, die Ikonen in Wangas Kirche zu malen. Für viele Gläubige entsprechen sie jedoch dem Kanon nicht und Russew stand lange Jahre in der Kritik wegen seiner freiwilligen Kunst. Die orthodoxe Kirche lehnte lange Jahre die Einweihung des Kirchenbaus ab. Doch, das alles ist längst vergessen. 1994 wurde die Hl.-Petka-Kirche eingeweiht und seitdem erfreut sie sich wachsenden Besucherzahlen. Neben der Kirche befindet sich auch der Grab von Wanga. Viele Besucher kommen am 15. August zum traditionellen Volksfest, wenn die orthodoxe Kirche Mariä Himmelfahrt begeht. Dann erklingt auf den Rupite-Wiesen Folkloremusik und es wird bis spät in die Nacht getanzt.


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Das Koschuch-Gebirge  imagesfrombulgaria.com

Die Gegend Rupite liegt auf der Lava eines Vulkans, dessen letzte Eruption vor mehr als einer Million Jahren war. Damals ist auch das Koschuch-Gebirge entstanden. In der Gegend gibt es zahlreiche Funde prähistorischer Zeiten. Den Archäologen zufolge handelt es sich um die größten und bedeutendsten Städte der Antike entlang des Struma-Flusses. Erhaltenen Schriften zufolge handelt es sich um die antike Stadt im thrakischen Ostmazedonien Heraclea Sintica. Angeblich existierte die Siedlung vom 4. Jh. v. Chr. bis ins 6. Jh. n. Chr. An der Stelle der antiken Stadt entstand später eine neue Siedlung, über welche es schriftliche Nachweise in den Finanzbüchern des Osmanischen Reiches gibt. Die ältesten schriftlichen Nachweise stammen aus dem 15. Jh. Der namhafte bulgarische Historiker und Jurist Georgi Stresow nennt das spätere Dorf Rupite zum ersten Mal in seinen Studien 1891. In seinen ethnografischen und historischen Ausführungen beschreibt er sehr genau, wo sich das Dorf befindet. Außerdem heißt es bei ihm, dass das nahliegende Gebirge nach dem bulgarischen Volkshelden Krali Marko benannt war.


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1962 wurde das Koschuch-Gebirge zum Naturreservat erklärt. Die Gegend ist für Wanderfreunde ein Paradies. Die Naturliebhaber können hier viele seltene Tier- und Pflanzenarten bewundern. Manche von ihnen stehen im Rotbuch der bedrohten Arten Bulgariens. Das Klima lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein – der mediterrane Einfluss ist im Südwesten Bulgariens deutlich zu spüren, was man auch an der Flora und Fauna sofort erkennen kann.


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Im äußersten Südwesten Bulgariens gibt es viele historische und Natursehenswürdigkeiten, die dem breiten Publikum unbekannt sind. Überhaupt ist diese sagenumwogene Gegend ein Geheimtipp. Auch für jene, die der Esoterik zugewandt sind. Denn nur wenige kennen die Geschichte des Mädchens Stojna, das wie Wanga ebenfalls aus dieser Gegend stammt und genau so wie die berühmt gewordene Wanga erblindet war.

Und wem die geheimnisvollen Geschichten nicht bekommen, der sollte nach Melnik weiterreisen, der kleinsten Stadt Bulgariens. Melnik ist jedoch für seine Rotweine bekannt, und natürlich für die wunderschöne malerische Landschaft und für die eigenartigen Sandpyramiden. Überzeugen Sie sich selbst!

Übersetzung: Vessela Vladkova

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