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Die Museumsstadt Kopriwstitza

(1) – Das Geburtshaus von Dimtscho Debeljanow; (2) – Das Denkmal von Todor Kableschkow, links das Kantardschiew-Haus; (3) – Das Geburtshaus von Georgi Benkowski; (4) – Das Geburtshaus von Ljuben Karawelow
Foto: www.koprivshtitza.com
Kopriwstitza ist ein malerisches Gebirgsstädtchen am Fuße des Sredna-Gora-Gebirges. Es gibt wohl kaum einen Bulgaren, der nicht schon irgendeinmal hier gewesen ist. Die Häuser, Kopfsteinpflastergassen, Brunnen und Menschen erscheinen wie aus einer anderen Zeit. Aus gutem Grund ist Kopriwstitza eine Museumsstadt. An einem einzigen Tag kann man hier sieben Häuser berühmter Bulgaren aus der Wiedergeburtszeit besichtigen, deren Schicksale eng mit dem Befreiungskampf des bulgarischen Volkes gegen das osmanische Joch verbunden sind. Heute sind diese Häuser Museen mit einer eigenständigen authentischen Exposition. Das Oslekow-Haus, die Museen von Debeljanow, Kableschkow, Benkowski und Ljuben Karawelow, das Ljutow-Haus - sie alle sind unermessliche Architekturdenkmäler und ein Reichtum unseres Landes. Auch der Architektur-Komplex "Palaweew-Häuser" ist eine Besichtigung wert. Hier werden ständig neue Bilder mit Kopriwstitza-Bezug aus den Museumsfonds gezeigt, darunter viele Werke zeitgenössischer bulgarischer Maler.

© Foto: BGNES

Das Oslekow-Haus

"Kopriwstitza beeindruckt zu jeder Jahreszeit mit seiner Natur und Architektur", meint Elena Scheljaskowa, Reiseleiterin der Museumsdirektion von Kopriwstitza. "Die Stadt kann auf eine so reichhaltige Geschichte verweisen, dass es recht schwierig ist, alles zu erfassen. Die Besucher interessieren sich für die in Kopriwstitza geborenen Persönlichkeiten, für die Architektur, vor allem aber für die hiesigen Ereignisse der Vergangenheit. Trotz Wirtschaftskrise kommen viele Touristen hierher und lassen sich von unserer Stadt verzaubern. Vor einiger Zeit schrieb uns ein Gast aus Amerika, dass eine Stadt wie die unsere in den Vereinigten Staaten unter eine Glasglocke gestellt würde, da es hier sehr viele wertvolle Dinge gibt. Zum Folklore-Fest auf den Wiesen bei Kopriwstitza versammeln sich Anhänger des Lied- und Tanzerbes. Alljährlich wird der Ausbruch des Aprilaufstandes im fernen Jahr 1876 nachgestellt, was die Straßen der Stadt mit patriotischem Geist erfüllt. In solchen Augenblicken vergessen die Menschen ihre Alltagsprobleme und lassen sich von der Geschichte und dem erhabenen Gefühl vergangener Ereignisse tragen."

Die Stadt wartet mit zwei ethnografischen Museen auf - mit dem Oslekow- und dem Ljutov-Haus. Die Gebäude stammen aus der Zeit des Krim-Krieges (1853-1856). Sie beeindrucken mit ihrer herrlichen Architektur, ihrer reichhaltigen Wandverzierung als auch mit nunmehr geschlossenen Salons anstelle der überdachten Terrassen. Hier erhält der Besucher einen Einblick in den Alltag der einstigen Besitzer als auch in die Lebensweise im Kopriwstitza der Wiedergeburtszeit. Das Ljutow-Haus, eines der wertvollsten Architekturdenkmäler der Stadt, beherbergt eine Ausstellung, die man anderswo im Land nur selten zu sehen bekommt. Zu sehen sind typische Filzteppiche aus Kopriwstitza, die mit meisterlichen Dekors beeindrucken. Wir leben in der Tat in einer Museumsstadt und sind scheinbar schon zu Exponaten geworden, scherzen die Einheimischen. Und das aus gutem Grund, denn auch diese Stadt entvölkert sich allmählich.

"Zuweilen haben wir das Gefühl, in der fernen Vergangenheit zu leben, da die hiesige Ruhe und Gelassenheit in anderen Städten Bulgariens eine Seltenheit sind. Kopriwstitza bewahrt das Andenken an die großen örtlichen Familien Morawenow, Tschipow, Tschomakow und die Nachfahren von Karawelow, einige derer Erben noch in der Stadt leben" erzählt Elena Scheljaskowa.

© Foto: www.koprivshtitza.com

Das Geburtshaus von Todor Kableschkow

Eines der schönsten Gebäude aus der Wiedergeburtszeit ist das Heim des bulgarischen Revolutionärs Todor Kableschkow. Für Rajna Patschewa, ist es zu einem Teil ihres Lebens geworden. Alltäglich erzählt die Museumsleiterin den neugierigen Besuchern über das Leben und Werk des berühmten Sohnes der Stadt.

"Nur wenige wissen, dass sich Todor Kableschkow als erster der Übersetzung des Romans `Der Graf von Monte Christo" aus dem Französischen ins Bulgarische gewidmet hat. Diese erste Übersetzung blieb aufgrund der Ereignisse während des Befreiungskampfes jedoch unvollendet. Türkisch, Französisch und Griechisch hatte Kableschkow am französischen College in Konstantinopel gelernt. Auch war er ein Anhänger der Französischen Revolution. Und so kam es vor, dass er zuweilen mit einem roten Halstuch im College erschien. Sein Geburtshaus zeugt vom Wohlstand seiner Familie. Oft fragen sich die Besucher, warum er gegen das osmanische Joch war, nachdem es dem jungen Todor an nichts gefehlt habe? Das Gleiche fragt ihn auch Selim Pascha bei seiner Festnahme im Trojan-Balkan, worauf Kableschkow antwortete: Ich kann nicht zusehen, wie mein Volk sich quält. Alle Nachbarstaaten haben sich befreit, nur wir sind noch versklavt." Als man Kableschkow im Konak von Gabrowo festsetzt, lauert er der Wache auf, entledigt sie ihrer Waffe und nimmt sich das Leben. Mit gerade einmal 25 Jahren."

Die Touristen beeindruckt vor allem die Architektur des Kableschkow-Hauses, das zu den schönsten der Stadt zählt. Eine Zimmerdecke ist vollständig mit Holzschnitzereien verziert - ein wahres Meisterwerk.

Übersetzung: Christine Christov

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