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Bräuche anlässlich der Heiligen Barbara, Sabas und Nikolaus

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Foto: Archiv

Die orthodoxen Christen ehren am 4. Dezember die heilige Barbara, am Tag darauf den geheiligten Sabas und am 6. Dezember den heiligen Nikolaus. In die Volksmythologie sind sie auf ihre ganz besondere Weise eingegangen, zumal die Bräuche an diesen Tagen noch aus heidnischer Zeit stammen.

Der Tag, der der heiligen Barbara geweiht ist, wird im Volksmund auch „Frauen-Weihnachten“ genannt. Vor allem in West- und Südwestbulgarien gehen dann Weihnachtssänger von Haus zu Haus. Im Unterschied jedoch zu Weihnachten, wo es ausschließlich Burschen sind, schlüpfen am Tag der heiligen Barbara Mädchen in die Rolle der Weihnachtssänger. Auch sie singen bestimmte Lieder, mit denen Haus und Hof, wie natürlich auch alle Bewohner, gleichgültig ob Mensch oder Tier, gesegnet werden. Dafür erhalten sie so allerlei Naschereien, die sie in ihre Beutel verstauen.

Am gleichen Tag bereiten die Frauen ungesäuerte Ritualbrote zu. Solche Brote werden nur zu ganz bestimmten Festen gebacken, wie Kindertaufe und Heiligabend sowie zur Vorbeugung vor Krankheiten. Die Ritualbrote am Tag der heiligen Barbara werden während sie noch warm sind mit Honig oder Kürbis-Konfitüre bestrichen. Sogleich eilen die Frauen auf die Straße, oder gehen zu einer Wegkreuzung, wo sie Teile des Brotes an Passanten verteilen. Jeder bekreuzigt sich und spricht einen Segen auf die Frau, ihre Familie und deren Haus und Hof. Ein solches Ritualbrot wird auch gegen Pocken gebacken und auf eine gesonderte Tafel serviert. Speziell zu Ehren der heiligen Barbara werden auch verschiedene andere Speisen zubereitet – meist gekochtes Getreide oder Hülsenfrüchte, die jedoch mit Honig gesüßt werden. Sie sollen die Heilige gnädig stimmen.

In einigen Regionen Bulgariens werden die drei Tage der Heiligen Barbara, Sabas und Nikolaus als sogenannte Wolfstage bezeichnet. In einer Legende wird erzählt, dass Barbara und Sabas zwei lahme Wölfe seien. In einer anderen heißt es, sie seien Geschwister – Barbara „bereite“ die Krankheiten zu und Sabas „verteile“ sie. Daher hält man Sabas für den gefährlicheren von beiden. Es gibt aber auch Legenden, in denen Barbara und Sabas ganz andere Rollen zugedacht sind. So würde Barbara Eiskörner auf die Felder säen und die Menschen damit bewerfen. Sabas wäre gütiger und würde hinter ihr herlaufen und sie ständig bitten, die Menschen zu verschonen.

Sabas wird im Volksglauben auch mit der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. So glaubte man, dass ein Brot, das am Tag des geheiligten Sabas auf besondere Weise zubereitet wird, einen langgehegten Kindersegen herbeibeschwören würde. Das Ritualbrot wird unter Beisein der ältesten Frau in der Familie geknetet. Die Frau, die sich ein Kind wünscht, siebt das Mehl, während die ältere Frau murmelt: „Wende das Sieb, damit sich auch in deinem Bauch etwas wendet!“

Weit verbreitet ist ferner die Vorstellung, dass Barbara und Sabas das Nikolausfest vorbereiten. Und tatsächlich werden am Tag des geheiligten Sabas, über den das Volk im Grunde genommen überhaupt nichts weiß, alle Vorbereitungen auf die Feier anlässlich des heiligen Nikolaus getroffen.




Auch für den Nikolaustag werden Ritualbrote zubereitet. Ihre Vielfalt ist bemerkenswert; sie gehören neben dem obligatorischen Fischgericht unbedingt auf die Festtafel. Die speziellen Ritualbrote werden auch anlässlich anderer wichtiger Kirchenfeste zubereitet, wie Heilig Abend, den Tag des Erzengels Michael und ganz persönlichen Feste. Das Mehl, das für ihre Zubereitung verwendet wird, wird bereits im Sommer zur Seite gelegt. Es wird aus ausgesuchten Weizen gemahlen und durch ein sehr feines Sieb gegeben. In einigen Regionen wird sogar dreimal gesiebt. Obwohl in Bulgarien auch Roggen, Gerste, Hafer, Mais und Hirse häufig verwendet werden, wählt man für die Ritualbrote ausschließlich Weizen.




Das Ritualbrot zum Nikolaustag heißt auch „Heiliger Nikolaus“ oder auch nur „Heiliger“. In einigen Teilen Bulgariens wird der Fisch in Teig gehüllt und als Ritualbrot ausgeschmückt. Vielerorts lässt man die Ritualbrote und das Fischgericht in der Kirche segnen. In einigen Ortschaften gehen die Priester von Haus zu Haus, um die Festtafeln zu segnen. Die Tafel selbst wurde den ganzen Tag nicht aufgehoben. Die Häuser standen ihrerseits allen offen – für Freunde, Verwandte, Nachbarn oder auch zufällige Passanten.

Der Nikolaustag wird in Bulgarien bis heute gebührend begangen und ganz besonders, wenn jemand in der Familie den Namen dieses Heiligen trägt.

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

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