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Wladimir Dimitrow – eine bemerkenswerte Erscheinung in der bulgarischen Malerei

Die Bilder von Wladimir Dimitrow, genannt „der Meister“, besitzen einen unverwechselbaren Charakter und hinterlassen im Bewusstsein der Betrachter bleibende Erinnerungen. Der Maler lebte von 1882 bis 1960 und im Mittelpunkt seines Schaffens standen die einfachen Menschen auf dem Land. In seinen Bildnissen von Bäuerinnen hat er gekonnt die Ausstrahlung junger Mädchen zwischen Kinder- und Frauenalter eingefangen. Feinste Seelenregungen offenbaren sich und legen vom Alltag beredtes Zeugnis ab. Einige Gesichter erzählen von der Ernte und der Freude am Singen während der Arbeit, andere sind von der Mutterschaft beseelt oder in innere Gedanken versunken.


Der Hintergrund der Bildnisse wird von den Früchten ihrer Arbeit eingenommen. Es besticht die realistische Darstellungsweise und die stilistische Ausgewogenheit der Bilder. „Beim „Meister“ gibt es eine Besonderheit – er hat nicht nur seinen eigenen Stil als Maler, seine Werke sind national eingefärbt. Er meinte: „Ich möchte die Menschen so malen, dass man erkennen kann, dass sie Bulgaren sind“, erzählte uns Swetla Alexandrowa, Kuratorin der Kunstgalerie „Wladimir Dimitrow, der Meister“ in der westbulgarischen Stadt Kjustendil.

„Wladimir Dimitrow ist eine Persönlichkeit, in der ein genialer Maler und ein gutmütiger Mensch vereint sind. In der Geschichte gibt es nur wenige bedeutende Künstlerpersönlichkeiten, die vom Charakter her sanftmütig und mitfühlend waren. Der „Meister“ war ein herzensguter Mensch, was sich in seinem Verhältnis zu seinen Mitmenschen deutlich wiederspiegelte. Er hatte, wie alle Menschen, auch seine Schwächen, zeigte sie aber nicht. Wladimir Dimitrow verschrieb sich der Einsamkeit, um sich vollends der Kunst widmen zu können. Bereits zu Beginn seiner Karriere war es sich vollauf bewusst, dass ihm ein langer und beschwerlicher Weg bevorsteht. Er hat viele schlaflose Nächte verbracht; über seine Arbeit erzählte er: „Das Dorf schlief, ich hingegen löste Aufgaben“. Wenn er sich einmal einer Sache angenommen hatte, verfolgte er zielstrebig sein Ziel. Das Gros seiner Bilder ist der Frau, der angehenden Mutter und der Kinder gewidmet. Mit ihnen zeigt er eine ganze Welt und schließt den Zyklus – vom Kind bis zur Greisin. Und so ist auch unsere Ausstellung konzipiert; sie endet mit einem Bildnis der 103 Jahre alten Oma Mitra. Das Portrait ist mit „Erinnerungen an die Jungend“ betitelt. Im Hintergrund ist ein Reigen junger Mädchen zu sehen. All die Erinnerungen können am Gesicht der Dargestellten abgelesen werden. Und darin besteht das große Können von Wladimir Dimitrow – mittels der Antlitze erzählt er die Geschichte der Portraitierten. Es sind zwar Portraits, gleichzeitig stehen sie jedoch stellvertretend für eine ganze Reihe von Menschen.“



Als 1972 der Bau der Kunstgalerie in Kjustendil in Angriff genommen wurde, meldete keiner der Einwohner Kritik am Vorhaben an, das große Summen verschlang. Dabei besaß diese Kleinstadt noch nicht mal ein ordentliches Krankenhaus und für die Städteplanung standen nur dürftige Mittel zur Verfügung. „Der Bau der Galerie wurde dem Bau eines Gotteshauses gleichgesetzt“, erzählt Swetla Alexandrowa.

„Für die Einwohner war das ein geheiligter Ort, an dem der Geist des Malers aufbewahrt werden sollte. Lange Jahre hindurch nahmen sie beim Betreten der Galerie die Hüte ab, oder bekreuzigten sich sogar. Keiner hatte es ihnen angeordnet; sie machten es von sich aus. Das Gebäude selbst ist so konzipiert, dass es keine Fenster besitzt – es wird einzig durch Oberlicht beleuchtet, wobei die Räumlichkeiten nicht voneinander abgetrennt sind. Die Galerie ist so angelegt, dass man ungezwungen von einem Bild zum nächsten gelangt. Die Wände sind absolut weiß, so dass die Aufmerksamkeit voll auf die farbenfrohen Bilder gelenkt wird. Nicht zufällig steht über dem Eingang die alte Weisheit „Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang“, die dem griechischen Arzt Hippokrates zugeschrieben wird. Diese Wahrheit hat Wladimir Dimitrow schon früh erkannt und sein ganzes Leben der Kunst gewidmet.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: vladimirdimitrov-maistora.com

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