Aktive kleine Gemeinden in Bulgarien rechnen mit mehr Beschäftigung und Einnahmen

Vizepremier Tomislaw Dontschew während der Konferenz
Foto: BTA

Die Industriezonen sind für die Entwicklung der einzelnen Regionen von essentieller Bedeutung. Davon ist Vizepremier Tomislaw Dontschew fest überzeugt. Und aus einer Analyse des Instituts für Marktwirtschaft geht hervor, dass die größten Gehälter in jenen Regionen gezahlt werden, wo auch die Beschäftigungsraten am höchsten sind. Verkehrsinfrastruktur, Business Connectivity, Optimierung der Kommunikation zwischen Kommunal- und Zentralbehörden, Verbesserung der administrativen Dienstleistungen und Ausrichtung der Bildung auf den Arbeitsmarkt. Über diese Themen haben sich Minister, Bürgermeister und Geschäftsleute im Rahmen einer Konferenz ausgetauscht, die von „The Economist“ und der Bulgarischen Wirtschaftskammer organisiert wurde.

96 Prozent der Gesamtproduktion, 81 Prozent der direkten Auslandsinvestitionen und 75 Prozent der Beschäftigung entfallen auf ein Drittel des Landesterritoriums. Das Blatt hat sich in den letzten Jahren jedoch gewendet, so dass nicht mehr so viel menschliches Kapital aus den umliegenden Ortschaften in die Großstädte fließt. Mehr noch – es entsteht ein Gegentrend, bei dem sich ein Teil der Arbeitskräfte in Richtung Peripherie bewegt. Derart wächst die Attraktivität der kleinen Gemeinden in wirtschaftlich aktiven Regionen, weil sie Beschäftigung und wachsende Einkommen versprechen. Das gab die Exekutivdirektorin des Instituts für Marktwirtschaft Swetla Kostadinowa bekannt. Aus der vom Institut erstellten Karte ist ersichtlich, dass die Zahl der neu angestellten Mitarbeiter in solchen Gemeinden wie Ruen, Mesdra, Elin Pelin, Kuklen und Mariza in den letzten zwei Jahren größer ist als in Sofia, Plowdiw oder Burgas. Die größten Gehälter werden nicht in den Gebietszentren oder großen Gemeinden gezahlt, sondern in den Regionen mit den höchsten Beschäftigungsquoten, geht aus der Studie des Instituts für Marktwirtschaft hervor. Aus diesem Grund reihen sich Kleinstädte wie Godetsch, Dewnja, Radnewo und Galabowo unter die Ortschaften mit dem größten Durchschnittseinkommen. Und dieser Umstand ist den großen Arbeitgebern zu verdanken, die sich dort niedergelassen haben.

Die Analyse beleuchtet auch einen anderen wichtigen Aspekt in puncto Arbeitsmarkt – die Bildung der Kader, nach denen die Unternehmer suchen. Damit die regionalen Unterschiede überbrückt werden können, sollte man der Bildung in den kleinen Ortschaften eine größere Aufmerksamkeit widmen. Denn die Schüler werden dort nicht ausreichend dafür vorbereitet, sich später erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt realisieren zu können.

Die Wahrheit ist, dass die Unternehmer Kader brauchen, die selten in der humanitären Bildung herangebildet werden“, erklärte der Bürgermeister von Wraza Kalin Kamenow. Deshalb nannte er als eine der Best Practices, die in letzter Zeit in der Stadt umgesetzt werden, die Wiedereinführung der Berufsbildung. Als Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und der örtlichen Geschäftswelt führte der Bürgermeister den Weihnachtsmarkt und die Eisbahn an, die traditionell zu Weihnachten in Wraza organisiert werden und sich vieler Besucher aus ganz Nordwestbulgarien erfreuen.

Das wichtigste für uns ist die Menschen zu motivieren, selbst aktiv zu werden und zu begreifen, dass die Dinge, die wir tun, einen höheren Zweck und keinen Profit verfolgen“, sagt Kalin Kamenow. „Den Leuten wird zunehmend bewusst, dass sie viel den Arbeitgebern zu verdanken haben. Die Aufgabe der Gemeinde ist es, die Unternehmer davon zu überzeugen, dass bestimmte von ihr organisierte Events auch für deren Mitarbeiter gut sind. Die Rolle der Gemeinden und der Nichtregierungsorganisationen besteht darin, Events zu initiieren und eine positive Atmosphäre zu schaffen, damit sich die Menschen wohl und glücklich fühlen.

Nicht nur der Bildung kommt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der einzelnen Regionen zu. Nicht minder wichtig sind ihre Verbundenheit und die Möglichkeiten für Arbeitsmobilität und Umschulung von Arbeitslosen. Worten von Vizepremier Tomislaw Dontschew zufolge sind die Industriezonen von Schlüsselbedeutung für die Entwicklung der einzelnen Regionen.

Es gibt hervorragende Beispiele für staatliche, kommunale und private Industriezonen. Wir sollten aber auf der Grundlage von Gesetzesnovellen und Dialog dazu schreiten, in den kommenden fünf-sechs Jahren mindestens 7-8 oder besser sogar 10-15 Industriezonen zu schaffen, die auch Unterstützung durch den Staat erfahren“, betonte Tomislaw Dontschew.

Die Schwierigkeiten, vor die sich die Unternehmer in Bulgarien gestellt sehen, können nicht immer auf staatlicher oder Gemeindeebene aus der Welt geräumt werden. Oft sind die Gemeindeverwaltungen machtlos, weil sie nicht über die nötigen Finanzen oder Kadern verfügen. Für die Lösung dieses Problems ist laut Vizepremier Dontschew keine neue institutionelle Regelung notwendig, sondern eine Aktualisierung der Finanzierungsmodelle, um eine aktive Förderung der auf regionaler Ebene geplanten nützlichen Investitionen zu ermöglichen.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

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