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Zur Theophanie reinigt Weihwasser die Welt für einen Neubeginn

Kalofer, der traditionelle Männer-Reigen im Tundscha-Fluss zum Erscheinungsfest am 6. Januar.
Foto: REUTERS/Stoyan Nenov

Am 6. Januar begeht die Bulgarische Orthodoxe Kirche eines der größten Feste im Jahr – Theophanie. Sie ist laut der christlichen Lehre ein Fest der Manifestierung Gottes in Seiner Dreifalt – also ein Erscheinungsfest.

In enger Verbindung dazu steht die Taufe von Jesus Christus im Jordan durch den heiligen Johannes. Der Erlöser entstieg nach der Taufe dem Wasser und über Ihn erschien der Heilige Geist in Gestalt einer Taube „Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“, wie es im Evangelium nach Matthäus bezeugt wird. Diese Erscheinung bewegte sofort Tausende zur Taufe im heiligen Fluss.

Im Volksglauben herrschte die Vorstellung, dass sich in der Nacht zum Fest der Taufe der Himmel öffne und Gott die Gebete der Menschen erhöre.

Bereits am Vorabend des Erscheinungsfests finden Wasserweihen und am Tag der Taufe des Herrn selbst eine Große Wasserweihe statt. Dabei werden alle irdischen Gewässer symbolisch geweiht. Daher glaubte man, dass alle Quellen an diesem Tag heilbringendes Wasser spenden würden. Dem an diesem Tag zubereiteten Weihwasser wird bis heute eine besonders große Kraft zugeschrieben. Die orthodoxe Kirche nutzt dieses Weihwasser zur rituellen Reinigung von Körper und Geist. Die Gläubigen ihrerseits nehmen sich Weihwasser mit nach Hause, um damit im Jahr über verschiedene Krankheiten zu kurieren. Falls vom vorjährigen Weihwasser etwas übrig sein sollte, wird es zur Herstellung von drei Ritualbroten benutzt. Das erste ist für das Haus bestimmt, das zweite für die Gäste und das dritte für zufällige Passanten. In den Dörfern stellte man es zusammen mit einer Kanne Wein vor das Haus.

Der Tradition folgend findet nach der Liturgie eine Prozession von Klerus und Gläubigen zum nächst größeren Gewässer statt, sei es ein Fluss, ein See oder ein Meer. Der Priester wirft ein Kreuz ins Wasser und trotz niedriger Temperaturen springen junge und selbst ältere Menschen (früher ausschließlich Männer) ins Wasser, um es herauszuholen.Nach alten Vorstellungen unserer Vorfahren werde es ein fruchtbares und segensreiches Jahr werden, falls nach dem Herausholen des Kreuzes, das Wasser an seiner Oberfläche gefriert. Jener, der das Kreuz als erster aus dem Wasser holt werde das ganze Jahr über gesund und kräftig sein.

Mit dem Johannis-Tag gelten die sogenannten „schmutzigen Tage“ für beendet, die zu Weihnachten am 25. Dezember begannen. Die Abendtafel am 5. Januar ist die letzte mit Fastengerichten, die beweihräuchert wird. Auf die Tafel werden erneut Nüsse und ungekochter Weizen gestellt und die Kerze angezündet, die bei den vorangegangenen beweihräucherten Abendtafeln brannte. Kredenzt werden ein Ritualbrot, Hörnchen, Sauerkrautwickel, gefüllte Paprikaschoten und Bohnen.

Der 7. Januar ist die sogenannte Synaxis (sprich Versammlung) des heiligen ruhmreichen Propheten, Vorläufers und Täufers Johannes. Beide Tage – der 6. und 7. Januar sind für etliche Bulgaren auch ein ganz persönlicher Feiertag, denn der Name Johannes – auf Bulgarisch Joan, Iwan etc. und all die Ableitungen dieses Namens sind weit verbreitet. Namenstag feiern auch all jene, die Jordan etc. heißen, da die Taufe Christi im Jordan-Fluss stattfand.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: BGNES

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