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Peyo Peev – ein Virtuose auf der Fiedel über sein zweites Album

„Sreschti“ (zu Deutsch „Treffen“) nennt sich das zweite selbständige Album von Peyo Peev, der als virtuoser Fiedelspieler zu den Solisten des Volksmusikorchesters des Bulgarischen Nationalen Rundfunks gehört. Er wird zu den interessantesten und gesuchtesten Volksmusikinterpreten in Bulgarien gezählt. Gleichzeitig damit ist er ein begabter Komponist, Arrangeur und seit einigen Jahren auch Pädagoge an der Akademie für Musik und Tanzkunst Plowdiw.

Ich habe das Beste von dem ausgewählt, was ich in den letzten 10 Jahren gemacht habe. An den Aufnahmen haben sich phantastische Musiker beteiligt und so lässt sich auch der Titel „Treffen“ erklären“, sagte uns Peyo Peev und plaudert ein wenig über die Vorgeschichte:

Der Hirtenflötenspieler Theodossij Spassow hat als erster angefangen, mich zu überzeugen, dass ich ein Album produzieren müsse. Gemeinsam mit meinen Musikerkollegen, die an der CD mitgearbeitet haben, erörterten wir, welche Stücke wir einspielen sollen. Die Aufnahmen mit den Tonregisseuren Wiktor Jordanow und Todor Tschorbow haben etliche Zeit in Anspruch genommen, bis wir den gewünschten Klang erzielten. Das nächste Treffen war dann mit Iwo Christow, von dem das ansprechende Design des Albums stammt. In diesem Zusammenhang möchte ich allen für das Gelingen des Projekts danken.“

Einige der Titel des Albums von Peyo Peev waren noch nie im Konzert zu hören. Die meisten stammen jedoch aus dem Repertoire des bekannten Musikers. Den Liebhabern bearbeiteter bulgarischer Musikfolklore sind sie von Konzerten, Klubs und Hörfunk- und Fernsehsendungen her bekannt.

Peyo Peev musiziert häufig mit dem Perkussionisten Stoyan Yankulov zusammen, der auch in der neuen CD zu hören ist. Unter den Teilnehmern sei auch Petar Raltschew genannt, über den der Fiedelspieler mit großer Hochachtung spricht:

Wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen; seit frühester Jungend bin ich ein Fan von ihm. Es ist für mich eine Ehre und ein Privileg, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Die „Daraktschijska Ratschenitza“, die wir zusammen spielen, ist auch in meiner ersten CD enthalten. Mein erstes Arrangement gefiel mir aber nicht so recht, so dass wir es noch einmal versucht haben; jetzt klingt das Stück ganz anders.“

Wie viele Volksmusiker auch, hat Peyo Peev seine ersten großen Erfahrungen in Hochzeitsorchestern gemacht. Da die Traditionen solcher Musik in Bulgarien noch wach sind, erhält er bis heute Einladungen, auf Hochzeiten zu spielen. Für gewöhnlich dauern solche Hochzeiten um die 18 Stunden; sie beginnen in aller Frühe und enden um Mitternacht. Das erfordert ein äußerst reichhaltiges und buntes Repertoire.

Peyo Peev begann seine Laufbahn bereits als Kind im Orchester seines Vaters, der ein Saxophonist war. Später spielte er in einer Reihe von Hochzeitsorchestern und schloss sich dem Kinder- und Jugendensemble seiner Geburtsstadt Stara Sagora an; danach absolvierte er die Folkloreschule „Philipp Kutew“ in Kotel und studierte an der Akademie für Musik und Tanzkunst Plowdiw. Heute ist er all seinen Lehrern dankbar, doch den größten Einfluss übte auf ihn Theodossij Spassow aus. Mit dem auch im Ausland überaus bekannten und geschätzten bulgarischen Hirtenflötenspieler musizierte er in den verschiedensten Formationen ganze 15 Jahre lang und gab überall auf der Welt Konzerte.

Momentan arbeiten wir zusammen mit dem Jazz-Pianisten Miroslaw Turijski an einem sehr interessanten Projekt. Falls es uns gefallen sollte, werden wir es aufzeichnen“, verriet uns der Fiedelspieler, der zu den experimentierfreudigen Folkloreinterpreten gehört und seit Jahren mit Musikern der verschiedensten Genres zusammenarbeitet. „Die jungen Volksmusiker hören gern Jazz, während die Jazz-Musiker der Folklore lauschen. Wir suchen nach den Wechselwirkungen. So habe ich mich an der ersten CD des Jazz-Musikers Vladimir Karparov beteiligt, der in Deutschland lebt und arbeitet. Nun macht er in meinem Projekt mit - wir sind Gleichgesinnte. Das gleiche kann ich über Dimitar Lyolev sagen, der in der Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks Saxophon spielt. Vor etwa einem Jahr haben wir zusammen das Album „Riverdance“ aufgenommen; ich habe mich an über 140 Aufführungen der weltbekannten Show beteiligt. Ebenso habe ich in den Projekten von Jordi Savall mitgemacht, in die auch der Hirtenflötenspieler Nedyalko Nedyalkov einbezogen wurde. Allein mit Theodossij Spassow habe ich 3 bis 4 Alben aufgenommen und schreibe zudem Musik für das Volksmusikorchester des Bulgarischen Nationalen Rundfunks.“

Im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wurden leider alle Konzerte abgesagt, auf denen das zweite selbständige Album von Peyo Peev dem breiten Publikum vorgestellt werden sollte. Auch platzte eine Teilnahme des Fiedelspielers an einem internationalen Konzert-Projekt. Vorerst müssen sich seine Fans mit Einspielungen begnügen.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Privatarchiv

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