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Covid-19: Tag 122

Foto: EPA/BGNES

Bei über 200 Neuinfektionen pro Tag drohen strengere Maßnahmen

„Falls die Zahl der Neuinfektionen pro Tag auf über 200 steigen sollte, muss ein Teil der Corona-Maßnahmen, die wir unlängst aufgehoben haben, wieder wirksam werden“, meinte Gesundheitsminister Kyrill Ananiew. Momentan seien noch keine neuen Maßnahmen vorgesehen; das Gesundheitsministerium sei jedoch jederzeit dazu bereit, falls es erforderlich werden sollte. Zwischenzeitlich fand eine Sitzung des Nationalen Krisenstabs zur Coronavirus-Prävention und Bekämpfung statt, an der sich auch Ministerpräsident Bojko Borissow beteiligte. Erörtert wurde u.a. die Verbreitung der Corona-Seuche auf der Balkanhalbinsel und der Anstieg der Zahl der Neuinfektionen, wie in Nordmazedonien, Serbien, dem Kosovo und der Türkei. Borissow sprach sich für eine weitere Unterstützung der Krankenhäuser aus, die Covid-19-Patienten behandeln.

174 Corona-Neuinfektionen registriert

In den vergangenen 24 Stunden wurden nach 2.775 durchgeführten PCR-Tests 174 neue Corona-Infektionen diagnostiziert. Damit ist die Gesamtzahl der Covid-19-Fälle auf 5.914 gestiegen; darunter sind 2.664 aktive Fälle. 470 Patienten werden stationär behandelt, 29 darunter auf Intensivstationen, weisen die Angaben des Nationalen Informationsportals über die Verbreitung der Corona-Seuche aus.In den vergangenen 24 Stunden sind weitere 4 Patienten an Covid-19 gestorben; die Gesamtzahl der Todesopfer beläuft sich seit Beginn der Seuche auf 250. 85 Patienten konnten im Verlauf des vergangenen Tages als genesen entlassen werden; insgesamt haben 3.000 Patienten die Krankheit überwunden. Von März bis dato wurden in Bulgarien insgesamt 156.000 Corona-Tests vorgenommen.

Maßnahmen hätten noch ein oder zwei Monate fortgesetzt werden müssen

„Die Lockerung der Maßnahmen hat zu einem Wachstum der Epidemie geführt“. Das erklärte in einem Interview fü+r den bnr Akademiemitglied Bogdan Petrunow, ehemaliger Direktor des Nationalen Zentrums für Infektions- und Parasitenkrankheiten. Er ist fest davon überzeugt, dass die eingeführten „sanften Maßnahmen“ noch mindestens ein oder zwei Monate beibehalten werden sollten und dass wir ohne soziale Aktivitäten wie Fußballspiele und Abiturbälle die Epidemie sher gut unter Kontrolle hätten halten können. Petrunow prognostizierte, dass die Zahl der Infizierten unweigerlich zunehmen wird und die Maßnahmen erneut verschärfen werden müssen. „Solange es Menschen gibt, die infiziert werden können, wird sich das Coronavirus weiter ausbreiten“, sagte er.

Intensitätsgrad der Maßnahmen sollte von den Risikosituationen abhängen

„Das Problem liegt nicht in den Maßnahmen, sondern in ihrer Einhaltung und in der persönlichen Verantwortung der Menschen“, sagte Dr. Alexander Simidtschiew gegenüber dem BNR. Wir sollten die Realität akzeptieren und vollwertig darin leben, indem wir die elementaren Regeln einhalten. Laut dem Lungenarzt müssen die Maßnahmen auf die Risikosituationen zugeschnitten sein. „Ich teile sie in vier Typen ein - Kontakt 1: 1; 1:10; 1:100 und 1:1000 - das sind Fußballspiele und große Konzerte, bei denen eine Person weitere 1000 treffen kann“, erklärte er. Er würde keine Fußballspiele zulassen, wenn es von ihm abhänge, ergänzte Dr. Alexander Simidtschiew.

Ängste vor Corona-Seuche steigen

Nachdem seit April die Ängste unter der Bevölkerung im Zusammengang mit der Corona-Seuche zurückgingen, sind sie nun wieder gestiegen. Vor etwa einem Monat fürchteten sich 51 Prozent vor einer Infektion, Ende Juni waren es bereits 60 Prozent, weist eine Umfrage von „Gallup International“ aus. Anfang Juni meinten 72 Prozent, dass die Lage unter Kontrolle sei; heute sind lediglich 38 Prozent dieser Ansicht. Die Zahl der Bürger, die der Meinung sind, dass sich das Leben bis Ende des Jahres normalisieren werde, ist ebenfalls gesunken. Vor einem Monat waren 61 Prozent der Befragten dieser Ansicht; nun sind es 40 Prozent. Trotz der gestiegenen Ängste sind 61 Prozent gegen die Einführung strengerer Maßnahmen; 38 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. 59 Prozent der Umfrageteilnehmer sind davon überzeugt, dass die Regierung in Bezug auf die Seuche richtig handle; 39 Prozent sind gegenteiliger Meinung.

Steigende Infektionszahlen kein Grund zur Beunruhigung

„In Bezug auf Covid-19 ist Panik unangebracht“, sagte dem BNR gegenüber die Virusforscherin Prof. Mira Koschuharowa. Ihrer Ansicht nach sei es normal, dass sich das Virus nach einer Lockerung der Maßnahmen schneller ausbreitet. Dennoch seien die Ergebnisse gut, da trotzt steigender Zahl der Neuinfektionen, die Zahl der schweren Erkrankungen verhältnismäßig niedrig sei. „Das Coronavirus gehört nicht zu jenen Krankheitserregern, die das öffentliche Leben zum Stillstand bringen können. Es ist also normal, dass die Maßnahmen schrittweise gelockert werden“, meinte Prof. Koschuharowa.

EU hält an Corona-Wirtschaftsprognose für Bulgarien fest

Das Bruttoinlandsprodukt Bulgariens werde in diesem Jahr um 7,1 Prozent schrumpfen und erst 2021 um 5,3 Prozent wachsen, lautet die Sommer-Wirtschaftsprognose der Europäischen Kommission. Im Mai hatte Brüssel der bulgarischen Wirtschaft eine Senkung von 7,2 Prozent und für 2021 ein 6prozentiges Wachstum vorhergesagt. Trotz der guten Wirtschaftsergebnisse zu Beginn dieses Jahres, hat die Corona-Pandemie der Wirtschaft schwer zugesetzt, konstatiert die Europäische Kommission für Bulgarien. Hervorgehoben wird der gesunkene Verbrauch, was auf die Einschränkungsmaßnahmen zurückgeführt wird. Auch seien die Einkommen gesunken, die vorhandenen Kapazitäten würden nicht voll ausgelastet werden und die Unsicherheit behindre die Investitionen. Auf den Export wirke sich auch die verschlechterte Lage im Ausland aus; eine Belebung sei erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 zu erwarten.

Luigi di Maio lobt Bulgarien für Bewältigung der Covid-Krise

Der italienische Außenminister Luigi di Maio, der im Ministerrat von Premier Bojko Borissow zu einem Treffen empfangen wurde, gratulierte unserem Land zum Umgang mit der Covid-19-Epidemie. Neben den europäischen Wiederherstellungsmaßnahmen nach der Krise haben Bojko Borissow und Luigi di Maio die fruchtbringenden bilateralen Beziehungen erörtert.

Kein Autostau am Grenzkontrollpunkt „Kulata“

Der Verkehr über den Grenzkontrollpunkt „Kulata - Promahon“ ist normal, obwohl dies der einzige Einlass für Touristen nach Griechenland ist. Die Reisenden sind hauptsächlich Bulgaren und Rumänen, aber sie warten nur 2-3 Minuten an der Grenze. Die Präsenz der griechischen Gesundheitsbehörden, die entscheiden, wer auf Covid-19 getestet werden soll, hat zugenommen. Alle anderen Grenzkontrollpunkte sind für Touristen noch geschlossen.


Weitere wichtige Informationen zu Covid-19 in bulgarischer Sprache und in 9 Fremdsprachen finden auf der Internetseite von Radio Bulgarien in unserer Spezialrubrik COVID-19.


Zusammengestellt: Diana Zankowa und Nachrichtenteam

Übersetzung: Wladimir Wladimirow, Rossiza Radulowa


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