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Celle di Bulgheria – eine italienische Gemeinde mit bulgarischen Wurzeln

Foto: Gemeinde Celle di Bulgheria

Im Zentrum der italienischen Kleinstadt Celle di Bulgheria erhebt sich das Bronzedenkmal des urbulgarischen Herrschers Khan Alzek, den die Einheimischen den „bulgarischen Fürsten“ nennen. Sie halten hartnäckig die Erinnerung an ihre fernen Vorfahren wach, die angeführt von Alzek vor mehr als 14. Jahrhunderten hierher einwanderten.

„Das Gefühl, dass wir Nachkommen der Urbulgaren sind, ist für uns von großer Bedeutung“, sagte in einem Interview für Radio Bulgarien, Gino Marotta, Bürgermeister von Celle di Bulgheria. Diese süditalienische Gemeinde liegt in der Provinz Salerno in der Region Kampanien und ihr gehören 5 Ortschaften an, die sich am Füße des „Monte Bulgheria“ befinden. Vor etwa 5 Jahren wurde am Alzek-Denkmal feierlich die Städtepartnerschaft zwischen Celle di Bulgheria und der einstigen zweiten bulgarischen Reichshauptstadt Weliki Preslaw vermerkt. Für die Einwohner war das keinesfalls ein formeller Akt, sondern eine Ehrerweisung gegenüber ihren Vorfahren und des historischen Gedächtnisses.

„Seit 2016 feiern wir alljährlich am 7. Juni die Städtepartnerschaft. Aus diesem Anlass organisieren wir etliche Initiativen, an denen sich auch viele Bulgaren beteiligen, die speziell zu dem Fest anreisen“, sagte uns Gino Marotta. Er selbst war schon mehrmals in Weliki Preslaw und erzählt voller Enthusiasmus über die Ähnlichkeiten, die ihm in Bulgarien aufgefallen sind. So habe er einen ähnlichen Berg, wie den Monte Bulgharia entdeckt, in dessen Falten ganz wie in Italien kleine Ortschaften liegen. Auch erinnere ihn die Landschaft sowie einige Speisen stark an die seiner Heimatregion. „Wir sehen in den Bulgaren Mitbürger – Menschen, mit denen wir eine gemeinsame Herkunft haben“, gesteht der Bürgermeister von Celle di Bulgheria.

Unter den gemeinsamen Initiativen beider Partnerstädte war eine Fahrradtour zwischen Celle di Bulgheria und Weliki Preslaw, die 2017 durchgeführt wurde. Auch werden verschiedene Bildungsprojekte realisiert.

„Ich muss allerdings zugeben, dass wir vor eine Sprachbarriere gestellt wurden“, sagt weiter Gino Marotta. „Es ist für uns sehr schwer, die bulgarische Sprache zu erlernen. Um dieses Problem zu überwinden haben wir uns im vergangenen Jahr beim bulgarischen Kulturministerium mit einem Projekt beworben. Im Ergebnis dessen wird an unseren Grund- und Hauptschulen offiziell Bulgarisch unterrichtet. Das Projekt sieht die Ausbildung von 100 Schülern vor. Sie werden von einer Bulgarin unterrichtet, die in unserer Stadt lebt.“

Trotz der Corona-Pandemie wird die Bulgarisch-Ausbildung fortgesetzt, wenn auch in Form von Fernunterricht. Bürgermeister Marotta hofft, dass das Projekt fortgesetzt und mit der finanziellen Unterstützung des bulgarischen Kulturministeriums auch im nächsten Jahr laufen wird.

Nach der Errichtung des Alzek-Denkmals und der Vereinbarung der Städtepartnerschaft kommen immer mehr bulgarische Touristen nach Celle di Bulgheria. Das Städtchen ist förmlich aufgeblüht und es entstanden etliche neue Familienhotels. Die Bettenzahl wurde um 150 erhöht. Laut Gino Marotta würden die Bulgaren hierherkommen, um sich mit der Geschichte und den Menschen bekannt zu machen, mit denen sie dieselben Wurzeln haben. Vorgesehen ist eine g