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Bulgarien ehrt die heiligen Brüder Kyrill und Method

170 Jahre seit den ersten Ehrungen des Werks der heiligen Brüder aus Thessaloniki

Foto: BGNES

Am 11. Mai ehrt die Orthodoxe Kirche nach neuem Kirchenkalender die heiligen Brüder Kyrill und Method. Ihr Eherntag fällt nach dem Julianischen Kalender auf den 24. Mai und wird bis heute an diesem Tag begangen und zwar als Tag des Schrifttums, der Bildung und Kultur Bulgariens.

Die Namen von Kyrill und Method sind mit der Christianisierung der slawischen Stämme aufs engste verbunden. Geboren Anfang des 9. Jahrhunderts in Thessaloniki, einer Grenzstadt zwischen dem damaligen bulgarischen Reich und Byzanz, wurden sie zu Missionaren des Christentums. Für ihre Missionen übersetzen sie die Bibel und verschiedene liturgische Texte in der in ihrer Heimatstadt gesprochenen slawischen Sprache, die wir heute als Altbulgarisch bezeichnen. Kyrill schuf eigens auch ein spezielles Alphabet – das Glagolitische, dessen Buchstaben genau den Lauten der altbulgarischen Sprache angepasst waren. Damit wurde der Grundstein nicht nur der bulgarischen, sondern auch der slawischen Schriftsprache allgemein gelegt. Kyrill und Method schufen überdies auch originelle Werke, die die christliche Kultur bereicherten.

Im Jahre 1980 ernannte der damalige Papst Johannes Paul II. die heiligen Brüder Kyrill und Method zu “Patronen Europas”. In den Slawenaposteln erkannte der Papst eine geistige Brücke zwischen Ost und West, die einen entscheidenden Beitrag zur Bildung Europas geleistet haben. “Und zwar nicht nur in der religiösen, christlichen Gemeinschaft, sondern auch für seine gesellschaftliche und kulturelle Einheit”, wie es im päpstlichen apostolischen Schreiben “Egregiae Virtutis” vom 31. Dezember 1980 heißt.

Kyrill und Method setzen sich in Rom vor dem Papst Hadrian II. erfolgreich für die slawische Liturgie ein und so wurde neben dem Griechischen und Lateinischen das Altbulgarische zur dritten Kirchensprache in Europa. Nach dem Tod von Kyrill und Method fruchtete ihr Werk insbesondere in Bulgarien, das zum Christentum übergegangen war. Hier fanden ihre Schüler Kliment, Naum, Sawa, Gorasd und Angelarij eine herzliche Aufnahme und wurden zu Gründern von etlichen Schriftschulen im ganzen damaligen bulgarischen Reich. Naum wirkte in der Hauptstadt Preslaw, Kliment im geistigen und religiösen Zentrum Ochrid, währen Gorast in der heutigen albanischen Stadt Berat lehrte.

Es entstanden Lebensbeschreibungen Heiliger, Predigten, Lobreden, religiöse und weltliche Huldigungslyrik, theologische und philosophische Abhandlungen, Grundsätze der Poesie, naturphilosophische Darlegungen, Kampfschriften, Ansätze der Geschichtsschreibung, Umweltdarstellungen, Chroniken, Erzählungen außerreligiöser Ereignisse und vieles andere mehr – es gab überhaupt keine literarische Gattung des Mittelmeerraums, die nicht im bulgarischen Schrifttum ihre zweite Heimatstatt gefunden hätte. Im Laufe der Jahrhunderte fanden diese literarischen Leistungen von Bulgarien aus eine Verbreitung in den anderen slawischen Ländern, wie Serbien und Russland, aber auch in der Walachei und Moldawien. Damit wurde auch das Angedenken an die Slawenapostel Kyrill und Method verbreitet.

Das Fest der heiligen Brüder Kyrill und Method im Mai ist seit dem 12. Jahrhundert bezeugt, konnte jedoch in den wirren Jahrhunderten der türkischen Fremdherrschaft in Bulgarien nicht gebührend begangen werden. Erst mit dem Erstarken des Nationalgeistes währen der bulgarischen Wiedergeburt im 18. und 19. Jahrhundert, erlangte der Festtag eine gesamtnationale Bedeutung. Man verband die Brüder Kyrill und Method sogar mit dem Wunsch nach nationale und geistige Freiheit. Am 11./24. Mai des Jahres 1851 fand auf Initiative des Intellektuellen Najden Gerow in der Schule namens „Hll. Kyrill und Method“ der Eparchie (Bistum) Plowdiw eine erste größere Feier für die heiligen Brüder statt. In den Folgejahren wurden solche Ehrungen auch in anderen bulgarischen Städten durchgeführt.


Am Vorabend des 11. Mai 2021 fand in Plowdiw der traditionelle Umzug statt, an dem sich Dutzende Schüler und Lehrer das Kyrill-und-Method-Gymnasiums beteiligten. „Der Geist des Fests ist immer noch lebendig, das auf die Zeit vor der Befreiung Bulgariens von der Fremdherrschaft zurückgeht“, versicherten einige der teilnehmenden Schüler, die eine Ikone der Heiligen trugen.

Nicht zufällig werden die heiligen Brüder Kyrill und Method auf den Ikonen als Schriftgelehrte und Aufklärer dargestellt. Für uns Bulgaren sind die heiligen Brüder aber mehr als Heilige, die man um Schutz anfleht – sie sind die Begründer unserer Schriftkultur – ein Meilenstein in unserer geistigen Entwicklung und haben auf diese Weise entscheidend für das Überleben unseres Volkes in schwierigen Zeiten beigetragen.

Zusammengestellt: Wessela Krastewa

Deutsche Fassung: Wladimir Wladimirow

Fotos: BGNES, Archiv Gemeinde Plowdiw


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