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In Erinnerung an Boris Christow

107 Jahre seit der Geburt des international gefeierten Basssängers

Foto: Archiv

Boris Christow ist seit langem als einer der bedeutendsten Opernkünstler der Weltmusikgeschichte anerkannt. Bis heute zählen die Aufnahmen von ihm, in denen er als Boris in Mussorgskis Oper „Boris Godunow“, Philipp II. in Verdis „Don Carlos“, Mephisto (sowohl in Gounods „Faust“, als auch in Boitos „Mephisto“) und einer Reihe anderer Rollen zu hören ist, zu den Spitzenleistungen der Opernkunst.

Boris Christow wurde am 18. Mai 1914 in der südbulgarischen Stadt Plowdiw geboren. Er starb am 28. Juni 1993 im Alter von 74 Jahren in Rom, Italien, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte. Bereits als Kind sang er im Chor der Alexander-Newski-Kathedrale und später im international anerkannten „Gusla-Chor“, dessen Solist er bald wurde. Unabhängig seiner Gesangsleidenschaft studierte er Jura an der Sofioter Universität. Eine Wende trat in seinem Leben ein, als währendeiner Vorstellung der bulgarische König Boris III. auf die herrliche BassstimmeChristows aufmerksam wurde und ihm mit einem Stipendium eine professionelle Gesangsausbildung in Italien ermöglichte, die er 1942 in Mailand antrat.

Nach dem Machtantritt der Kommunisten in Bulgarien 1944 stellte die neue Regierung das Stipendium ein. Doch bereits in den Kriegsjahren reichte ihm der gewährte Unterhalt nur zum Überleben. Trotz des bescheidenen Lebens, dass er führte, setzte er unablässig seine Gesangsausbildung fort, wie wir aus seinen Briefen an seine Familie und seine geliebtePenka Kassabowa, Schwester des Poeten Geo Milew, erfahren.

In jener Zeit sang er einige Male in Österreich und erlebte sein Debüt auf einer Opernbühne (1946). Der große Durchbruch gelang ihm jedoch erst 1950 mit einem Auftritt im „Teatro la Fenice“ in Venedig. Es begann an Einladungen zu regnen, doch das kommunistische Regime in seiner Heimat schien daran kein Anteil zu nehmen. 1961 wurde ihm sogar das Einreisevisum verweigert, als sein Vater starb. Zum Glück änderte sich jedoch das Verhalten des Staates gegenüber dem international anerkannten Basssänger und Christow konnte nach 20 Jahren wieder seine Heimat besuchen. Er wohnt dem Jubiläum des „Gusla-Chores“ bei und nahm orthodoxe Kirchenlieder in der Alexander-Newski-Kathedrale auf. 1976 folgten gemeinsame Aufnahmen mit dem Chor „Swetoslaw Obretenow“ unter der Leitung des Dirigenten Georgi Robew in derselben Kathedrale, die als Schallplatte „Bulgarische und russische Kirchengesänge“ herausgegeben wurden.

Parallel zu seinem enorm großen Beitrag zur Opernkunst, wird Boris Christow mit seiner unendlichen Liebe zu seiner Heimat Bulgarien im Gedächtnis seiner Landsleute haften bleiben. Diese Liebe loderte selbst in den Jahren komplizierter Beziehungen zur kommunistischen Staatsführung. In den 60-er Jahren stiftete er sein Familienhaus in Sofia dem Staat, das später in das Musikzentrum „Boris Christow“ verwandelt wurde. Dort wird auch der Internationale Wettbewerb für angehende Opernkünstler veranstaltet, der seinen Namen trägt. Sein Haus in Rom verwandelte er wiederum in eine Akademie für junge Opernsänger, denen er bis fast an sein Lebensende unterrichtete.

Im Jahre 2014, als der 100.Geburtstag von Boris Christow begangen wurde, nahm die UNESCO dieses Ereignis in ihren Kalender auf.

Anlässlich des 18. Mai finden in Sofia, seiner Geburtsstadt Plowdiw und verschiedenen anderen Musikzentren Bulgariens eine Reihe Konzerte in Angedenken an Boris Christow statt. In diesem Jahr wird an diesem Tag im Musikzentrum „Boris Christow“ die 27. Ausgabe des Kunstfestivals eröffnet, das ebenfalls seinen Namen trägt. In der hauptstädtischen Kunstgalerie werden ihrerseits junge Opernsänger ein Programm gestalten, das sich „Goldene bulgarische Stimmen preisen Boris Christow“ nennt.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow


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