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Verständliche Sprache für alle in der Schule – das große Ziel innovativer Pädagogen

Foto: educ-art.eu

Vor fünf Jahren hat Alexandrina begonnen, als junge Lehrerin in einer kleinen bulgarischen Stadt Kinder von der ersten bis zur fünften Klasse zu unterrichten. Doch die junge Lehrerin war überrascht, dass viele ihrer Schüler nur einige Buchstaben des Alphabets kennen. Außerdem gibt es Kinder in ihrer Klasse, die überhaupt kein Bulgarisch sprechen.

Alexandrina ist jedoch nicht die einzige Lehrerin in Bulgarien, die sich vor diese Herausforderung gestellt sieht! Ein Fünftel der Kinder in unseren Grundschulen sprechen eine andere Muttersprache als Bulgarisch, so die inoffizielle Statistik der Stiftung „Zusammen im Unterricht“. Am häufigsten handelt es sich dabei um Kinder aus Roma-Familien, Kinder türkischer Abstammung sowie Kinder von Flüchtlingen. Diese Zahl sei jedoch relativ, denn es sei schwierig, reale Daten zu erhalten, stellt die Stiftung richtig.


In Regionen, wo die Minderheitenbevölkerung überwiegt, sehen sich die Lehrer vor das Problem gestellt, dass man dort kein Bulgarisch versteht. „Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass mich die Kinder im Unterricht nicht verstehen. Ich habe lange nach einer Lösung gesucht“, erzählt Alexandrina. So hat die junge Lehrerin begonnen, im Ausland nach Unterrichtsmaterial und Quellen zu suchen und Methoden auszuprobieren, mit deren Hilfe sie selbst sich Fremdsprachen angeeignet hat. „Meine Schüler haben erfolgreich ihren Abschluss gemacht. Nur zwei, die nicht lesen und schreiben konnten, haben es nicht geschafft. Aber das Problem bei ihnen war aber ein anderes - sie haben nicht die Schule besucht“, sagt die Lehrerin.

Lange Zeit haben die Behörden die Schwierigkeiten unbeachtet gelassen, mit denen Kinder mit einer anderen Muttersprache als Bulgarisch in der Schule konfrontiert werden. Ignoriert wurden auch die Probleme, vor die sich ihre Lehrer gestellt sehen.

Trotz allem ist es jedoch ein großer Vorteil, eines der Kinder zu sein, die von Fachleuten als zweisprachig bezeichnet werden, ist Wjara Michajlowa überzeugt. Sie ist Spezialistin für frühe zweisprachige Entwicklung von der Vereinigung EdukArt. Die gute Nachricht ist, dass das erste bulgarische Lehrbuch für Erstklässler, die eine andere Muttersprache als Bulgarisch haben, jetzt fertig und verfügbar ist. Das Lehrbuch ist auch für Kinder nützlich, die beim Eintritt in die Schule noch nicht über ausreichend ausgeprägte Sprachkenntnisse verfügen, sowie für diejenigen, die in einer fremdsprachigen Umgebung im Ausland leben.


Die Autoren haben das Lehrbuch „Lesen wir mit Assja und Jawor“ genannt – zwei Namen, die mit dem ersten und letzten Buchstaben des bulgarischen Alphabets beginnen.

„Wir wollen den Kindern beim Lernen helfen, damit sie die Schule nicht abbrechen “ – sagt Wjara Michajlowa, die auch Autorin des Lehrbuchs ist.

Wjara Michajlowa

„Die Lehrerkollegen haben mit uns geteilt, dass Kinder bis zur 3. und 4. Klasse Schwierigkeiten beim Erlernen der Lesetechnik haben. Das ist aber eine Schlüsselkompetenz für den Erfolg. Also haben wir uns mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzt. Die Muttersprache der meisten Kinder, mit denen wir arbeiten, ist Romanes oder Türkisch. Sie kommen sehr oft erst im Alter von 5-6 Jahren mit der bulgarischen Sprache in Kontakt. Das bedeutet, dass diese Kinder auf dem Weg sind, zweisprachig zu werden, aber sie sind es noch nicht. Wenn eine Sprache später erlernt wird als die Muttersprache, sind die Lernprozesse anders und die Schüler brauchen eine gezielte Sprachförderung, um in der Schule zurechtzukommen. Meine Kollegin Dr. Anastasia Nowekowa und ich haben Erfahrungen in Deutschland gesammelt. Wir haben dort unser Studium abgeschlossen und in genau dieser Sphäre gearbeitet. Unser Ziel ist es nun, die Motivation und Erfahrung internationaler Universitäten in die bulgarische Schule einzubringen. Wir haben einen langjährigen Partner in der Gestalt des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft.“


Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: educ-art.eu, prepodavame.bg, Facebook / @teachforbulgaria

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