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Nach 170jähriger Abwesenheit sind die Biber wieder da

Vor einigen Tagen gab die wissenschaftliche Gemeinschaft bekannt, dass nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten in Bulgarien erneut eurasische Biber (Castor fiber) gesichtet wurden. Beim Streifzug durch eines der Naturschutzgebiete in Nordbulgarien sind Förster auf seltsame Funde gestoßen.

„Wir haben gefällte Bäume bemerkt und dachten zunächst, dass es sich um Wilderei handelt", erzählt Desislava Tsvyatkova. Als wir uns aber näherten, sahen wir, dass es sich um sehr interessantes und spezifisches „Absägen“ handelte. Es stellte sich heraus, dass nicht unerlaubt Bäume gefällt wurden, sondern es sich höchstwahrscheinlich um das Werk eines Bibers handelt.“

Die sensationelle Entdeckung wurde Mitte September 2020 gemacht. Die Lebensweise der Biber im Winter hinderte die Wissenschaftler daran, ihre Beobachtungen fortzusetzen. Mit der Erwärmung des Wetters begannen gezielte Recherchen und die Hoffnungen waren berechtigt. Im April 2021 erfolgte die erste Fotoregistrierung des Bibers Bobtcho, wie ihn seine Entdecker genannt haben.

„Natürlich haben wir uns riesig gefreut, denn es war ein langes Lauern, die Kameras wurden ständig neu platziert, angebissene Bäume beobachtet…Das wichtigste für uns war, den Biber zu fotografieren, um einen Beweis zu haben, dass es ihn tatsächlich in Bulgarien genau an dieser Stelle gibt. Wir haben ihn nicht live gesehen. Die Videos wurden von Jägern und Fischern gemacht, aber wir haben Zeichen seiner lebenswichtigen Tätigkeiten gefunden - abgenagte und gefällte Bäume, Asthaufen, Abdrucke seiner Pfoten. Das ist ein sehr interessantes und wichtiges Ereignis für Bulgarien", freut sich Desislava Tsvyatkova.

Es ist nicht genau bekannt, wann die Biber in Bulgarien verschwunden sind. Skelettreste aus archäologischen Ausgrabungen aus den Jahren 1750-1850 geben zuverlässige Informationen über seinen letzten Lebensraum.

„Der erste Grund für seine Ausrottung war sein Fleisch. Die erwachsenen Exemplare erreichen ein Gewicht von bis zu 35 kg, erklärt der Zoologe Dr. Nikolay Kodzhabashev. Der zweite Grund ist sein extrem hochwertiges Fell, aus dem früher Kleidung hergestellt wurde. Uns liegen Informationen aus Handelsregistern vor, aus denen hervorgeht, dass die wertvollen, fast schwarzen Felle der in Bulgarien getöteten Biber sehr teuer waren. Die Biber wurden auch wegen dem Castoreum, einem aromatischen, öligen Sekret aus ihren Drüsen, gejagt, das in der Pharmaindustrie und Parfümerie verwendet wurde“, erläutert der Zoologe.

In den letzten Jahren wurden die europäischen Biber in Rumänien wiedereingeführt. Über solche Versuche, sie künstlich in Bulgarien anzusiedeln, gibt es aber keine offiziellen Angaben.

„Eine der Hypothesen, an der wir arbeiten, ist, dass unser Biber eines dieser in Rumänien angesiedelten Exemplare ist. Die zweite Hypothese ist, dass es sich um Tiere handelt, die schon immer in der Natur Bulgariens heimisch waren.

„Es müssen Gentests an Haaren, frischem Kot oder biologischem Material vom Biber vorgenommen werden, da es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Reliktpopulation handelt, die im Laufe der Zeit überlebt hat. Wenn das der Fall sein sollte, werden diese Tiere die einzigen Überlebenden aus der südlichen Population der Art im Allgemeinen auf der Welt sein", betont Kodzhabashev.

Derzeit gibt es keine Bestätigung über die Anzahl der Biber.

Der genaue Standort wird aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben. Der Europäische Biber ist als lokale und unwiederbringlich ausgestorbene Art von den Naturschutzdokumenten und dem Roten Buch Bulgariens ausgeschlossen. Nun gilt es Maßnahmen zu ergreifen, um ihn und seine Lebensräume zu schützen.

Übersetzung: Georgetta Janewa

Die visuellen Informationen wurden von N. Kodzhabashev, einem Mitglied des Teams, das den Eurasischen Biber in Bulgarien entdeckt hat, kostenlos zur Verfügung gestellt. Den vollständigen Artikel in englischer Sprache können Sie hier lesen.


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